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Bauer in der Au: Ausflugsrestaurant seit 8 Jahren in der Warteschleife

by Götz A. Primke
Bauer in der Au


Manch‘ Ausflugstipp ist ewig und vergänglich zugleich. Eine Wanderung zum Bauer in der Au im Geniesserland Tegernsee lohnt sich auf jeden Fall. Der Weg ist sogar ideal für Kinderwagenwanderungen. Doch derzeit sollte der Wanderer lieber etwas zum Essen und Trinken mitnehmen und das aktuell eher traurige Szenario sich statt eines frisch gezapften Bieres auf der Zunge zergehen lassen. Denn schon seit 2011 streitet der Inhaber, der Unternehmer Franz Haslberger mit den Behörden, seit Herbst 2013 ist das Wirtshaus geschlossen. Es wird Zeit, an diese schöne Ausflugsgaststätte zu erinnern, bevor die Location in Vergessenheit gerät.

Der Bauer in der Au ist ein ehemaliges Lehen des Benediktinerklosters Tegernsee, das 1346 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Gebäude, das hier einstmals stand, war mit 61 Metern Firstlänge der größte Einfirsthof des bayerischen Oberlandes. Also ein sehr imponierend grosses Gebäude. Aufgrund seiner idealen Proportionen, außergewöhnlichen handwerklichen Ausführungen und feinen Zierfomen war es ein Musterbeispiel alpenländischer Baukunst und als solches in allen wesentlichen Fachbüchern verzeichnet. Doch tragischerweise ist das Gebäude 1971 nach einem Blitzschlag abgebrannt. Seit 2011 versucht der Unternehmer Franz Haslberger hier den Originalhof wieder zu errichten.

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Bauer in der Au: Ein Rückblick in die Geschichte

Das ehemalige Lehen des Klosters Tegernsee galt als einer der schönsten und stolzesten Einfirsthöfe des bayerischen Oberlandes. Der längste war er auf jeden Fal. Mit 61 Metern Firstlänge, idealen Proportionen und feinen Zierformen hatten ihn die Baumeister von einst quasi in die Wiesen hineinkomponiert. Und dabei wohl sogar darauf geachtet, dass die Firstneigung mit der Gipfelsilhouette des dahinter aufragenden Ochsenkamp übereinstimmte. Kein Wunder, dass das einmalige Anwesen über Jahrzehnte hinweg zum Pflichtprogramm von Architekturstudenten gehörte.

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Nach der Säkularisation ging der „Bauer“ in den Besitz der Wittelsbacher über. König Max I. Joseph kaufte das Anwesen noch in seinem Todesjahr 1825. Im Jahr 1971 folgte dann der Schicksalsschlag, der bis heute nicht geheilt ist und die Denkmalschützer trauern lässt. Am 1. September brannte der Hof nach einem Blitzschlag nieder. An seiner Seite errichtete Herzog Max von Bayern zuerst eine kleine Imbissstube und ließ 1974 die heutige Berggaststätte erbauen. Seit 1988 ist der „Bauer in der Au“ in Privatbesitz und war bis zu seiner Schliessung eines der beliebtesten Ausflugslokale bei Einheimischen, Tagesgästen und Urlaubern.

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Bauer in der Au: Wer ist Franz Haslberger?

Doch wer ist Franz Haslberger eigentlich? Franz Josef Haslberger stammt aus einer Freisinger Unternehmerfamilie. Sein Vater hat mit einem Kieswerk angefangen, heute gehören Haslberger Junior zahlreiche Baustoff- und Immobilienfirmen. In Bayern ist das Baustoffunternehmen Hasit ein Begriff. Laut Unternehmenswebseite ist Hasit ein überregionaler Hersteller von Baustoffprodukten und –systemen und ein hochqualifizierter Lösungsanbieter im Baubereich. Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Freising wächst seit über 50 Jahren und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter in der Zentrale und an den sechs Werksstandorten. Als Teil der europaweit agierenden Fixit Gruppe profitiert Hasit unter anderem von innovativen Forschungs- und IT-Lösungen.

Mit Firmen wie Hasit (80 Mio. Umsatz), Fixit, Kreisel und Röfix macht er auch in etlichen Ländern Osteuropas sein Geschäft. Zum Konzern gehört zudem noch eine Grundstücksverwaltungs- und Beteiligungs GmbH.

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Vor drei Jahren ging der Haslberger-Konzern auch in die Luft. Mit der Voyageair gründete er eine kleine Airline, die laut Werbung 2.500 Ziele in Europa anfliegen kann. Zwischen 2007 und 2011 war er Mehrheitseigner der beiden Modellbahnmarken Roco und Fleischmann. Als ob das nicht reichen würde, engagiert sich Haslberger auch im Bankwesen. Er sitzt im Aufsichtsrat der Innsbrucker Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV). 

Gleichzeitig kauft der umtriebige Unternehmer eine Immobilie nach der anderen und schließt mitten in der Hochsaison zwei beliebte Lokale – nachdem ihm die Gemeinde Bad Wiessee die Genehmigung für ein Bauprojekt verweigert hat. „Oligarchen“, wie die SZ solche Unternehmer nennt, scheint man ja am Tegernsee gewohnt zu sein. Denn fast nur diese haben noch das Geld in den Gemeinden rund um einen der schönsten Seen in Bayern zu wohnen oder dort Urlaub zu machen.

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Der Bauer in der Au, Franz Haslberger und die Gemeinde Bad Wiessee

Franz Haslberger hat relativ kurz hintereinander die Berggaststätte Bauer in der Au und das Ausflugsziel Söllbachklause sowie ein Wohn- und Geschäftshaus mit Gaststätte im Zentrum von Bad Wiessee gekauft. Dass der Unternehmer vor acht Jahren die Ausflugsziele mitten in der Hochsaison geschlossen hat, nimmt ihm die Gemeinde übel und wirft ihm vor, dies sei eine Retourkutsche, weil er keine Genehmigung bekam, den Bauer in der Au wieder so zu errichten, wie er einstmals war. Doch lesen wir in Artikeln von damals, dass er einen 61 Meter langen „Mammuthof“ bauen wolle „mitten in der Natur“. Die Gemeinde hält das Baurecht für erloschen und pochte auf die Privilegierung der Landwirtschaft in dieser Lage. Bislang genehmigten weder Landratsamt noch Gemeinde seine Pläne. Dabei will er hier doch nur das alte, historische Gebäude wieder errichten. Allerdings wäre der alte Hof wirtschaftlich nicht rentabel – es sollte also vor allem um die Wiedererrichtung eines Baudenkmals gehen. Doch die Anlieger der Straße hoch zum Bauern in der Au haben offenbar Angst um ihre Ruhe. Friedhofsruhe.

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Offensichtlich haben die Gemeinderäte den öffentlichkeitsscheuen Unternehmer Franz Haslberger verärgert und vergrätzt. Er besitzt zwar diverse Immobilien, durfte aber nicht seinen Traum verwirklichen, den historischen Einfirsthof wieder zu errichten. Stattdessen hat er das alte, einstige Ausflugslokal von 1974, den Notbau sozusagen, aufwändig renoviert. Doch statt wieder Wanderer einkehren zu lassen, ist diese Ex-Traditionswirtschaft nurmehr eine Event-Location für Caterer. Ein ähnliches Schicksal steht wohl der Söllbachklause bevor, denn auch hier darf er nicht so bauen, wie er am liebsten möchte. Seitdem arbeitet der Unternehmer kräftig an seiner Idee von einem Privatreich hoch oben im Außenbereich. Die Einheimischen sahen mit Entsetzen wie er sich dort oben mit viel Zäunen und Pflasterarbeiten sein „Jäger-Disney-Reich“ schuf, die Wege mit Schranken und Videokameras überwachen ließ, und immer mit Bautätigkeiten die rechtlichen Möglichkeiten bis zum Exzess ausreizte. 

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Der Bauer in der Au: Wie sieht die Zukunft aus?

Bleibt der Bauer in der Au nun also nur eine kleine Event-Location? Geburtstage und Hochzeiten vom Käfer-Partyservice ausgerichtet in traumhafter Berglage? Wäre es nicht längst sinnvoll, wenn die Gemeinde und der Unternehmer sich zusammen setzen würden und den historischen Einfirsthof behutsam und in die Natur eingepasst an dieser Stelle errichten würden? Würde es nicht Bad Wiessee und das gesamte Geniesserland Tegernsee voran bringen statt sich gegenseitig zu blockieren? Der Neubau des geschichtsträchtigen Einfirsthofes bräuchte allerdings eine Ausnahmegenehmigung. Denkbar wäre dies gewesen. So existiert ein Passus im Landesentwicklungsplan, der die Ansiedlung von Beherbergungs-Betrieben in Tourismusgebieten auch dann möglich macht, wenn sie im Außenbereich liegen. Er greift, wenn der Standort „von Beherbergungsnutzung geprägt“ ist. Zudem darf das Orts- und Landschaftsbild nicht beeinträchtigt werden. Aber die Rechtslage erlaubt nach Ansicht der Landesplaner keine Zustimmung. Dies deshalb, weil der Standort bisher eben nicht durch Beherbergungsnutzung geprägt sei. Haslberger müsste neue Pläne vorlegen, die ihm zum – bisher verweigerten – Privileg der Landwirte verhelfen, im Außenbereich bauen zu dürfen. Es scheint, als ob hier einige Betonköpfe regelmässig gegenseitig zusammenrasseln.

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Eine gastronomische Location, die mit moderaten Preisen auch dem normalen Wanderer, den Familien aus dem bayerischen Umland als Ausflugslokal zur Verfügung stünde, wäre ein wunderbarer Kontrapunkt zu den vielen exklusiven und hochpreisigen Hotels und Restaurants rund um den See in der Geniesserregion Tegernsee. Auf jeden Fall ist die Gegend ein traumhaftes Wanderparadies, die Wege sind breit und die Anstiege flach, so dass auch für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer ein schöner Ausflug möglich ist.

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Service für das Geniesserland Tegernsee:

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Service:

  • Bauer in der Au – derzeit nicht erreichbar

Quellen:

Nicht mehr verfügbar:

Wanderungen:

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