Restaurants in München: Osterwaldgarten: Durchschnittliche Küche, inkompetenter Service

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Ein Biergarten mit Einladung zum Steuerbetrug? Der Osterwaldgarten in München bietet diesen fragwürdigen Service. Ob dies von der Geschäftsführung des Osterwaldgarten so beabsichtigt ist oder aber eher der Bedienung geschuldet bzw zu verdanken ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. In Zeiten moderner Computerkassen und teilbarer Tische sollten jedenfalls Einzelrechnungen kein Problem mehr sein. Doch der Reihe nach.

Wir waren heute im Osterwaldgarten essen, wollten noch einen der letzten warmen Sommerabende im Biergarten geniessen. Wir fanden zwei Plätze an einem langen Tisch, an dem bereits zwei Pärchen sassen. Kurz nachdem wir Platz genommen hatten, zahlte das Pärchen am anderen Ende des Tisches und ging. Das Paar in der Mitte der Bierbank verspeiste gerade seine durchaus üppigen Portionen. Wir erhielten die Speisekarten von der Kellnerin und sie fragte unsere Getränke ab. Als sie uns die Getränke brachte, notierte sie unsere Essensbestellung. So weit, so gut.

Doch schon als die Dame, die mit eindeutig osteuropäischen Akzent sprach, unser Essen brachte, bekam ich den Eindruck, dass sie entweder nicht nur ungelernt, sondern extrem neu in der Gastronomie ist, oder dass sie überfordert ist. Die Teller wankten derart in ihren Händen, dass ich Angst bekam, gleich könne alles runterfallen.

Unsere Bestellung umfasste:

  • Schottisches Lachsfilet kross auf der Haut gebraten mit Safranreis und Ingwer-Wokgemüse sowie
  • Osterwalder Fischtopf von Süss- und Salzwasserfischen mit Scampispiess, Wurzelgemüse, Sauce Aioli und Baguette

Zum Essen:

  • das Lachsfilet war nicht kross, weder die Haut, geschweige denn der Fisch. Er war weich ohne Ende, ohne jede Spur von Biss. Der Reis schmeckte nicht nach Safran, sondern nach Ingwer, und er war trocken. Offenbar schon zu lange gelagert. Das Ingwer-Wokgemüse widerum war geschmacklich durchaus fehlerfrei.
  • Der Fischtopf hingegen schmeckte eher nach einer Gemüsebrühe mit Fischeinlage, nicht nach einer Fischsuppe wie etwa eine Bouillabaisse. Von einer Sauce Aioli war weit und breit keine Spur – in der Küche vergessen?, das Baguette war eher labbrig. Beim eingelegten Scampispiess fragte ich mich, ob die Scampis vorher gebraten wurden. Wohl ja, kurz. Dann aber lagen sie schon ziemlich lange in der Fischsuppe, so dass sie auch ziemlich weich waren und von den anderen Scampis, die bereits in der Suppe als Einlage schwammen, nicht zu unterscheiden waren. Die weitere Suppeneinlage, die Süss- und Salzwasserfische, wie etwa Lachs und ein paar Weißfische, waren geschmacklich in Ordnung. Auch waren die Portionsgrößen nicht zu beanstanden. Das Wurzelgemüse war fachlich einwandfrei in Julienne geschnitten und schmeckte fehlerfrei.

Von der Küche des Osterwaldgarten her also lautet mein Urteil: passabel, nicht zu beanstanden, bis auf kleine Unstimmigkeiten, die ich aber auch gerne auf den vollen Biergarten schiebe.

Doch mittlerweile spielte an unserem Tisch noch ein Nebenschauspiel. Die beiden Plätze am anderen Ende des Tisches waren schnell wieder besetzt. Doch dies Paar sass eine Weile da, bekam zu trinken – aber lange nichts zu essen. Nach etwa einer halben Stunde kamen die beiden Gerichte – doch die beiden hatten die Nase voll. Sie sassen mittlerweile vor leeren Gläsern und äußerten ihren Unmut. Der Mann beschwerte sich und sagte, dass er nach dieser nicht akzeptablen Wartezeit die Getränke zahlen werde, nicht aber die Speisen. Außerdem würden sie jetzt gehen.

Das Paar neben uns, also in der Mitte des Tisches, war auch längst fertig. Schon einige Minuten vorher hatten sie gebeten, zahlen zu können, etwa gleichzeitig wie die Gäste am Nachbartisch. Diese waren mittlerweile gegangen. Doch das Paar neben uns hatte noch keine Gelegenheit gehabt, zu zahlen. Jetzt wiederholten sie ihren Wunsch. Auf meine Nachfrage erzählten sie, dass sie auch schon lange gewartet hatten, bis sie bestellen konnten. Sie waren mit dem Service ebenfalls nicht zufrieden und gingen. Mir fielen hier zwei Punkte auf: bei beiden Paaren errechnete die Kellnerin die Summe „zu Fuß“ auf ihrem Kellnerblock. Kein Beleg, nichts. Und ich hatte mittlerweile nur noch einen schäbigen Rest in meinem Weißbierglas. Jeder gute Kellner hätte mit geübtem Blick dies gesehen und mich umsatzsteigernd gefragt, ob ich noch etwas zu trinken wünsche. Ich hätte ja gesagt.

Als wir dann fertig waren, bat ich um die Rechnung für uns. Doch was bekam ich? Nicht etwa die Rechnung für unsere zwei Getränke und zwei Essen. Nein, ich bekam eine Rechnung über 125,90 Euro, die etwa 17 Positionen umfaßt. Die Kellnerin, Iboja steht als Name auf dem Beleg, hatte wohl den ganzen Abend den Tisch noch nicht auf Null abgeschlagen, keine Tischunterteilung gemacht, nichts ausboniert. Da ich ja um die Rechnung gebeten habe, hätte die Servicekraft hier die Möglichkeit gehabt, schnell den Tisch umzubuchen, unsere Positionen extra zu ziehen oder was auch immer. Stattdessen rechnete Iboja wieder „zu Fuß“ unsere Bestellung heraus. Das ergab dann „nur noch“ 35 Euro.

Die heutigen Computerkassen bieten schon so viele Möglichkeiten Tische zu unterteilen und in Sekundenbruchteilen die vom Gast jeweils gewünschte Unterteilung vorzunehmen. Doch das, was wir hier bekamen? Das ist eine eindeutige Einladung zum Steuerbetrug! Mir ist so eine offensichtlich falsche Rechnung noch nirgendwo untergekommen.

Oder ist dies eine Möglichkeit das Trinkgeld zu steigern? So nach dem Motto: von den Tischen, die keinen Beleg wollten, storniere ich alle Positionen des Tisches mit dem größten Umsatz wieder heraus. Das Geld muß ich nicht an den Chef abführen und steigert mein Trinkgeld…

Ok, ja, ich könnte jetzt dankbar sein und beim Finanzamt den Gesamtbeleg einreichen.
Aber in dieser Ausprägung geht mir dies Verhalten gerade extrem gegen den Strich. Vielleicht auch gegen meine eigene Kellnerehre.

Wie denkt Ihr darüber, liebe Leser? Was habt Ihr schon erlebt? Oder ist so ein Verhalten heute „normal“? Ich freue mich über Kommentare.

Detailinfos fürs Finanzamt München: Osterwaldgarten, Rechnung Nr. 32, Datum 03.09.08, Tisch 85.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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