Griechenland: Wie sich der Tourismus in der Krise wandelt – Ein Erfahrungsbericht

Gastautorin Elisabeth Duckeck hat sich verliebt: in Kreta und Griechenland. Schon seit vielen Jahren lebt und arbeitet sie auf der besonders bei Deutschen beliebten Insel. Für Le Gourmand hat sie diesen Artikel geschrieben. Genau richtig zur ITB Berlin und den aktuellen Diskussionen um die Zukunft des Landes. Hier ist ihr Erfahrungsbericht: „Über die Krise in Griechenland wurde bereits viel berichtet und wird viel gesprochen. Hier geht es nicht um die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, die durch die Vetternwirtschaft der Politiker und oberen Zehntausend verursacht wurde. Hier geht es um den Wandel des Tourismus innerhalb der letzten 20 Jahre.

In den 1990ern fing der Tourismus auf Kreta erst an zu boomen. Die Touristen, die damals die Insel besuchten, waren an der Kultur, den Menschen und deren Geschichte interessiert. Als Reiseleitung war es leicht, Ausflüge oder Mietwagen zu vermitteln und den Menschen die Hintergründe der Insel nahezubringen.

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Anfang 2000 entdeckten dann die Hoteliers das All-Inclusive für sich: mit wenig Aufwand viel Geld zu verdienen. Leidtragende waren hier als aller erste die Tavernen in den Urlaubsgebieten. Auf einen Schlag blieben die Gäste aus, die ihre Mahlzeiten bereits zu Hause bezahlt hatten. Viele Tavernen-Besitzer sahen sich gezwungen, ihr Geschäft aufzugeben oder in einen Souvenir-Shop umzuwandeln. Für die Reiseleiter wurde es immer schwerer, Ausflüge oder Mietwagen zu vermitteln. Von vielen Urlaubern bekamen sie die Antwort: ”Wir sind das erste Mal auf Kreta, aber wir bleiben lieber im Hotel am Strand oder Pool zum Entspannen.”

Mit der Öffnung des Ostens nach Westeuropa kamen schliesslich auch die russischen Touristen, mit der Folge, dass die Hoteliers in der Hauptsaison viele russische Studenten einstellten (um Personalkosten zu sparen), die gerade mal gebrochen Englisch sprechen konnten, um den russischen Gast zu bedienen und sich mit den Einheimischen zu verständigen.

Als dann 2010 die Pleite Griechenlands nicht mehr vor der Presse zu verheimlichen war, ging es mit der Infrastruktur in den touristischen Gebieten und in den Städten steil bergab. Viele Geschäfte schlossen aufgrund mangelder Einnahmen, Ausflugsanbieter und Autovermieter machten dicht wegen mangelnder Auslastung.

Wie das Wirtschaftsjahr 2011 fuehr Griechenland verlaufen ist, ist allseits bekannt. Es mussten immer mehr Geschäfte geschlossen warden, die touristische Saison, die 1995 noch bereits im März anfing und bis Mitte November lief, begann für viele Hotels erst im Mai und endete Mitte Oktober, viele kleine Hotels standen sogar zum Verkauf aufgrund zu geringer Reservierungen und zu hoher Kosten.

Zum Ende der Saison 2011 bekamen die Angestellten in den Hotels teilweise von den Gästen zu hören, dass sie (die Touristen) schliesslich mit ihren Steuergeldern dafür bezahlt haben, dass sie (die Griechen) hier arbeiten dürfen!

Wie wird nun die Saison 2012?

In Griechenland werden keine Autos produziert, wie in Spanien oder Italien, und der griechische Kaffee wird immer noch mit der Hand gemacht. Griechenlands Wirtschaft wird hauptsächlich von der Schifffahrt (um die es auch nicht mehr so gut bestellt ist) und dem Tourismus getragen.

Leider gibt es immer wieder Presseberichte und Bilder im Fernsehen, mit Streikenden und randalierenden Rechtsradikalen, die sich hauptsächlich in der Innenstadt Athens „austoben“.

Warum wird Griechenland das Recht zum Streiken abgestritten, wenn gerade erst wieder in Deutschland aktuell Streiks wegen höherer Lohnforderungen stattfinden. Die Löhne in Griechenland sollen allgemein um 22% gekürzt werden, der Saisonzuschlag für die im Tourismus Arbeitenden wurde gestrichen, Kredite bei den Banken werden mit 10-14% verzinst, Kreditkarten sogar bis 16%. Das Ganze bei einem MwSt.-Satz von 25% und einer immernoch unabsehbaren Preissteigerung der Lebensmittel. Das Arbeitslosengeld soll auf 356 Euro gekürzt werden, für Saisonarbeiter (Tourismus und Baugewerbe) sogar auf 260 Euro, begrenzt auf 6 Monate, ohne anschliessende Sozialunterstützung und den Verlust der gesetzlichen Gesundheitsversorgung.

Griechenland braucht sicher keine “Robin Hood” oder “Big Brother”-Touristen. Griechenland braucht Freunde, die die griechische Gastfreundschaft zu schätzen wissen. Schliesslich helfen Freunde einander unvoreingenommen und selbstlos.“

Die Autorin Elisabeth Duckeck stammt aus Hildesheim, lebt und arbeitet seit 1995 auf Kreta, derzeit im Apollonia Beach Resort & Spa (CYAN GROUP of HOTELS) .

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