Bayerisches Genussfestival: Alfons Schuhbeck und Frankenweine für Jedermann – Mein Rundgang

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Bayern = Bier, Brezn, Bratwurst? Nicht ganz, es ist auch Wein, Weib und Gesang, äh Milch und Käse. Und Schuhbeck sowieso. Der liess es sich richtig gut gehen auf Münchens Odeonsplatz. Das Bayerische Genussfestival fand dort am vergangenen Wochenende statt und Bayerns wohl bekanntester Sternekoch sonnte sich inmitten der Traube aus fränkischen Weinprinzessinnen und der Fränkischen Weinkönigin Melanie Dietrich. Denn gerade der feine Frankenwein stand im Mittelpunkt des Genussfestivals, schließlich war ja auch das Motto:“Feines aus Bayern genießen“.

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Bis Sonntagabend besuchten nach offiziellen Angaben 15.000 Menschen das Bayerische Genussfestival und informierten sich in den verschiedenen Zelten über den Frankenwein und seine verschiedenen Facetten. Bei schönstem Sommerwetter unter bayerisch weiß-blauem Himmel waren sich Veranstalter, Gäste und Aussteller einig: Eine solche Qualität und Kulisse, wie sie das Bayerische Genussfestival auf dem Odeonsplatz bietet, ist einzigartig in der Stadt.

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Erfolgreiche Seminare, interessierte Besucher

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_02Zahlreiche Verkostungen, Seminare und Führungen gaben Anregungen, wie sich bayerische Spezialitäten – auch miteinander kombiniert – genießen lassen. Im Seminarzelt und bei den WineWalks waren ausnahmslos alle Plätze gefüllt. Die Sommeliers konnten ihr umfangreiches Wissen über Böden, Rebsorten, Aromen, Ausbautechniken und vieles mehr an ein sehr interessiertes Publikum weitergeben.

Im Mittelpunkt des Bayerisches Genussfestival standen die Top-Winzer aus Franken, darunter die Sieger des Wettbewerbs „Best of Gold“ (die besten Weine Frankens 2012), die ihre preisgekrönten Weine präsentierten. Warum hat dieser fränkische Preis eigentlich einen englischen Namen? Soll das cool wirken? Aus dem sonnigen Anbaugebiet am Main waren unter anderem berühmte VDP-Winzer, prämierte Genossenschaften, die InselWeinMacher und Winzer der Gruppe Frank & Frei vertreten. Prickelnde Winzersekte aus Bayern rundeten das regionale Angebot ab.

Bayerisches Genussfestival: Präsentation der Best of Gold-Weine

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_22Unter der fachkundigen Leitung von Sommelier Rüdiger Meyer nahm ich an der Präsentation der Best of Gold-Weine teil. Der Regionalsprecher der Sommelier-Union Süddeutschland zeigte am Beispiel von fünf Kreszenzen die Bandbreite der besten Weine Frankens. Wir stiegen ein mit einem 2011 Thüngersheimer Johannisberg Müller-Thurgau Kabinett trocken MundART vom Weingut Geiger & Söhne. Geprägt von der Mineralität des Muschelkalkbodens ist der Müller-Thurgau ein eleganter, fruchtbetonter Wein. Er ist ein herrlicher Essensbegleiter, aber auch ein wunderbarer Solist. Durchaus ein schöner Einstiegswein zur Vorspeise oder einem leichten Fisch. Jung, frisch und ready to drink.

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Als nächstes verkosteten wir den 2011 Escherndorfer Lump Riesling Spätlese trocken vom Weingut Horst Sauer. Dieser Wein zeichnet sich aus durch Grapefruit mit gelber Melone und reifer Aprikose in der Nase. Abgerundet wird er durch den Geruch von regennassem Muschelkalk. Er ist sehr tief und kraftvoll, ohne zu üppig zu wirken. Hohe Intensität, trotz Filigranität und Eleganz am Gaumen. Belebende und erfrischende Kohlensäure macht den Wein lebendig. Eine knackige Säure sorgt für Spannung und eine enorme Länge. Ein Riesling, der jetzt schon viel Spaß macht, aber auch noch in ein paar Jahren!

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_24Ein schönes Beispiel für einen Wein, der noch mehr Potential entwickeln wird, war der 2009 „Alte Reben“ vom Escherndorfer Lump Silvaner Spätlese trocken vom Weingut Rainer Sauer. Ein Bilderbuchsilvaner! Er brilliert mit feinen, vollreifen Düften nach getrockneter Aprikose und reifer Birne – alles klar und rein wie ein Flötenton. Ausgewogenheit durch Frucht, Reife, Opulenz und filigrane Säure schreibt er auf seine Banner. Getragen durch eine fein eingebundene Kohlensäure wirkt er niemals behäbig, im Gegenteil, er strahlt durch attraktive Lebendigkeit, gepaart mit aristokratischer Zurückhaltung.

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_25 Es folgte der 2009 Spätburgunder Pinot Noir Qualitätswein trocken von Divino Nordheim. Ein facettenreiches Bukett mit Nuancen von Mocca, feinen Röstaromen, dunkler Schokolade, reifen Herzkirschen und zarter Vanille, gehen zusammen eine wunderbare Liaison ein und umschmeicheln die Sinne. Mit seiner sehr feinen Tanninstruktur ist dieser Wein komplex und nachhaltig. Dieser Geschmackseindruck bestätigt alles, was das Bukett bereits erkennen lässt. Ein großer Burgunder mit elegantem Finale. Da dieser Wein kein typischer Vertreter fränkischen Weine ist, wird er auch nicht in den klassischen Bocksbeutelflaschen abgefüllt, sondern in einer normalen Rotweinflasche.

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_32Zum süßen Abschluss eine TBA: Ein 2010 Retzstadter Langenberg Silvaner Trockenbeerenauslese vom Weingut Rudolf May. Das Jahr 2010 war, bedingt durch die hohen Säurewerte, für diesen edelsüßen Silvaner ein Glücksfall. Mit einer Säure von 16g/l auf der einen Seite und dem exorbitanten Zuckerwert auf der anderen Seite, übt diese Trockenbeerenauslese eine Magie aus, der man sich nur schwer entziehen kann. Pure Süße und eine messerscharfe Säure als Gegenpart faszinieren. Der feine, zartwürzige Duft nach karamellisierten und kandierten Äpfeln besticht mit Aromen von Kräutern und eingemachtem Kernobst. Am Gaumen sind neben diesen Leitaromen Noten von Grapefruit, Stachelbeere und Heilkräutern wahrnehmbar. Das Entwicklungspotenzial dieser Trockenbeerenauslese ist unermesslich und macht neugierig auf eine Probe in 10, 20, 30 oder mehr Jahren.
Das war ein richtig feiner, edelsüßer Abschluss der Best of Gold-Weine Frankens.

Bayerisches Genussfestival: WineWalk mit Nicole Retter

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Nach dieser sehr gut geführten Verkostung schloss ich mich dem Bayerisches Genussfestival WineWalk an. Sommelière und Wirtin Nicole Retter vom Münchner Gourmet-Tempel Retters Feinschmecker. Diese Winzertour stand unter dem Motto „Wein & Käse“.

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_39Nicole Retter drehte den üblichen Verlauf einer Degustation um und ließ uns erst einen frischen Rotwein verkosten. Und dennoch einen Sekt: Der 2008 Spätburgunder trocken vom Weingut Frankonia ist ein schöner frischer, ausgewogener Sekt, der gerade im Sommer perfekt als Aperitif zum Grillfleisch passt.

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_42Vom Weingut Hill gab es die Harmonie-Cuvée aus dem Barrique-Faß schloss sich daran an.

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Die Teilnehmer des Bayerisches Genussfestival WineWalk lauschten wissbegierig den Erklärungen der Winzer. Bodenbeschaffenheit, Wetterbedingungen im entsprechenden Jahr, das Mikroklima der Lage – vieles kann den Wein beeinflussen, bevor er überhaupt gekeltert wird.

Bayerisches Genussfestival Muenchen_Aug_2012_51Der 2010 Silvaner Muschelkalk vom Weingut Bickel-Stumpf ist ein wunderbar typischer Vertreter der fränkischen Weine. Ein richtig schöner Silvaner, der echt Spaß macht.

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Roswitha Boppeler, Diplom-Käsesommelière, stand den interessierten Besuchern für Fragen rund um den bayerischen Käse zur Verfügung.

Bayerisches Genussfestival: „Aromarebsorten“ – das aromatische Degustationsseminar

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Abschliessend folgte ich Nicole Retter in das Seminarzelt. Die Sommelière hielt dort einen Vortrag über „Aromarebsorten – die neuen Lieblinge„. Hier gab es noch ein paar ausgewählte Frankenweine zu verkosten, wie etwa Bachus, Kerner, Scheurebe, deren Aromenvielfalt zwischen duftig, üppig, intensiv und kräftig changiert.

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Aufmarsch der Fränkischen Weinkönigin und der Weinprinzessinnen auf dem Odeonsplatz: Als ich gerade gehen wollte, liefen mir noch diese Grazien über den Weg: die fränkischen Weinprinzessinnen aus den diversen Orten sowie die fränkische Weinkönigin. Auf dem Bild sind zu sehen von rechts nach links:

  • Sophie Krämer, Volkach
  • Anna Helgert, Güntersleben
  • Verena Wolter, Untereisenheim
  • Melanie Dietrich, Fahr am Main, Fränkische Weinkönigin
  • Mareike Weimer, Großheubach
  • Marion Wunderlich, Tauberrettersheim,
  • Carmen Keupp, Retzstadt

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Während alle diese Verkostungen, an denen ich teilgenommen habe, für jeden zugänglich und komplett kostenlos waren, haben die Winzer natürlich ihre Weine auch verkauft. Und selbstverständlich gab es auch etwas zu essen, wie z.B. diese Fischsemmel für 3 Euro von Fischwirtschaftsmeister Lars Müller.

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Und natürlich hatte Alfons Schuhbeck auch richtig groß aufgefahren. Aus seinem Partyzelt heraus gab es typisch-bayerische Leckereien, wie etwa Kalbfleischpflanzerl mit Kartoffelsalat und Spiegelei, die auch wirklich ihr Geld wert waren. Schuhbeck für alle. Und dann auch zum Anfassen, als der Maître höchstselbst erschien.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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