Griechenland: Panikmache oder üble Nachrede mit System? Warum Griechenland die Deutschen braucht

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Deutsche – kommt nach Griechenland! Die Menschen, das Land freuen sich auf Euch. Allerdings zerstören Medien und Politiker beider Länder das gute Verhältnis zwischen Urlaubern und Gastgebern, so der Tenor von Gastautorin Elisabeth Duckeck:

Heute wurde ich von einem Reisebüro aus Deutschland angerufen. Weil ein Kunde Angst hat, nichts mehr zu essen zu bekommen, hat er Bedenken seinen Urlaub in Griechenland zu buchen!
Generell höre ich immer wieder von den Gästen des Hotels, in dem ich als Guest Relations Manager arbeite, dass sie mit gemischten Gefühlen hierhergekommen sind. Sie waren dann alle ganz überrascht, dass alles so gut klappt, sie willkommen bei den Einheimischen sind und reisen in der Regel total glücklich wieder ab.

Cycladia 2 Athen Mai_2011_012Es ist für mich als Deutsche, die seit 15 Jahren in Griechenland – explizit auf Kreta – lebt und trotz der Krise nicht nach Deutschland zurück möchte, erstaunlich, was im deutschen Fernsehen und in der gedruckten Presse offensichtlich über Griechenland berichtet wird.

Nachdem der erste Durchgang der Parlamentswahlen in Griechenland ergebnislos blieb, ist mir dies erst recht bei einem Internet-Reiseanbieter aufgefallen , der auch im Fernsehen Werbung macht. Bis vor der Wahl hieß es: „Bucht Griechenland, bucht Spanien, bucht Italien, bucht die Türkei…“, nach den Wahlen hieß es dann nur noch:“….PAUSE…, bucht Spanien, bucht Italien, bucht die Türkei…“

Warum wird der Tourismus in Griechenland offensichtlich systematisch kaputt gemacht?
Sicher, der deutsche Steuerzahler (und der anderer Länder) kommt für das Hilfspaket der verschuldeten Länder auf. Aber ist das gleich ein Grund, auf einen Urlaub in Griechenland zu verzichten?
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Cycladia_5_Day_1_Mai_2011_113Griechenlands Wirtschaft lebt vom Tourismus – man muss fast sagen, beinahe nur noch vom Tourismus, nachdem sämtliche ausländischen Firmen ihre Niederlassungen fast ausnahmslos geschlossen haben. Kommt der Tourismus auch noch zum Erliegen, kann Griechenland seine Schulden garantiert nicht mehr zurückzahlen – und damit indirekt auch die Schulden, die es beim deutschen Steuerzahler gemacht hat. Es wäre daher eigentlich logischer, das griechische Volk dahingehend zu unterstützen und Urlaub hier zu machen, damit die Wirtschaft erhalten bleibt.

Stattdessen wird über die angebliche Arbeitsfaulheit und Steuerträgheit der Griechen gewettert. Leider wird dabei übersehen, dass der Grieche vergleichsweise mehr arbeitet als der Deutsche, da er, um über die Runden zu kommen, oft zwei Jobs hat (bei etwa 14 Tagen Urlaub im Jahr).

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Viele in Deutschland glauben, dass in Griechenland dieselben sozialen Verhältnisse herrschen. Dem ist aber nicht so. Verliert der Grieche seine Arbeit, hat er max. 12 Monate Anspruch auf Arbeitslosen-Unterstützung (etwa 380 Euro, egal wie lange er gearbeitet hat und wie viel er vorher verdient hat). Findet er keinen neuen Job, verliert er danach seinen Anspruch sowie den Anspruch auf die staatliche Krankenversorgung. Sozialhilfe oder sonst eine Unterstützung gibt es in Griechenland nicht und als Kindergeld gibt es auch gerade mal ca. 50 Euro pro Kind – solange man arbeitet oder Arbeitslosengeld bekommt.

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Die letzten Wahlen haben wieder gezeigt, dass es das Volk satt hat, von der ewig gleichen Vetternwirtschaft regiert zu werden. Mit der Enthüllung der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands und der Doktrin des sog. Sparpaketes der EU, wurde in erster Linie der kleine griechische Bürger zur Kasse gebeten, der in der Regel immer brav seine Abgaben bezahlt hat. Anstatt an der Spitze der Pyramide mit dem Sparpaket anzusetzen, wurde alles wieder auf die Basis abgewälzt…

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Die Berichterstattung in den deutschen Medien trägt einen erheblichen Teil dazu bei, dass der potenzielle deutsche Griechenlandurlauber davon abgehalten wird, seine Urlaub hier zu verbringen. Es wird über Demonstrationen in ganz Griechenland berichtet, anstatt zu betonen, dass diese überwiegend in Athen stattfinden. Touristische Zentren und Urlaubsgebiete sind hiervon meistens nicht betroffen. Es entsteht der Eindruck, als ob in Griechenland schlimmere Verhältnisse herrschen, als man es bei den Revolutionen in Tunesien, Ägypten oder Libyen (und Syrien?) gesehen hat.

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Diese Berichterstattung ist meiner Meinung nach das systematische Kaputtmachen eines Landes, das es mit seiner berühmten Gastfreundschaft und beeindruckenden Geschichte nicht verdient hat, so behandelt zu werden.
Das ist vielleicht auch der Grund, warum die griechische Bevölkerung so schlecht zu sprechen ist auf bestimmte deutsche Politiker – auf die Politiker, nicht auf die deutschen Griechenlandurlauber!

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Die Autorin Elisabeth Duckeck stammt aus Hildesheim, lebt und arbeitet seit 1995 auf Kreta, derzeit im Apollonia Beach Resort & Spa (CYAN GROUP of HOTELS).

Die Bilder sind von Le Gourmand auf der Cycladia-Bloggerreise im Mai 2011 in Athen und auf Santorini aufgenommen worden.

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