St Antony: Spannende Verkostung gereifter Weißweine

Große Orbel Probe von St. Antony mit tollen reifen Rieslingen. #Wein #Riesling #stantony #kleinschmecker
Kann man den trinken, ist das Kunst oder kann das weg? So mag der geneigte Leser denken, wenn er nur das übliche Weinwissen hat, das landauf landab vorhanden ist. Nur wenige Kenner wissen, dass ein exzellent gemachter Weisswein auch mal deutlich länger lagern kann, als die sonst üblichen Empfehlungen. Welch‘ Glück, dass Weine noch kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen müssen – doch der EU trauen wir auch dieses zu. In diesen Tagen lud das Weingut St. Antony aus dem schönen Rheinhessen zu einer Vertikalverkostung gereifter und aktueller Weißweine wie auch aktueller Rotweine. Wir sind besonders wegen der gereiften Preziosen sehr gespannt, was wir da kredenzt bekommen würden. Die Weißweine sind ausschliesslich Rieslinge aus der Lage Orbel. Der Kenner schnalzt mit der Zunge, der Laie wundert sich.

Kein Geringerer als Kellermeister und Geschäftsführer Felix Peters, der seit 2006 das Weingut leitet, weist uns in die Materie ein. Der Orbel ist das Herzstück des Weingutes, das ehedem zur Gutehoffnungshütte gehörte, die dann im MAN-Konzern verschmolz. Doch Konzerne konzentrieren sich heutzutage auf ihre Kernfähigkeiten und stossen alles ab, was nicht irgendwie logisch in der Diversifizierung sein mag. So erwarb die Familie Meyer, denen bereits das alteingesessene Niersteiner Weingut Heyl zu Herrnsheim gehört, 2005 die Lage und die Marke St. Antony. Seit 2007 ist das Weingut St. Antony biologisch zertifiziert, seit 2011 sogar bio-dynamisch.

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Wir geniessen zehn Flights à je zwei Weine, dazu reicht das Restaurant Kleinschmecker ein paar kleine Leckereien.

Als Aperitif, sozusagen um auf Betriebstemperatur zu kommen, geniessen wir einen 2006 Rotschiefer Riesling St. Antony.

Zur Verkostung kamen folgende köstliche Kreszenzen:

  • 1986 Nierstein Orbel Kabinett trocken Heyl zu Herrnsheim: Von dieser Preziose, der „nur“ als Kabinett ausgebaut wurde, gibt es sogar noch 12 Flaschen. Besticht durch eine tiefe, reine Mineralik.
  • 1988 Nierstein Orbel Heyl zu Herrnsheim: Wohl einer der besten Jahrgänge des Weingutes. Noch sehr kräftig. Vitale, frische Säure, kann noch lange liegen.
  • 1992 Nierstein Orbel St. Antony: Wunderbarer Pfirsich, schöne Reife, duftet nach Wiesenkräutern, sehr trocken.
  • 1993 Nierstein Orbel St. Antony: Einer der besten Jahrgänge am roten Hang. Duftet nach Blüten, Kräutern. Extrem hohe Restsüße. Nur noch 3 Flaschen im Verkauf verfügbar.
  • 1996 Nierstein Orbel St. Antony: Die Flasche war leider korkig, muffig, der Keller-Stinker wollte sich uns leider nicht eröffnen. Schade drum, doch das passiert nunmal bei einem Naturprodukt. Doch sind eh nur noch 6 Flaschen verfügbar.
  • 2004 Nierstein Orbel St. Antony: Ebenfalls wohl einer der besten Jahrgänge. Sehr reif, angenehme Tiefe. Es sind noch 48 Flaschen im Verkauf erhältlich.
  • 2003 Nierstein Orbel St. Antony: Schöner, reifer, warmer Wein aus einem heißen Jahrgang.
  • 2010 Nierstein Orbel St. Antony: Dies war kein normaler Jahrgang, wirtschaftlich war er eine Katastrophe. 15 Hektar ergaben nur einen Hektoliter, es waren 8% Botrytis im Lesegut, dadurch ist der Wein schlecht gegoren. Doch durfte er dann 13 Monate gären, kam mit 13Vol% in die Tanks hinein und mit 8Vol% wieder heraus. Er hat noch 8g Restzucker. Es sind insgesamt nur 12.000 Flaschen abgezogen worden. Ein schönes Beispiel, was für ein Abenteuer so ein Naturprodukt bringen kann.
  • 2009 Nierstein Orbel St. Antony: Wunderschöne, ausbalancierte Säure, tolle Frucht, passt zu einem schönen Essen, hat eine gute Kraft.
  • 2011 Nierstein Orbel St. Antony: braucht noch etwas Zeit, sehr schwierig zu beurteilen. Starke Säure. Er entwickelt sich mit noch etwas mehr Zeit hoffentlich genauso wie der 2009er zu einem starken Wein. Doch jetzt ist er noch total verschlossen. Es sind 180 Flaschen noch verfügbar.
  • 2008 Nierstein Orbel St. Antony: Dieser Wein hat anfangs reduktiv gestunken. Jetzt ist er ein schöner, kühler Wein, präsentiert sich frisch, klar, direkt, duftet nach einem großen Basilikumstrauß mit einer leichten Schärfe. Besticht durch eine tolle Komplexität und Mineralik.
  • 2012 Nierstein Orbel St. Antony: Dieser Wein ist noch jung, hat dennoch sehr viel in petto. Wir bleiben gespannt. Es sind jedoch nur noch 60 Flaschen verfügbar.
  • 2013 Nierstein Orbel St. Antony: Dies war ein spätes, kühles Jahr, aber mit 3 Wochen Sahara-Hitze. Der Wein präsentiert sich heute mit einer schönen, tollen Frucht. Typische Phenole, reife, gelbe, fette Frucht in der Nase, setzt sich am Gaumen fort. Das Säurespiel ist noch nicht so ausgeprägt. Er hat ein tolles, hohes Reifepotential. Es gibt noch 180 Flaschen im Verkauf.
  • 2014 Nierstein Orbel St. Antony: Sehr spannend, da keine vordergründigen Phenole, aber viel exotische Füchte, wie etwa frische Litschi, Papaya, bis hin zu zartem Zitrus, tolle Vielschichtigkeit, mit feinen weißen Blüten und komplex in den Aromen. Säure relativ knackig erinnert, fast an einen Sauvignon Blanc.

Außerdem verfügt das Weingut St. Antony noch über ein paar exzellente Rotweine. Sie bestechen durch eine sehr reine Genetik, die auf der alten reinen Genetik aus hunderten von österreichischen Klonen basieren. Sie können auf dem Rotschiefer sehr viel Eleganz und Struktur entwickeln.

  • 2012 Nierstein Blaufränkisch St. Antony: Farbe: tiefes rot; Nase: dunkle Frucht, Kaffee und Kakaonoten, feine Kräuter; Geschmack: elegante rote dunkle Frucht, Kaffeearomen, Kräuter, Tannine sehr fein, nicht kantig.
  • 2013 Nierstein Blaufränkisch St. Antony Grand Cru Select : Farbe: tiefes rot; Nase: dunkle Frucht, Kaffee und Kakaonoten, feine Kräuter, ein Nachklang von Jasmin; Geschmack: elegante rote dunkle Frucht, Kaffeearomen, Kräuter Thymian und Rosmarin, Tannine sehr fein, nicht kantig.
  • 2012 Blaufränkisch Reserve St. Antony: Farbe: tiefes rot; Nase: dunkle Frucht, Kaffee und Kakaonoten, Röstaromen, feine Kräuter; Geschmack: schlanke, rote, dunkle Frucht, Kaffeearomen, Kräuter, Tannine sehr harmonisch.
  • 2013 Blaufränkisch Rothe Bach St. Antony: Farbe: tiefes rot; Nase: dunkle Frucht, Kaffee und Kakaonoten, Thymian, feine Kräuter; Geschmack: schlanke, rote dunkle Frucht, ein Hauch von weißem Pfeffer, Kaffeearomen, Kräuter, Tannine schön harmonisch.

Mehr Infos über das Weingut St. Antony gibts hier.

Für die Infos zu den letzten Weinen geht mein Dank an Hanka vom GoodTaste-Magazin.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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