Captain’s Cocktail und Gala Dinner – Ein MS Deutschland Kurztrip #6

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Auch wenn die Zeit auf Sylt etwas kurz war, Gelegenheit zur Melancholie bleibt für Gastautorin Stephanie Freienstein kaum. Mit Kurs auf Hamburg begibt sich die MS Deutschland zwar schon wieder auf den Rückweg zu unserem Ausgangshafen zurück. Aber welch ein Panorama begleitet uns dabei: ganz nah an der Küste mit Blick auf die herrlichen Dünen und Strände nimmt das Traumschiff von List aus um den Sylter Ellenbogen Fahrt auf. Überall an den Stränden stehen Menschen und winken und rufen. Wir sind so nah, dass wir es hören können. Vom Schiff wird reichlich zurückgewunken. Auch am Weststrand ziehen wir noch einmal vorbei. Ach, denke ich, gerade noch im Wasser und am Strand, jetzt wieder hier. Abwechslungsreich ist eine Kreuzfahrt in jedem Falle.

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Für ein zusätzliches Spektakel sorgt außerdem der Seenotrettungskreuzer „Minden“, der uns lange mit seinen Wasserspielen begleitet, vom immer wieder erklingenden Signalhorn der MS Deutschland beantwortet.

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Irgendwann liegt Sylt dann hinter uns, doch schon beansprucht der nächste Programmpunkt unsere ganze Aufmerksamkeit: Captain’s Cocktail und Gala Dinner bedürfen einer gründlichen persönlichen Vorbereitung.
Manch alter Kreuzfahrthase stellt sich möglicherweise die Frage, ob er an der Cocktailstunde überhaupt teilnehmen soll: Schlange stehen, Shake-Hands, obligatorisches Foto mit dem Kapitän, Sekt und dann der Einzug und die Vorstellung der Offiziere. Wenn man das schon alles kennt?

Für mich und viele andere Gäste der MS Deutschland indessen ist es das erste Mal und alles aufregend. Was ziehe ich an? Die Abendgarderobe wird aus dem Schrank geholt, der Schmuck zurechtgelegt. Die Herren rasieren sich frisch, während die Damen nicht nur das leichte Makeup auflegen. Beim Duft wird auch nicht gespart, so dass sich auf den Gang vor dem Kaisersaal des Traumschiffs, wo sich die erwartungsvollen Gäste ordentlich aufgereiht haben, eine schwere Wolke aus Parfum legt.

Kaisersaal2Endlich werden die Flügeltüren geöffnet und fast fühlt man sich wie vor dem Empfang des Abiturzeugnisses. Was soll ich sagen, wie einen netten, aber nicht zu bedeutungslosen Smalltalk mit Andreas Jungblut, unserem Kapitän anfangen? Erstaunlich, wie sich gestandene, meist gar nicht so junge Menschen aufführen können. Und auch schön, zeigt es doch, dass sie, dass wir noch in der Lage sind, besondere Momente zu erleben, Höhepunkte wahrzunehmen.

Captain's Cocktail1Es dauert eine ganze Weile, bis wir an der Reihe sind. Zeit für private Erinnerungsfotos und gebührend die extra für den Gala-Abend der Kreuzfahrt erstandene Garderobe zu bewundern. Endlich sind wir an der Reihe. Mittlerweile ist bekannt, dass wir auf dem Traumschiff einen besonderen Geburtstag feiern. So stellt uns Hostess Sylvia Ambros dann offiziell unserem Kaptiän vor. So lernen wir ihn persönlich kennen, Andreas Jungblut, den Mann, der sich so vehement für den Verbleib seines Schiffes unter deutscher Flagge eingesetzt hatte, als die Deutschland während der Olympiade in London lag. Charmant gratuliert der hochgewachsene Captain mit dem offenen Blick unserem Geburtstagskind, findet ein paar nette Worte zu unserem Aufenthalt auf dem Traumschiff. Es blitzt ein paarmal und das offizielle Bordfoto ist auch schon im Kasten. Sekt oder Saft wird gereicht, ein Platz gesucht, die Offiziere ziehen ein, werden vorstellt, man applaudiert. Und schon ist der offizielle Teil vorbei.

Doch kaum ist der Empfang vorüber, öffnen sich die Türen des Restaurant Berlin zum Gala Dinner – ohne Kapitän, denn der absolviert für die Gäste der zweiten Tischzeit nun eine zweite Cocktailstunde.

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Davon spüren wir nichts. Für mich als Laie der Gastronomie ist es immer wieder faszinierend, wie reibungslos alles funktioniert. Die professionelle Logistik hinter der Bühne des Restaurants, minutiös durchgeplante Arbeitsabläufe und somit auch sicher Hektik hinter den Türen, von denen der Gast nichts spürt. Im Gegenteil: freundlicher und persönlicher Service empfängt uns, kompetente Beratung, ruhige aber zügige Arbeitsabläufe paaren sich mit dem stilvollen Ambiente des Restaurant Berlin. Hier kann man ankommen und einfach genießen. Das Gala Dinner auf dem Traumschiff macht seinem Namen alle Ehre. Und das bereits in den vergangenen Tagen fantastische Menü wartet am heutigen Abend mit einem Geschmackserlebnis nach dem anderen auf. Herausragend der Ikarimi-Lachs an Kaviarcreme mit getrüffeltem Spargelsalat oder der Heilbutt in einer Garnelenkruste an Hummersauce mit Mangoldgemüse und Kardamom Duftreis. Küchenchef Erik Brack hat allen Respekt verdient. Den und viel Applaus erhalten er und sein Küchenteam bei der großen Traumschiff-Eis-Parade. Ein Feuerwerk aus Wunderkerzen tragen die Kellner durch das Restaurant. Wenn es auch nicht der kulinarische Höhepunkt des Abends ist, so ist es doch der gefühlte. Schließlich ist es genau so immer auf dem ZDF Traumschiff: einfach stimmungsvoll!

Kaisersaal4Wir verlassen das Restaurant an diesem Abend nicht nur gut gesättigt, sondern auch in absoluter Hochstimmung. Wer dem Ganzen noch die kulturelle Krone aufsetzen will, hat beim Konzert von ABBACOVER im Kaisersaal Gelegenheit dazu. Auch wenn wir gelegentlich das Gefühl haben, die überwiegende Anzahl des Publikums ist eigentlich zu alt, um bei ABBA Songs so richtig mitzugehen, wir haben jedenfalls richtig Spaß. Zur großen Freude der Jugendlichen in unserer Runde, stauben wir auch noch eine der riesigen schwarz-rot-goldenen Winke-Hände ab, die aus dem Fundus der Olympia-Ausstattung übrig geblieben sind.

Joachim KuipersWollte man anschließend einfach ins Bett gehen, man könnte schon von einem wahrhaft erfüllten Tag reden. Für die Unermüdlichen wartet aber noch ein Absacker in der Bar Zum Alten Fritz. Der bereits wieder leise anklopfende Appetit wird mit herzhaften Kleinigkeiten besänftigt. Stimmung kommt auf durch die herrliche musikalische Begleitung von Joachim Kuipers, der nicht nur neue Texte zu bekannten Liedern hinzudichtet und so zum schmunzelnden Hinhören bewegt. Auch für Wünsche ist der Musiker jederzeit offen, so dass – passend zur Bar – der Abend sehr berlinerisch ausklingt.

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Stephanie Freienstein

Texterin, Autorin, Lektorin, Schreibtrainerin bei freiberuflich