Jeder dritte Wirt schummelt beim Schnaps

Wie die Getränke-Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe meldet, sei schon einmal jeder dritte Gastwirt beim „Panschen“ erwischt worden. Wie Lebensmittelkontrollen in Baden-Württemberg ergaben, ersetzten Barkeeper auf der Karte ausgewiesene Markenspirituosen mit günstigen No-Name-Produkten um Kosten zu sparen.

Dem Fachbericht zufolge habe auch Bacardi Deutschland bei einem Gaststättentest erschreckende Erfahrungen machen müssen: 70 von 100 getesteten Gastbetrieben hätten Markenspirituosen gestreckt oder komplett mit Billigfusel ersetzt.

Doch das Wort „schummeln“ ist hier nicht zutreffend, es handelt sich schließlich um echten Betrug. Auch ist es eine Missachtung der Gäste, von denen man der Wirt lebt. Er verkauft den Gästen – via Getränkekarte – teure Spirituosen und schenkt billigen Fusel vom Discounter à la Aldi, Lidl, Metro und Co. ein. Damit unterstellt er letztlich demjenigen, aus dessen Hand er das Geld bekommt Unwissen und denkt, sie würden den Betrug nicht merken.

Der Barmann sollte mehr Ahnung vom Cocktail mixen als der Gast haben, deswegen wird ihm auch das Vertrauen entgegengebracht. Dieses teure und wichtige Gut aufs Spiel zu setzen, ist riskant.

Aus meiner eigenen Hotel- und Restaurantpraxis kenne ich andere – gängigere – aber ebenso unfaire Methoden, den Gast übers Ohr zu hauen. Methode 1: es wird pro Glas abgerechnet und der Kellner schenkt unter den Füllstrich ein – das kennen wir alle von der Wiesn oder diversen Lokalen her. Methode 2 ist die Bankett-Methode: es wird pro Flasche abgerechnet, der Kellner ist extrem grosszügig und schenkt jedes Glas reichlich ein. So können mehr Flaschen abgerechnet werden.
Nun, auch dies ist nicht sauber, es ist aber tägliche Praxis. Doch hier wird nicht das Produkt verfälscht, „nur“ der Umsatz gesteigert.

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