Belfort: Das leise Lächeln des Löwen

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Das Tor zwischen Burgund und Elsass: Belfort ist eine stolze Stadt, eine unbesiegte Stadt. Nachdem der Ort geographisch eigentlich zum Elsass gehörte, zählt er heute zur Franche-Comté. Und das verdankt er Reichskanzler Otto von Bismarck. Der Ort ist nicht nur geschichtlich bedeutsam. Die Franche-Comté ist die Heimat exzellenter Käse, unbekannterer Weine und einiger französischer Industrieunternehmen. Das bekannteste davon ist sicherlich Peugeot im Städtchen Sochaux. Deutlich kleiner ist der Ort Fesches-le-Châtel. Dafür gehört der Topfproduzent Cristel zur Premiumklasse der Welt. Unsere Co-Autorin Sigrun Lüddecke war für Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin vor Ort.

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Früher hatte die Festung Belfort eine große strategische Bedeutung, sie gehörte unter dem deutschen Namen Beffert bis zum Westfälischen Frieden 1648 zum habsburgischen Sundgau und zum Heiligen Römischen Reich und danach erst zu Frankreich.

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Von Berlin buchen wir den Flug bis Basel-Mulhouse-Freiburg, denn das Territoire Belfort befindet sich nur ca. 50 Kilometer südwestlich von Mülhausen und ist mit seinen 609 qm das kleinste Departement Frankreichs. Die Landschaft ist sehr reizvoll, die mit Bergen, Tälern, Gewässern und Wäldern sowie durch Tradition und fremde Einflüsse geprägt ist. Das Gebiet liegt sehr zentral am Fuß der Vogesen und vor den Toren der Schweiz, den Südelsässer Weinbergen und Deutschland und wirkt dennoch etwas verschlafen, was aber nicht negativ ist. Das Département Belfort wiederum gehört zur Region Bourgogne-Franche-Comté, die erst kürzlich aus dem Zusammenschluss der Franche Comte mit dem Burgund entstanden ist.

In den Jahren 1870/71 fand hier eine der wichtigsten und längsten Schlachten des Deutsch-Französischen Krieges statt, in dem die Truppen unter Oberst Denfert-Rochereau 103 Tage lang der preußischen Belagerung widerstanden. Dann aber kam der ausdrückliche Befehl der französischen Regierung, die Festung und Stadt am 16. Februar 1871 den feindlichen Truppen zu übergeben, die teilweise die Festung schleiften. Durch diesen langen, erfolgreichen Widerstand wurde Belfort und seine Zitadelle zum Symbol des französischen Freiheits- und Kampfeswillen. Seine Berühmtheit erlangte sie nach den Krieg, denn im Gegensatz zum Elsass, das an Deutschland abgetreten wurde, blieb Belfort französisch. Dank Otto von Bismarck. Denn Bismarck hatte Respekt vor dem Mut der starken Franzosen in ihrer Festung. Er genehmigte den Abzug der französischen Truppen mit ihren eigenen Waffen. Und beliess das bis dahin elsässische Belfort als Stadt bei Frankreich, während Elsaß-Lothringen heim ins Reich kam.

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Belfort: Bezaubernde Bauten

Wir sind begeistert von unserem ersten Eindruck der Stadt und checken im Grand Hotel du Tonneau D´Or ein, das sich ganz zentral in der Altstadt befindet. Von hier werden wir in den nächsten Tagen unsere weiteren Entdeckungen starten und hoffen, daß die Sonne wieder scheinen wird.

Unser Wunsch ging in Erfüllung und wir genießen bei Sonne das vorweihnachtliche Flair der Stadt, das mit farbiger Beleuchtung, Kunstschnee, geschmückten Tannenbäumen und netten Geschäften aller Art überall präsent ist. Wir erleben im Schutz der gewaltigen Stadtmauer des großen Festungsbaumeisters Vauban eine bunte und blühende Stadt, mit Parks und Gärten, in der das französische Flair allgegenwärtig ist, ob in den zahlreichen verführerischen Restaurants oder gemütlichen Straßencafés, die mit ihren kulinarischen Feinheiten zum Entspannen und Genießen einladen.

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Belfort: Der Löwe von Bartholdi

Über Belfort thront auf einem 70 Meter hohen Felsen die Zitadelle mit dem berühmten und monumentalen Löwen aus roten gehauenen Vogesen-Sandsteinquadern, der durch den Colmarer Bildhauer Auguste Bartholdi (1834–1904) von 1875/80 geschaffen wurde und mit seinen 22 m Länge und 11 m Höhe über der Stadt wacht. Es ist das sehr beeindruckende Wahrzeichen der Stadt und erinnert an den heroischen Widerstand Belforts während der Belagerung von 1870/71. Bildhauer Bartholdi wurde später berühmt durch die amerikanische Freiheitsstatue vor New York! Der Löwe hat dabei eine besondere Bedeutung. Er steht nicht, er brüllt nicht, er sitzt auch nicht aufrecht, sondern er liegt seitlich. Er ist nicht stolz auf einen Sieg, denn den haben die Franzosen nicht errungen. Er verachtet nicht den Feind. Er wirkt sanft, ja fast ist es so, als ob er ein leises Lächeln auf den Lippen trägt. Seine rechte Tatze liegt auf einem Pfeil, denn der Angriff der Deutschen wurde abgewendet. Doch gleichzeitig betrauert er auch die vielen Gefallenen.

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Belfort: Aussergewöhnliche Adventsbeleuchtung

Ein kurzer etwas steiler Fußweg führt uns hinauf zur Aussichtsplattform der Festung, von der wir einen wunderbaren Rundblick über die gewaltige Anlage, die Stadt und bis hin zu den Vogesen haben.

Inzwischen ist es schon dunkel geworden und Belfort zeigt sich mit seiner unterschiedlichen, farbigen Weihnachtsbeleuchtung sowie dem Kunstschnee, die der Stadt ein ganz besonderes Flair  schenken. Wir kehren zur Weinprobe in einen der ältesten Lebensmittelläden Frankreichs, ins L’Estaminet in der Altstadt ein, der heute unter Denkmalschutz steht, und genießen edle Rotweintropfen. Anschließend speisen wir im Restaurant Le Pot au Feu , das mit köstlichen Gaumenfreuden der Region begeistert. Ich entschied mich für das verlockende Menü – und bin begeistert, es ist ein wahrer Genuß!

  • Vorspeise: Frikassee von Waldpilzen an Savagnincremesoße
  • Hauptspeise: Brust vom Bauernhof-Huhn mit einer Sauce aus gelbem Jurawein und Pasta
  • Dessert: Verschiedene französische Käsesorten

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Tags darauf machen wir den historische Stadtkern unsicher, der für das geschichtliche Kulturerbe von Belfort von großer Bedeutung ist. Er bietet nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern begeistert zugleich auch mit seinen quirligen Plätzen, die herrliche Treffpunkte für Jung und Alt sind, den bunten Häuserfassaden sowie den alten holprigen Gassen, die sich zwischen Zitadelle und dem wachsamen Auge des Löwen durch die Befestigungsanlagen schlängeln.

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Cristel Belfort Altstadt 2016 004Belfort ist sehr überschaubar, und so können wir es gut zu Fuß entdecken. Wir erreichen den Place d’Armes mit dem Rathaus, das 1724 vom Ingenieur Marschall als Stadtpalais für François Noblat erbaut wurde. Gleich gegenüber steht der Musikpavillon aus der Belle Epoque. Hier befindet sich auch die Kathedrale St. Christophe de Belfort, die von 1727 bis 1752 aus rotem Vogesen-Sandstein erbaut wurde. Hier befindet sich ein kleiner Seitenaltar, der uns Staunen liess: Eine grosse weisse Marmorwand, die rechts und links das preussische bzw. deutsche Eiserne Kreuz schmückt mit Namen vieler Gefallener. Die Namen sind deutschem und französischem Ursprungs. Leider konnte uns auch ein Mann, der in der Kirche Postkarten und Prospekte direkt neben dieser Wand verkauft, nicht beantworten, ob dies nun französische oder deutsche Gefallene sind oder sogar eine gemischte deutsch-französische Totentafel ist. Sind die deutschen Namen also elsässischen Ursprungs und haben auf der Seite der Franzosen gekämpft? Oder ist es eine Tafel mit Seltenheitswert, in Frankreich zumal, auf der die Toten beider Seiten geehrt werden?

Belfort: Der größte Flohmarkt Ostfrankreichs

Nicht weit entfernt erreichen wir den Republik-Platz mit dem  Denkmal der drei Belagerungen, der auch den Übergang zwischen dem historischen und dem modernen Stadtteil von Belfort zeigt. Wir schlendern gemütlich über den größten Flohmarkt Ostfrankreichs, der seit 1966 von März bis Dezember an jedem ersten Sonntag hier stattfindet und sich über die gesamte Altstadt zieht. Es ist ein Gewirr von Menschen, denn hier gibt es alles zu kaufen, von „Kuriositäten bis hin zu Raritäten“, und jeder möchte sein Schnäppchen erhaschen. Es lohnt sich, das zu erleben!

Belfort: Magische Markthalle

Dann geht es noch zur alten Markthalle aus dem Jahr 1905, die noch heute genutzt wird, sie ist wirklich einen Besuch wert. Wir sind begeistert von der Vielzahl der Angebote, die von Käse, Fleisch, Geflügel, Wein oder Schnaps u. a. reichen, und nach denen die Käufer geduldig in Schlangen anstehen. Nach so vielen netten Eindrücken knurrt uns nun magisch der Magen und wir begeben uns zum Place de L’Étuve, wo wir im gemütlichen Restaurant Aux 2 Coqs schon erwartet und mit einer raffinierten Küche sowie edlen Tropfen verwöhnt werden!

Belfort: Lac du Malsaucy

Leider neigen sich unsere sehr schönen Tage in Belfort dem Ende zu und unser letzter Ausflug führt uns noch in die nahe Umgebung zum 55 Hektar großen Lac du Malsaucy. Einst wurde er angelegt, um Wasser zu speichern, damit er während der Trockenperiode der Bevölkerung wieder liefern konnte. Ein weiterer See ist der Teich Veronne, der als Zwillingsteich fungiert und mit seinem großen Fischreichtum die Angler voll auf ihre Kosten kommen läßt.

Belfort: Les Eurockéennes

Alljährlich im Juli findet hier eines der größten Rockmusikfestivals Frankreichs Les Eurockéennes de Belfort statt, das sich über drei Tage zieht. Dann rocken und toben hier mehr als 100.000 ausgelassene Fans und Zuschauer zur Musik und den Konzerten. Darüber hinaus locken über das ganze Jahr eine Vielzahl von Aktivitäten wie Freizeit – und Wassersport, Segeln, Kajak, Ballon u.v.m., und im Sommer lädt einen überwachten Strand zum Baden und Entspannen ein und als Kulisse dient die liebliche Landschaft mit Wald und den Vogesen.

Belfort: Golf in Rougement Le Château

Von hier ist es auch nicht weit zum 1990 gegründeten 18-Loch Golf-Platz Rougemont Le Chateau, der in einer wunderschönen Landschaft zwischen Jura und Schweizer Alpen liegt und mit einem herrlichen Panorama begeistert. Das hügelige und waldreiche, mit Wasserhindernissen geprägte Gelände hat eine Länge von 6.007 Metern und lockt mit einer Reihe von sehr unterschiedlichen Löchern, wobei bei den letzten neun Löchern das Spiel durch zahlreiche Wasserhindernisse erschwert wird. Der Schwierigkeitsgrad ist sportlich-anspruchsvoll.

Belfort: Kunst, Musik und Geschichte

Kunstkenner finden in Belfort zahlreiche Museen, die zu besuchen sich lohnen, wie das Kunstmuseum mit seiner Sammlung der modernen Künste. Es zeigt mehr als 100 Werke von Pablo Picasso, Fernand Léger, Matisse, André Masson, Skulpturen von Henri Laurens und viele mehr. Das Museum für Schöne Künste präsentiert eine umfangreiche Sammlung von Skulpturen von Rodin, Gemälden von Courbet, Flachreliefs und Stiche von Dürer sowie wechselnde Ausstellungen. Das Geschichtsmuseum befindet sich sich in der Zitadelle und präsentiert historische, archäologische und ethnographische Sammlungen von den vorgeschichtlichen Zeiten bis zur Zeit der Invasionen. Man sollte sich zeit nehmen, denn es gibt noch viel, viel mehr zu entdecken!

Belfort: Töpfe und Pfannen von Cristel

Das Territoire Belfort ist eine Reise wert. Mit seinen ungeahnten Möglichkeiten der zahlreichen Freizeitaktivitäten im Sommer wie im Winter lockt es mit herrlicher Natur, ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Schlendert man durch die Straßen der geschichtsträchtigen Altstadt, dann locken zahlreiche Geschäfte, Feinkostläden, Kunstgalerien, Teestuben, „Chocolaterien“  und gemütliche Restaurants, die zum Entspannen und Genießen einladen. Und für jeden, der seine Küche optimieren möchte, dem empfehlen wir, seine Töpfe und Pfannen komplett zu ersetzen. Im Ort Fesches-le-Châtel, unweit von Belfort gelegen, sitzt Cristel. Das Familienunternehmen ist stolz darauf, dass alle Produkte in Frankreich gefertigt werden. 90% der Produktion, so erzählt uns stolz die Inhaberin Mme Dodane, stammen aus dem Werk. Bei unserer Besichtigung werden wir Zeuge, wie die Kochtöpfe aus Edelstahl gefertigt werden, wir erhalten Einblick in das Geheimnis der beschichteten Pfannen. Cristel stellt Pfannen und Töpfe der absoluten Premiumklasse her. Viele Köche schwören auf die Qualität des kleinen französischen Herstellers. Doch während das Unternehmen Marktführer in Japan (!) ist, ist es in Deutschland so gut wie unbekannt. Mehr dazu werden wir Euch in einem späteren Artikel erzählen.

Belfort ist wirklich eine Reise wert!

Mehr Infos:

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