Amsterdam: Grachtenfestival lockt mit klassischer Musik unter freiem Himmel

Prinsengrachtkonzert Fotograf Ronald KnappKlassische Musik auf den Wasserstraßen Amsterdams, in malerischen Privathäusern und historischen Gebäuden – das Grachtenfestival vereint seit nunmehr zwölf Jahren Oper, Symphonie und Sonate mit der besonderen Atmosphäre der Stadt. Mehr als 140 Konzerte an 50 verschiedenen Orten werden die Stadt von 15. bis zum 23. August in einen einzigen Konzertsaal verwandeln.

Das Grachtenfestival ist eine Möglichkeit, Menschen für klassische Musik zu begeistern, die sonst keinen Zugang dazu finden. Zugleich bietet es jungen Künstlern ein Podium für ihr Talent und ermöglicht renommierten Solisten und Ensembles in anderer Formation zu spielen. Einen Einblick in die kommende Spielzeit versprechen ausgewählte Vorpremieren, und das Kindergrachtenfestival führt zukünftige Tonkünstler jeden Alters an die klassische Musik heran.

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Konzerte im Restaurant, Museum und Zoo

Die Außenspielorte machen das Festival zu einem besonderen Ereignis, wenn man bedenkt, dass klassische Musik sonst vor allem in Konzertsälen zu hören ist. Entstanden aus einer Reihe von Konzerten im historischen Zentrum Amsterdams, hat sich das Festival in der diesjährigen zwölften Edition zu einem stadtübergreifenden Event entwickelt. Die Konzerte finden u. a. in der Westerkerk, im neuen Gebäude der Hermitage Amsterdam sowie im Freilichttheater am Vondelpark und im Zoo Artis statt. Auch das Pakhuis de Zwijger, die Stadtbibliothek und Jamie Olivers Restaurant „Fifteen“ am IJ-Ufer öffnen ihre Pforten für das Grachtenfestival. Eine besonders intime Atmosphäre jenseits von Orchestergraben und mehrstöckigem Zuschauerraum ermöglichen die Aufführungen in Privatwohnungen der Stadt.

Die Veranstaltungen variieren von 15-minütigen Kurzvorstellungen bis hin zu monumentalen mehrstündigen Konzerten inklusive Bootstour über den Fluss IJ. Kostenmäßig liegen die verschiedenen Konzerte weit unter dem Durchschnitt sonstiger klassischer Auftritte: Mit Preisen von maximal zehn Euro haben die Veranstalter den Eintritt bewusst niedrig gehalten, um vielen Menschen die Konzerte zu ermöglichen. Diverse Veranstaltungen sind gratis zugänglich.

Weltpremiere bei der Eröffnung

Eröffnet wird das Grachtenfestival am 15. August mit der Weltpremiere von Igor Stravinskis „Les Noces“ (Die Bauernhochzeit) aus dem Jahr 1919. Mit der Hermitage Amsterdam im gerade eröffneten Gebäude an der Amstel hätte sich kein besserer Ort für die Musiktheaterproduktion finden können. Neben der Weltpremiere von „Les Noces“ besteht die Vorstellung aus der Produktion von „Scherzo à la Russe“ in einer neuen Version von Louis Andriessen und „Histoire du Soldat“. Besonderer Clou: Die Produktion wird als reale Hochzeit inszeniert, in der das Publikum zu Gast ist. Ein rauschendes Fest mit Ritualen der russischen Peripherie inmitten des Gartens im Innenhof der Hermitage.

Das Ende des Festivals wird von einem nicht weniger spektakulären Event eingeleitet, das von den Amsterdamern geliebt und verehrt wird. Am 22. August findet das mittlerweile legendäre Prinsengrachtkonzert statt – das Vorprogramm beginnt um 20 Uhr, die Hauptacts spielen ab 21.30 Uhr. Das Konzert bietet ein unvergleichliches Bild: Auf der Prinsengracht vor dem Hotel Pulitzer verwandelt sich die Wasserstraße in eine Brücke aus Booten. Nahezu jedes Wasserfahrzeug der Stadt liegt dort am Abend vor Anker. Dieses einmalige Schauspiel hat dem Konzert sicherlich seine Beliebtheit eingebracht. Zudem ist es gratis zugänglich – wer zuerst kommt, malt zuerst. Deshalb: Hocker und Picknick mitbringen und den klassischen Klängen lauschen.

Das komplette Programm und Musikvideos als Vorgeschmack sind hier einsehbar. Dort sind auch Tickets erhältlich.

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