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Hyatt: Gouverneur von Massachusetts ruft zum Hyatt-Boykott auf nach Kündigungen für 98 Zimmermädchen

Dank eines Tweets von Ed Wohlfahrt stosse ich gerade auf diese Nachricht im Public Affairs-Blog: Die amerikanische Hotelkette Hyatt hat ein starkes Reputationsproblem. Im Allgemeinen ist das Unternehmen für seine exzellenten 5-Sterne-Hotels bekannt. Doch in Boston krachts gewaltig im Gebälk. 98 Zimmermädchen würden entlassen – und durch billigere Kolleginnen ersetzt.

Public Affairs berichtet – und ich erlaube mir ein extrem langes Zitat:

In drei Häusern in Boston bekommen die Zimmermädchen gesagt, dass sie Ersatzkräfte für Urlaubsvertretungen anlernen sollen, nur um danach über ihre sofortige Kündigung informiert zu werden. Das neue Personal stammt von einer Firma, die ihren Arbeitskräften etwa die Hälfte dessen bezahlt, was die ehemaligen Mitarbeiter bei Hyatt verdient haben. In der Folge rechtfertigte Hyatt die Maßnahme mit notwendigen Kosteneinsparungen im Rahmen der Wirtschaftskrise.

Jetzt ruft der demokratische Gouverneur von Massachussets Deval Patrick zum Boykott der Hyatt Gruppe auf, berichtet das Blog „working in these Times„: Mass. Governor Calls for Hyatt Boycott After Housekeeper Firings.

Public Affairs schreibt weiter:

Die 98 ehemaligen Beschäftigten antworteten mit Demonstrationen und erhielten unverhofften Beistand: In Massachusetts sind nächstes Jahr Wahlen, und der Gouverneur muss um die Erneuerung seines Tickets bangen. In den Medien meldete er sich zu Wort und forderte Hyatt auf, die Mitarbeiter wieder einzustellen. Zugleich drohte der Gouverneur mit einem Boykott der Hotels durch die Mitarbeiter seiner Regierung. Hyatt wiederum antwortete, dass durch einen Boykott alle anderen 600 Arbeitsplätze der Gruppe im Bundesstaat gefährdet würden; der Gouverneur solle sich lieber um die Betroffenen der Wirtschaftskrise und neue Jobs kümmern. Einen Tag später verkündete Hyatt, dass die Entlassenen bei der neuen Reinigungsfirma für ein knappes Jahr zum alten Tarif weiterbeschäftigt würden. Nur wenige Angestellte akzeptierten das Angebot; die Proteste gehen unvermindert seit September weiter und werden mittlerweile von kirchlichen Gruppen und anderen NGO’s unterstützt. Die städtischen Behörden sollen angeblich die Hyatt-Häuser bei ihren Inspektionen genau unter die Lupe nehmen und Verstöße gegen gesetzliche Bestimmungen ahnden. Zusammen mit bereits abgesagten Buchungen und Veranstaltungen bei Hyatt dürften die Kosten für 98 Angestellte im Vergleich dazu überschaubar sein. Vom Schaden für die Reputation ganz zu schweigen.

In den letzten Updates auf dem Workers-Blog stehen eben diese Weiterbeschäftigungsbedingungen etwas genauer. Doch es ist verständlich, dass die Mitarbeiter zu diesen Bedingungen nicht wirklich weiterarbeiten wollen. Zumindest in Boston hat Hyatt seinen guten Ruf seit September verspielt.

Eine Stellungnahme der deutschen Hyatt Gruppe steht noch aus.

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