Griechenland – Des einen Leid, des anderen Freud – oder: Aufruf zu einer Ganzjahresdestination

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Wir alle koennen uns sicher noch an das große Bangen und Zittern im Frühjahr 2013 erinnern, als es zum großen Clash in Ägypten kam! Diejenigen, die ihren wohlverdienten Urlaub dorthin gebucht hatten, wussten nicht, was sie tun sollten: hinfahren, stornieren, umbuchen? Offizielle Statements von Marketing Greece auf der ITB Berlin sind das eine. Doch wie sieht es wirklich vor Ort aus? Für Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin gibt unsere Gastautorin Elisabeth Duckeck einen interessanten Insider-Einblick als Guest Relations Managerin eines Hotels auf Kreta.

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Die Revolten hier und in der Türkei führten dazu, dass die Buchungszahlen in Griechenland ab April rapide in die Höhe schossen. Der Tourismus in dem wirtschaflich gebeutelten Land stieg um 20% zum Vorjahr an, zur Freude der Hoteliers, die 2012 um jede Reservierung kämpfen mußten.
Auf Kreta waren die Hotels so voll, wie schon seit über 10 Jahren nicht mehr. Die Saison-Flauten zwischen Oster- und Sommerferien und Sommer- zu Herbstferien blieben in diesem Jahr komplett aus. Aber nicht nur die politischen Krisen rund um das beliebte Urlaubsziel trugen dazu bei, den Tourismus in Griechenland anzukurbeln.

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Im Herbst 2011, als das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Katastrophe deutlich wurde, hatte die Presse in ganz Europa dazu beigetragen, Griechenland in einem Licht darzustellen, wie es den Tatsachen gar nicht entsprach. Gerade in dieser Zeit merkten wir in Griechenland sehr deutlich, was für eine Macht hinter einer Berichterstattung stehen kann. Die Auswirkung dieser maßlosen Verallgemeinerung (ich habe darüber im Sommer 2012 hier berichtet) führten dazu, dass der Tourismus in Griechenland fast völlig zum Erliegen kam. Zum Glück wurde dies den Medien offensichtlich bewusst, denn im Sommer desselben Jahres gab es einen totalen Umschwung und die Buchungszahlen stiegen wieder etwas an.

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Im Winter und im darauffolgenden Frühjahr 2013 wurde dann wieder intensiv Werbung für das wunderschöne Land am Mittelmeer gemacht, sodass die Saison doch zuversichtlich beginnen konnte.
Bereits in der vergangenen Saison wurde es dann auch bereits absehbar, dass der Sommer 2014 auch ohne die Krisenherde in der Türkei und in Ägypten ein noch heißerer Sommer werden würde. Bereits im Laufe der Saison 2013 gingen Buchungen für den kommenden Sommer ein, die Reiseveranstalter kämpften um jedes Bett, um ihre voraussichtlichen Nachfragen abzudecken.

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Bereits jetzt, Anfang März, bereiten sich einige Hotels auf ihre Saisoneröffnung Mitte des Monats vor, und es wird gemunkelt, dass diese Saison eine sehr lange Saison wird.
Meiner Meinung nach wird es auch langsam Zeit, dass sich in Griechenland etwas im Tourismus ändert. Und damit meine ich nicht nur eine Verlängerung der Sommersaison.

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Als ich vor mehr als 15 Jahren als Reiseleitung eines heute englischen Reiseveranstalters nach Kreta kam, war der Saisonbeginn Ende März (d.h. so um den 20.sten) und endete Anfang/Mitte November. Damals gab es sogar nur zwei Flugtage (für alle internationalen Charterflüge)! Heute sind es sieben!

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Obwohl sich das Gäste-Aufkommen so immens gesteigert hat, wurde die Saison von Jahr zu Jahr kürzer. Im letzten Jahr exakt vom 1. April bis 31. Oktober.

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Die Menschen, die vom Tourismus leben, sei es nun Angestellte in den Hotels oder Ladenbesitzer, mussten sich anschließend arbeitslos melden. Selbst wenn sie in einem anderen Bereich hätten arbeiten wollen, wäre dies nicht möglich gewesen, da Arbeitsplätze – nicht nur der Wirtschaftskrise wegen – in Griechenland rar sind, da es hier keine großartige Industrie gibt. Und gerade in diesem Winter haben die Arbeitslosen in Griechenland jeden Cent nicht nur einmal, sondern unendlich viele Male umdrehen müssen, da sie nur 3 ½ Monate Arbeitslosengeld bekommen haben…

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Ich finde, es wird langsam Zeit, dass die griechische Regierung, die Hoteliers, die Reiseveranstalter oder wer auch immer, veranlassen, dass Griechenland als ganzjähriges Saisonziel in den Urlaubskatalogen angeboten wird.

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Griechenland bietet auch im Winter sehr viele Moeglichkeiten für den Tourismus. Im Norden Griechenlands beispielsweise gibt es wunderschöne Wintersportgebiete. Die Akropolis, Museen und die Ausgrabungsstätten sind auch im Winter geöffnet. (Anmerkung als News von der ITB: Marketing Greece legt hier einen seiner besonderen Schwerpunkte. Skifahren in Griechenland steht künftig auch im Fokus.)

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Auch Kreta bietet unglaublich viel im Winter: der höchste Berg, der Psiloritis (https://www.youtube.com/watch?v=K_w6zWPWcio), und die Weissen Berge bei Chania (https://www.youtube.com/watch?v=jpHmpDYidKA) liegen unter einer dicken Schneedecke, die zum Skifahren einladen (es gibt sogar einen Skilift zum Psiloritis). Knossos, Phaestos und viele anderen Ausgrabungsstätten sind täglich geöffnet. (Hier noch ein Beispiel, was Kreta das ganze Jahr über so bietet: https://www.youtube.com/watch?v=s3jdQRbbwPs. Meiner Meinung nach das beste Video überhaupt!)

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Cycladia_4_Katikies_Sun_Rock_Hotel_Mai_2011_013Das Wetter auf Kreta im Winter ist sehr angenehm: je nach Wetterlage reichen die Tagestemperaturen an der Küste bis 25°C. Ausflüge mit dem Mietwagen sind bei diesen Temperaturen sehr angenehm! O.K., das Meer ist in dieser Zeit vielleicht ein bischen kalt, aber wer geht schon auf Mallorca im Winter im Meer baden…?

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Cycladia_4_Katikies_Sun_Rock_Hotel_Mai_2011_015Es muss ein Umdenken bei den Hoteliers und den Angestellten stattfinden. Über die letzten Jahre waren sie es gewohnt, dass sie nach der Saison ein halbes Jahr mit „Nichtstun“ beschäftig waren. Aber ich denke es wäre sowohl der Bevölkerung als auch dem Staat geholfen, wenn es Arbeit das ganze Jahr über geben würde und nicht nur für ein paar Monate.

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Sicher, auch die Griechen brauchen nach 6-7 Monaten Saison einmal Urlaub, zumal viele davon anschließend in die Oliven-Ernte gehen. Aber diese dauert im Regelfall nur 2-3 Wochen an, je nachdem, wieviele Olivenbäume ein jeder hat. Dennoch haben sie dann den Vorteil, dass sie das ganze Jahr über Geld verdienen. Da macht es dann auch nichts aus, wenn die Gehälter gekürzt würden.

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Ich denke, es ist besser, das ganze Jahr über von einem gekürzten Gehalt leben zu können, als 5-6 Monate von 3 ½ mal 230 € seine Familie durch de Winter bringen zu müssen.
Das Problem hierbei ist nur eines: EINER MUSS ERSTMAL DAMIT ANFANGEN….

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Also: Let’s fly to Athens, take the Seajet and discover and enjoy Greece!
Disclosure: Die Bilder in diesem Artikel sind von der #Cycladia-Bloggerreise nach Santorini.

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