Weinrallye #9: Lübecker Rotspon

Weinrallye LogoAlltagsweine waren das Thema der letzten Weinrallye. Zwar kommt meine Verkostung leicht verzögert. Die ITB und diverse Termine hatten meiner pünktlichen Einreichung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Allerdings fiel mir eine kleine Besonderheit der deutschen Weinlandschaft in die Hand: einen 2006er Lübecker Rotspon, Vin de Pays d’Oc. Und ich denke, dass dieser Wein durchaus als Alltagswein auf dem einen oder anderen Tisch stehen kann.

Lübecker RotsponZur Geschichte des Weines ist auf der Flasche vermerkt, dass der Name Lübecker Rotspon seit dem Mittelalter ein Traditionsbegriff ist für französischen Wein, der in Lübeck abgefüllt wird. Sein niederdeutscher Name leitet sich ab vom Rot des Weines und Spon für den Holzspan der Fässer, in denen der Wein bis Lübeck transportiert wurde. Der Legende nach schmeckte den französischen Soldaten Napoleons, die 1806 die Hansestadt besetzt hatten, der Wein besser, als deren Wein zu Hause. Wikipedia sagt dazu: „Beim Lübecker Rotspon handelt es sich um Rotwein, der früher auf Fahrten nach Bordeaux als Ballast auf dem Rückweg mitgeführt wurde, bis man merkte, dass durch die Lagerung im Meeresklima der Wein eine besondere Note erhielt.“
Noch heute wird dieser südfranzösische Landwein also bis Lübeck durch Europa gefahren und dort erst auf Flaschen abgezogen. Nur vermute ich, dass dies heute in Edelstahltanks geschieht und keine Holzfässer mehr die Reise antreten. Ich erinnere mich, dass ich in meiner Ausbildung mal von diesem Wein gehört habe, hatte ihn aber bisher noch nicht getrunken. Darum war die Neugier groß, diesen Tropfen zu verkosten.


Die Flaschenform ist schon etwas besonderes, breitbauchig, gedrungen kommt der Wein daher. Auch kann man von zwei Hauptetiketten reden. Das eine Schmucketikett ist vermutlich die Vorderseite. Hier steht der Name und die Geschichte des Weines. Das als Rückseite gedachte Etikett ist in meinen Augen jedoch das wichtigere: hier sind Jahrgang, Name, Herkunftsland, Abfüllort ebenso vermerkt, wie der Alkoholgehalt mit 13% und die Inhaltsangabe der 0,75l-Flasche. Der Naturkork ist mit einer Wachsschicht überzogen, die beim Entkapseln bröckelig abspringt.

Im Glas präsentiert sich der Wein zunächst mit einer tiefroten Farbe. Er hat eine eher wässrige Konsistenz, aber ein paar Kirchenfenster zeichnen sich dennoch ab. Er ist kompakt in der Farbe, ohne Kern, vom Glasrand bis zum Zentrum gleichmäßig kirschrot.

Das Bouquet erinnert zunächst sehr stark an Sauerkirsche, ein Anklang von roten Beerenfrüchten, auch ein paar Nuancen von Bitterschokolade und Kaffee sind erkennbar. Doch überwiegen letztlich die Holz- und Röstaromen.

Am Gaumen schmeckt man ganz eindeutig viel Sauerkirsche, Marmelade, auch einen leichten Schmelz erkennt man. Doch dann entwickelt sich sehr stark die Gerbsäure, Tannin und Holzaromen kommen wuchtig in den Vordergrund. Der Lübecker Rotspon hat abschließend auch keine Länge, ein gnadenvoller, kurzer Abgang zeichnet ihn aus.

Fazit: Letztlich ist dieser Wein in meinen Augen durchaus ein Alltagswein, wenn auch nicht zwingend für mich persönlich. Doch als einfacher, rustikaler Essensbegleiter zu bodenständigem Essen an Trave und Ostsee kann er bestehen, aber bestimmt nicht als Solist.
Ich denke, dass der Wein auf Otto Normalverbraucher abzielt, der mal davon gehört hat, dass auf einem französischen Wein DOC stehen muß – und er dann zu diesem Vin de Pays d’Oc greift. Die Betonung der Geschichte mit den Soldaten Napoleons ist ein netter Marketing-Gag, der meine Einschätzung verstärkt.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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