Gourmet-Gala im Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg: Wenn zwölf Spitzenköche den Starnberger See zum Hotspot der Gourmetszene machen

by Götz A. Primke
Künstlerisch angerichtetes Dessert bei der Gourmet-Gala im Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

Wenn draußen die winterliche Kälte über den Starnberger See zieht und sich die Lichter des Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg im Glas der Champagnerflöten spiegeln, verwandelt sich das Haus für einen Abend in das kulinarische Zentrum Süddeutschlands. Mitte Januar war es wieder so weit: Die Gourmet-Gala Starnberg des Projekts „12 Monate 12 Sterne“ brachte zwölf Spitzenköche, hunderte Genießer und eine beeindruckende Vielfalt moderner Sterneküche unter einem Dach zusammen.

Schon beim Betreten des Hotels war spürbar, dass dies kein gewöhnlicher Gourmetabend werden würde. Aus den offenen Küchenstationen stiegen Düfte von Hummerbisque, gerösteten Gewürzen und frisch angerichteten Saucen auf, während Sommeliers die ersten Gläser Perrier-Jouët einschenkten. Köche standen nicht verborgen hinter verschlossenen Küchentüren, sondern mitten im Geschehen. Gäste flanierten neugierig von Station zu Station, beobachteten letzte Handgriffe am Pass und diskutierten über Texturen, Aromen und Weinbegleitungen.

Genau darin lag die große Stärke dieser Gourmet-Gala: Sie inszenierte Spitzengastronomie nicht als distanziertes Ritual, sondern als lebendige Küchenparty auf höchstem Niveau.

Bereits bei der exklusiven Pressekonferenz im Vorfeld im November war erkennbar gewesen, mit welcher Konsequenz und Liebe zum Detail Gastgeber Maximilian Moser, Initiator Armin Langer und das gesamte Team dieses Event vorbereiteten. Das Zusammenspiel aus Hotel, Küche und Service wirkte bemerkenswert präzise, ohne jemals geschniegelt oder künstlich zu erscheinen. Statt klassischer Hochglanz-Inszenierung entstand eine Atmosphäre, die gleichzeitig luxuriös, offen und angenehm entspannt wirkte.

Maximilian Moser, Armin Langer, Aubergine Starnberg, Gourmet-Gala Starnberg
Maximilian Moser, Bernhard Langer

Warum die Gourmet-Gala in Starnberg längst Kultstatus besitzt

Das Konzept „12 Monate 12 Sterne“ gehört inzwischen zu den spannendsten Genussformaten Deutschlands. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie erfolgreich: Spitzenköche aus unterschiedlichen Regionen und Stilrichtungen kommen zusammen und präsentieren ihre individuelle kulinarische Handschrift in direktem Kontakt mit den Gästen. Das Ergebnis ist kein klassisches Menü mit starren Abläufen, sondern ein kulinarischer Spaziergang durch unterschiedlichste Aromawelten.

Gerade diese Offenheit unterscheidet die Gourmet-Gala von vielen vergleichbaren Veranstaltungen. Gäste erleben Sterneköche nicht aus der Distanz, sondern im persönlichen Gespräch. Man diskutiert über Produkte, beobachtet das Anrichten und erlebt unmittelbar, wie unterschiedlich moderne Spitzenküche heute interpretiert werden kann. Diese Nähe erzeugte eine Dynamik, die klassische Fine-Dining-Abende oft vermissen lassen.

Maximilian Moser und das Aubergine als kulinarisches Herzstück

Dass die Gourmet-Gala ausgerechnet in Starnberg stattfindet, ist eng mit dem Erfolg des Gourmetrestaurants Aubergine verbunden. Unter der Leitung von Maximilian Moser hat sich das Restaurant über Jahre hinweg als feste Größe der deutschen Spitzengastronomie etabliert. Mosers Küche verbindet klassische französische Präzision mit moderner Leichtigkeit und regionalem Produktfokus. Seine Handschrift wirkt niemals laut oder effekthascherisch. Stattdessen lebt sie von Balance, Klarheit und Eleganz.

Sot-l’y-laisse | Erbse | Apfel | Senf von Maximilian Moser, Aubergine Starnberg, Gourmet-Gala Starnberg
Sot-l’y-laisse mit Erbse, Apfel und Senf

Auch bei der Gourmet-Gala zeigte sich diese Haltung eindrucksvoll. Sein Gericht Sot-l’y-laisse mit Erbse, Apfel und Senf gehörte zu den feinsten Kompositionen des Abends. Die zarte Textur des Geflügels harmonierte perfekt mit der frischen Säure des Apfels, während der Senf dem Gericht präzise Schärfe und Tiefe verlieh. Ein Teller, der exemplarisch zeigte, warum das Aubergine seit Jahren zu den besten Gourmetrestaurants Bayerns zählt. Dabei bewies Moser vor allem eines: große Gastgeberqualitäten. Die Gala wirkte niemals wie eine Bühne für Eitelkeiten, sondern wie ein echtes Treffen kulinarischer Persönlichkeiten.

Übrigens: Sot-l’y-laisse, wörtlich: „Ein Narr, der es liegen lässt“, ist eine französische Bezeichnung für zwei kleine, sehr zarte und saftige Fleischstücke vom Geflügel. Im Deutschen werden sie als Pfaffenschnittchen oder Pfaffenstückchen bezeichnet. Sie gelten als das geschmackvollste Fleisch des gesamten Vogels. Da sie bei der üblichen Portionierung oft übersehen oder weggeworfen werden, entstand der französische Name.

Brochette vom Milchkalb | Chapati | Habanero | Cashew von Jens Madsen, The Cloud München, Gourmet-Gala Starnberg
Brochette vom Milchkalb | Chapati | Habanero | Cashew
Jens Madsen, The Cloud München, Gourmet-Gala Starnberg
Jens Madsen, The Cloud München

Jens Madsen und die vielleicht spannendste Küche des Abends

Zu den größten Entdeckungen des gesamten Events gehörte ohne Zweifel Jens Madsen. Wer die Münchner Gourmetszene aufmerksam verfolgt, kennt das The Cloud by Käfer in der BMW Welt längst als eines der spannendsten Restaurantkonzepte der Stadt. Nach diesem Abend dürfte sich die Zahl jener, die Madsen als künftigen Michelin-Sternekoch sehen, nochmals deutlich vergrößert haben. Seine ostafrikanisch inspirierte Stilistik brachte eine völlig andere Aromensprache in die Gourmet-Gala. Gerade deshalb wirkte seine Küche so elektrisierend modern.

Die Brochette vom Milchkalb mit Chapati, Habanero und Cashew gehörte zu den eindrucksvollsten Gerichten des Abends. Das Chapati brachte warme, erdige Tiefe, die Cashew sorgte für cremige Balance, während die Habanero nicht durch aggressive Schärfe auffiel, sondern durch Präzision und Länge. Madsen kombiniert internationale Gewürzwelt mit französischer Technik und einer bemerkenswert souveränen Produktkontrolle. Das Ergebnis war keine plakative Fusionsküche, sondern eine stilistisch eigenständige Handschrift mit Charakter. Dass Jens Madsen im Rahmen der Gala völlig zurecht als „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet wurde, überraschte daher kaum. Selten war ein Aufsteiger so eindeutig einer der prägenden Köche eines gesamten Abends.

Wir werden hier demnächst noch mehr auf die afrikanische Küche eingehen.

Vitello Tonnato 2.0 | Asia Style | Hans Häge, HochZwei, Gasthof zum Bad, Langenau, Gourmet-Gala Starnberg
Vitello Tonnato 2.0 | Asia Style
Vitello Tonnato 2.0 | Asia Style | Hans Häge, HochZwei, Gasthof zum Bad, Langenau, Gourmet-Gala Starnberg
Hans Häge, HochZwei, Gasthof zum Bad, Langenau

Hans Häge gewinnt mit Vitello Tonnato 2.0

Einen der offiziellen Höhepunkte des Abends lieferte Hans Häge aus dem Restaurant HOCHZWEI (Gasthof zum Bad, Langenau). Sein Vitello Tonnato 2.0 im Asia Style wurde als „Gericht des Jahres“ ausgezeichnet. Häge interpretierte den italienischen Klassiker mit fernöstlichen Einflüssen neu und verlieh ihm bemerkenswerte Leichtigkeit. Soja, Ingwer und feine asiatische Aromatik ergänzten das Kalbfleisch perfekt, ohne den Charakter des Originals zu überdecken. Gerade diese Balance machte den Teller so stark.

Bio Sellerie "Texturen", Zsolt Fodor, Solo Du, Kulturhof Stanggass, Bischofswiesen, Gourmet-Gala Starnberg
Bio Sellerie „Texturen“
Zsolt Fodor, Armin Langer, Gourmet-Gala Starnberg
Zsolt Fodor, Armin Langer

Zsolt Fodor und die alpine Avantgarde im Kulturhof Stanggass

Besondere Aufmerksamkeit verdiente auch Zsolt Fodor. Das Restaurant Solo Du im Kulturhof Stanggass bei Bischofswiesen gehört inzwischen zu den interessantesten kulinarischen Adressen im Alpenraum. Wer moderne alpine Küche liebt, sollte dieses visionäre Konzept unbedingt auf dem Radar haben.

Fodors Sellerie-Komposition zeigte eindrucksvoll, wie tiefgründig und komplex Gemüseküche heute sein kann. Unterschiedliche Texturen, feine Röstaromen und konzentrierte Produktaromatik machten aus dem Bio-Sellerie einen hochspannenden Fine-Dining-Gang. Gerade in einem Abend voller luxuriöser Produkte blieb dieser Teller besonders nachhaltig im Gedächtnis.

Zsolt Fodor bestätigte mir im Gespräch, dass das Angebot vom 2-Michelin-Sterne-Restaurant PUR im Kempinski Hotel Berchtesgaden und dem Solo Du mit 1 Stern der Region massgeblich neue Gäste bringt.

Jakobsmuscheln | Mandarinen-Vinaigrette | Kaffee-Emulsion | Pastinake, Jeffrey Hoogstraten & Robin Trampert, Chez Iami, Tortue Design Hotel Hamburg, Gourmet-Gala Starnberg
Jakobsmuscheln | Mandarinen-Vinagrette | Kaffee-Emulsion | Pastinake
Jakobsmuscheln | Mandarinen-Vinaigrette | Kaffee-Emulsion | Pastinake, Jeffrey Hoogstraten & Robin Trampert, Chez Iami, Tortue Design Hotel Hamburg, Gourmet-Gala Starnberg
Robin Trampert, Chez Iami, Tortue Design Hotel Hamburg

Hamburger Eleganz trifft Starnberger Genusskultur

Mit Jeffrey Hoogstraaten und Robin Trampert kamen auch zwei spannende Vertreter der Hamburger Gourmetszene an den Starnberger See. Die beiden Genusshandwerker aus dem weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus gefeierten Restaurant Chez l’ami im Tortue Design Hotel brachten eine grandiose Kreation mit: Ihre Jakobsmuscheln mit Mandarinen-Vinaigrette, Kaffee-Emulsion und Pastinake gehörten zu den elegantesten Kompositionen des gesamten Abends.

Die fruchtige Säure der Mandarine traf auf die feinen Röstaromen der Kaffee-Emulsion und verlieh dem Gericht enorme Spannung. Die Jakobsmuscheln waren perfekt gegart und besaßen jene glasige Konsistenz, die Spitzengastronomie von durchschnittlicher Produktküche trennt.

Fischgänge zwischen Eleganz und Aromendichte

Auch die weiteren Fischgänge zeigten eindrucksvoll die enorme Vielfalt moderner Spitzenküche. Florian Wagenbach aus der Silberdistel (Sonnenalp Resort, Ofterschwang) setzte mit confiertem Stör auf Bohnen-Cassoulet und intensiver Hummer-Bisque auf große Tiefe und klassische Aromendichte. Sein Gericht besaß Kraft, ohne schwer zu wirken.

Nicolas La Rocca aus dem Restaurant edl.eins in Deggendorf kombinierte edlen Loch Duart Lachs mit Vanille-Beurre-Blanc, grünem Apfel und Kokos. Gerade die Verbindung von klassischer französischer Sauce mit exotischen Akzenten verlieh dem Gericht eine bemerkenswerte, fast schwebende Eleganz. Kevin Leitner vom Kaisersaal Gourmet Restaurant(Hotel Kaiserhof, Ravensburg) setzte dagegen bewusst auf feine Reduktion. Sein Saibling mit gelben Linsen und Petersilienwurzel wirkte präzise, klar und angenehm fokussiert auf das Wesentliche.

Große Fleischküche mit modernem Twist

Im Fleischbereich zeigte sich eindrucksvoll, wie unterschiedlich klassische Produktküche heute interpretiert werden kann. Peter A. Strauss aus dem Ess Atelier Strauss (Alpin Lifestyle Hotel Löwen & Strauss, Oberstdorf) präsentierte butterzarte Spanferkelbäckchen mit Knollensellerie aus der bayrischen Salzkristallkruste, Kräuter-Sojacreme und Kimchischaum. Gerade der Kimchischaum verlieh dem Gericht moderne Spannung und aromatische Frische.

Ben Benasr aus Bens Weinstube Klink in Stuttgart setzte mit einer handwerklich makellosen Rehrücken-Crépinette, Gänseleber, geschmortem Spitzkohl und einer tiefen Purple-Curry-Jus auf kraftvolle Aromatik und ganz große klassische Küche. Deutlich filigraner, aber nicht minder beeindruckend wirkte dagegen Bruno Reichart vom Restaurant edita (Scheidegg) mit seinem feinen Perlhuhnbrust-Mousse-Riegel und Gewürztraminer-Gelee.

Für einen der intensivsten Momente des Abends sorgte schließlich Stefan Jäckel aus der legendären La Rôtisserie (Hotel Storchen, Zürich). Sein handgeschnittenes Rindertatar auf warmem Frenchtoast mit Wasabi und Röstschalottenverband opulente Röstaromen mit präziser Schärfe und einer enormen Tiefe, die die Gäste restlos begeisterte.

Marco Langer, Stephans Stuben by Marco Langer, Neu-Ulm: Kalamansi | Weiße Schokolade | Karotte | Melisse
Marco Langer, Stephans Stuben by Marco Langer, Neu-Ulm: Kalamansi | Weiße Schokolade | Karotte | Melisse

Ein Dessert das die Leichtigkeit zurückbrachte

Nach der Vielzahl intensiver Eindrücke setzte Marco Langer aus den bekannten Stephans Stuben in Neu-Ulm mit seinem Dessert aus Kalamansi, weißer Schokolade, Karotte und Melisse einen wunderbar frischen Schlusspunkt. Gerade die spritzigen Zitrusnoten der Kalamansi verliehen dem Dessert eine angenehme Leichtigkeit und verhinderten jede Schwere nach diesem hochkarätigen Menü-Marathon.

Bei feinen Pralinen von Clement Chococult, edlen Kaffeespezialitäten der Spitzenrösterei DINZLER aus Irschenberg und perfekt gemixten Digestifs klang der Abend langsam aus. Gäste diskutierten bis tief in die Nacht weiter mit Köchen, Sommeliers und Gastgebern, während im Hintergrund an den Stationen noch immer mit sichtbarer Freude gezaubert wurde.

Warum solche Küchenpartys die Zukunft der Spitzengastronomie sind

Die Gourmet-Gala im Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg zeigte eindrucksvoll, wohin sich moderne Spitzengastronomie entwickelt. Gäste suchen heute nicht mehr nur perfekte Teller. Sie suchen Atmosphäre, den nahbaren Austausch, Persönlichkeit und ein echtes Erlebnis. Genau das gelingt diesem Format außergewöhnlich gut.

Die Köche stehen nicht verborgen hinter schweren Türen, sondern mitten im Raum. Gäste erleben unmittelbar, wie gearbeitet, angerichtet und leidenschaftlich diskutiert wird. Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die klassische Gourmetrestaurants im Alltag oft nur schwer erzeugen können. Gerade deshalb wirkte das Event nicht wie eine steife Gala, sondern wie ein lebendiger, inspirierender Blick in die Zukunft des Fine Dining.

Perrier-Jouet Champagner im Hotel Vier Jahreszeiten zur Gourmet-Gala in Starnberg
Perrier-Jouet Champagner-Verbrauch eines Abends im Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

Die Vorfreude auf die Gourmet-Gala im Januar 2027 beginnt jetzt

Wer diesen Abend erlebt hat, versteht schnell, warum das Projekt längst weit über die Grenzen Bayerns hinaus für Furore sorgt. Es verbindet Spitzenküche, gelebte Gastfreundschaft, eine mitreißende Atmosphäre und moderne Genusskultur zu einem Format, das in Deutschland inzwischen nahezu einzigartig geworden ist. Das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg positioniert sich damit endgültig als einer der wichtigsten kulinarischen Treffpunkte des Landes.

Gastgeber Maximilian Moser und das gesamte Team haben bewiesen, dass echte Spitzengastronomie heute nicht nur aus technischer Perfektion besteht – sondern vor allem aus Leidenschaft, Offenheit und einem großartigen Miteinander. Die Vorfreude auf die nächste Gourmet-Gala im Januar 2027 dürfte deshalb schon jetzt enorm sein. Denn wenn zwölf Spitzenköche gemeinsam die Küche übernehmen, entsteht weit mehr als ein normales Sterne-Event. Es entsteht ein Abend, der bleibt.


Le Gourmand Götz A. Primke, Maximilian Moser, Aubergine Starnberg

Disclosure: Wir verbrachten eine kurzen, doch unvergesslich schönen Abend im Vier Jahreszeiten Starnberg. Dennoch bleibt unsere Meinung nicht käuflich. Destinationen, Hotels und Restaurants überzeugen und begeistern mit ihrer Leistung. Dafür nochmals herzlichen Dank!  

Thomas Ferro, Le Gourmand Götz A. Primke

Und einen herzlichen Dank an meinen Kollegen Thomas Ferro für die Begleitung an dem Abend.

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