Primavera del Prosecco: 5 Jahre DOCG sind ein Grund zum feiern

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Blubberwasser in Dosen, blaue Flaschen mit Paketband verschnürt: Der Prosecco-Boom des letzten Jahrzehnts hat absonderliche Abscheulichkeiten produziert. Paris Hilton, die wahrscheinlich von Wein oder gar Prosecco ebensowenig Ahnung hat wie von Hotelmanagement, als Testimonial für Prosecco in Dosen, die diesen dann auch noch in einem knallgelben Dirndl auf dem Münchner Oktoberfest präsentierte: das war wahrscheinlich die absolute Spitze der Perversion. Ich vermute, dass sich spätestens zu diesem Zeitpunkt die Winzer in der Prosecco-Region zwischen Conegliano und Valdobbiadene zusammensetzten und beschlossen, etwas zu tun. Seit nunmehr fünf Jahren sind die Spielregeln geändert. Beim alljährlichen Prosecco-Frühling, dem Primavera del Prosecco, kann jetzt gefeiert werden. Ein Hoch auf die Qualität!

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Wir bekommen Einblick in die Welt des Prosecco bei einem Besuch vor Ort: Das Festival „Primavera del Prosecco DOCG“, der Prosecco-Frühling, ist jedes Jahr das weingastronomische Ereignis im nördlichen Veneto. Im traditionellen Anbaugebiet der ProseccoGlera-Traube, auf den Hügeln zwischen Valdobbiadene und Conegliano, lautet das Motto dann: Probieren, Plaudern und Prämieren. In diesem Jahr vom 14. März bis 14. Juni 2015 präsentieren rund 400 größere und kleinere Winzerbetriebe in 16 Ausstellungen ihre „Schätze“. Dieses Festival ist ein „Fest des Weins“ bei dem von Ort zu Ort, von Valdobbiadene bis Conegliano, das „offizielle“ Debüt der Weine der letzten Weinlese gefeiert wird. Wein- und Proseccogenießer können dabei die „Proseccostraße“ entdecken: eine Weingegend, die teils zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Eine sanfte Hügellandschaft, die stellenweise von antiken Abteien, jahrhundertealten Bäumen und Gehöften unterbrochen wird. Neben Degustationen des Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore werden auch die “Nischenprodukte” des Cartizze DOCG, des Refrontolo Passito DOC, des Torchiato di Fregona DOC, des roten und weißen Colli di Conegliano DOCG und des Verdiso näher vorgestellt. Des Weiteren können die Touristen die passend zu jeder Ausstellung vorgeschlagenen Routen entlangfahren, die Gipsoteca von Canova (Possagno) und andere wunderbare Sehenswürdigkeiten dieser Hügellandschaft besuchen. Eine weitere Besonderheit der Gegend sind die alten herrschaftlichen Villen. Reiche Venezianer bauten sich auf dem Festland in Treviso prächtige Häuser – die Serenissima ist gerade mal 30 Kilometer entfernt. Inzwischen wurden viele von diesen Prachtbauten liebevoll restauriert und etliche in Hotels oder Restaurants umgewandelt.

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Prosecco_2_Conegliano_2010_001Wir übernachten im Best Western Hotel Canon d’Oro und gehen mal stark davon aus, dass das Hotel auch andere, modernere Zimmer hat. Zumindest laut Webseite ist dem so. Vielleicht wurde dieses Zimmer ja mittlerweile auch schon renoviert. Jedenfalls ist das Vier-Sterne-Hotel mit allem eingerichtet, was der Gast so braucht und für eine kleine Entdeckungsreise in zwischen Conegliano und Valdobbiadene reicht es völlig aus. Der renovierte, fresken-geschmückte Palazzo aus dem 15. Jahrhundert liegt wunderbar ruhig. Die Altstadt von Conegliano ist auf jeden Fall an sich schon einen Besuch wert.
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Auf dem Weg zum Primavera del Prosecco

Angenehm flach windet sich der Weg nach oben bis zum Castelvecchio von Conegliano. So kann sich der Spaziergänger immer wieder umdrehen und auf die Dächer der Stadt schauen. Im Süden erahnen wir das Meer. In wenigen Minuten erreicht man die Burg – umgeben von einem lauschigen Park. Von hier aus haben wir einen bezaubernden Rundumblick. Von einer schmalen Schneeschicht bedeckt sind einige Gipfel im Norden.

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Lust auf Eisgekühltes? Der Kellner serviert auf der Terrasse der Trattoria den Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG.

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Lust auf Kultur und Bildung? Dann empfehlen wir einen Abstecher hinein in das Castelvecchio mit seinen bezaubernden Wandmalereien und Wandteppichen.

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Conegliano ist der Sitz von Europas ältester Weinschule. Hier werden Italiens beste Sommeliers und Winzer ausgebildet. Wir erfahren bei einer Verkostung alles Wesentliche über den Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG.

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Das Gebiet umschliesst lediglich 6.100 Hektar, die ganz besondere Lage „Superiore di Cartizze“ umfasst davon 106 Hektar. 160 Schaumweinproduzenten, knapp 3.000 Winzer, 250 Ökologen und 1.500 weitere Weinprofis sind in 15 Kommunen beschäftigt.

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Aqua historiam non facit – Das Wasser schreibt keine Geschichte. Ja, so sieht es aus. Während wir alle Wasser zum Leben brauchen und jeder Wasser trinkt, so ist seit Jahrhunderten, Jahrtausenden gute Geschichte immer nur bei einem guten Wein geschrieben worden. Dabei bestimmt die eine oder andere schöne Geschichte auch bei Schaumweinen wie Champagner, TrentoDOC, Sekt oder eben Prosecco. Und gerade in den letzten Jahrzehnten, den Boomjahren dieses Schaumweines, dürfte Prosecco zu so mancher schönen zweisamen Liebesgeschichte angeregt haben.

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Prosecco_3_Weinschule_G_B_Cerletti_2010_028Seit jetzt genau fünf Jahren ist es genau geregelt: Prosecco DOCG gibt es in drei Sorten:

  • „Spumante“ (Schaumwein) ist der hochwertigste, da er durch zwei Gärungsprozesse gegangen ist. Wird der Prosecco DOCG als Spumante produziert, trägt er zusätzlich die Bezeichnung „Superiore“, was ihn vom Frizzante unterscheidet.
  • „Frizzante“ (Perlwein) enthält weniger und unter Druck künstlich zugesetzte Kohlensäure.
  • „Tranquillo“ (stiller Wein), besitzt eher regionale Bedeutung und ist selten außerhalb des Gebietes im Handel erhältlich. Der stille Prosecco eignet sich am besten zu Fischvorspeisen und Risotti, während sich der „perlende“ Prosecco bestens als Aperitif eignet. Als Begleitung für ein ganzes Menü allerdings eignet sich Prosecco nicht. Hier empfehlen wir eher einen TrentoDOC oder einen Champagner – wenn es denn komplett sprudelnd sein soll.

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DOCG-Weine müssen im Anbaugebiet auf Flaschen gezogen werden, sie dürfen also nicht in Tanks anderswohin transportiert und dort abgefüllt werden. Auch das Vergären zum Perl- oder Schaumwein muß hier geschehen, was hier überwiegend in Stahltanks passiert. Die Flaschen tragen eine Banderole am Hals. Prosecco in Dosen ist seither verboten.

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Auf dem Hügel „Cartizze“ in der Gemeinde Valdobbiadene, mitten im Herzen des DOC-Anbaugebietes, wird dank seiner außerordentlichen geographisch-klimatischen Lage ein hervorragender Qualitätsschaumwein hergestellt: der Cartizze.

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Prosecco_4_Cartizze_2010_046Charakteristisch für diesen Schaumwein sind sein liebliches und reichhaltiges Bouquet und seine kräftige Farbe. Der Cartizze stellt eine besonders hohe Qualitätsstufe des Prosecco dar und ist aufgrund seiner geringen Produktionsmenge außerhalb Italiens selten erhältlich. Der Ausblick auf die Schönheit der Landschaft, die wärmende Sonne, die hervorragende italienische Küche, der Prosecco: all das macht uns Appetit und Lust und Laune hier noch etwas zu verweilen. Doch schon heisst es das Glas zu leeren, wieder Abschied nehmen und weiter geht es.

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Die Wassermühle von Croda aus dem 17. Jahrhundert ist auf jeden Fall einen Abstecher wert. Nach dem Tauwetter und den Regenfällen der letzten Tage ist der Bach gut gefüllt, die Wassermassen stürzen sich einen kleinen Wasserfall herunter. Und ein Teil wird zum Mühlrad geleitet.

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Prosecco_5_Croda_Muehle_2010_021Hier wird den Besuchern gezeigt, wie früher Mehl gemahlen wurde. Mit Wasserkraft wird das Schwungrad aussen angetrieben, innen wird das Getreide unter viel Getöse und Geknarze der Holz- und Steinkonstruktion zu feinstem Mehl zermahlen. Jetzt fehlt eigentlich noch ein kleiner Backofen, damit wir auch kosten könnten, wie das Brot aus diesem Mehl schmeckt. Und natürlich ein Schluck Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG. Die Croda-Mühle wird von einem kleinen Kulturverein am Leben gehalten. Toll, dass es so etwas noch gibt. Denn schliesslich sollten auch künftige Generationen lernen und wissen, dass Brot nicht einfach nur aus dem Supermarkt kommt.

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Wir besuchen die kleine Weinmesse von San Pietro di Feletto.

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Die lokalen Würdenträger haben sich in Uniform und Schale geschmissen, doch verstehen wir, die wir des Italienischen nicht so ganz mächtig sind, leider nicht jeden Sinn. Doch fesch schaut er schon aus, der Signore.

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Auf jeden Fall geniessen wir gern vor unserer Rückreise noch einen guten Schluck vom Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG, den uns die Sommelière kredenzt. Wir verschwenden keinen Gedanken mehr an Blubberwasser in Dosen von Paris Hilton. Qualität setzt sich eben durch.

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Wir können es sehr empfehlen, noch ein paar Tage in dieser lieblichen Landschaft zu verbringen. Die Marcha Treviso ist einer der schönsten Winkel des Venetos. Sie liegt auf halbem Weg zwischen Venedig, der adriatischen Urlaubsküste und den Dolomiten und birgt zahlreiche historische Raritäten und Kunstschätze, Monumente einer antiken Zeit, der auch die heutige Schnelllebigkeit nichts anhaben kann. Die bezaubernde Landschaft führt durch zahlreiche Orte mittelalterlichen Ursprungs, vom Flachland über die sanften Hügeln der Oberen Trevisanischen Mark, die für die Erzeugung ausgezeichneter Weine bekannt ist, bis zu den Voralpen, die an die schönsten traditionellen Märchen erinnern und den Blick auf die Alpengipfel freigeben. Ein Urlaub im magischen Venedig lässt sich aufgrund der geringen geographischen Distanz leicht fortsetzen. Von der Mark Treviso erreicht man in kürzester Zeit die schönsten Touristenorte der Region, von den Dolomiten bis Abano Terme. Die natürliche Umgebung bietet die idealen Voraussetzungen für Sportarten, wie Golf, Radsport, Trekking und Kanu. Das Grappa-Massiv und der Berg Cesen sind der perfekte Ort für Drachenflug und Gleitflug. In der Provinz gibt es zahlreiche Zentren für Reitsport, Scheibenschießen, Sportfischen und Bogenschießen.

Weitere Infos über den Primavera del Prosecco gibts hier:

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Anreise:

  • Nach Venedig geht es von Deutschland aus am einfachsten per Auto über München und die Brennerautobahn via Südtirol bis Venedig immer nur gen Süden.
  • Oder per Flugzeug mit Air Dolomiti direkt nach Venedig. Von dort holen die meisten Hotels ihre Gäste gerne ab.
  • Außerdem per Bahn.

Die Primavera del Prosecco Reise vor Ort wurde von Marcha Treviso und Kornelia Doren unterstützt.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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