FoodieSquare und die TastyBox: Essen auf Rädern – zum Selberkochen aus der Geschmackskiste

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Kurz vor Silvester kam die Tastybox. Genau richtig, um mir meine Frage nach einem leckeren Silvestermenü abzunehmen. Zum Abschluß des vergangenen Jahres 2011 sollte es eh sehr ruhig und im allerkleinsten Rahmen sein. Foodiesquare überraschte mich mit seiner Tastybox. Und so gab es zu Silvester fränkischen Hirsch mit Wildjus an Maronen und Polenta. Doch der Reihe nach. Zwei komische Anglizismen. Wer hat was?

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Auf der Messe food & life, die im vergangenen Dezember in den Hallen der Münchner Messe stattfand, lernte ich zwei sympathische Jungunternehmer kennen: Guerson Meyer und Sammy Gebele. Sie stellten mir ihr Geschäftsmodell vor. Es ist die moderne Interpretation von Essen auf Rädern. Eismann und Bofrost müssen sich also warm anziehen. Die zwei Münchner Foodfanatiker wollen jetzt den Markt durcheinanderbringen. Gleichgesinnten Liebhabern guten Essens bieten die beiden „Foodies“ die Möglichkeit, die besten handgefertigten Lebensmittel der besten Manufakturen zu verkosten. Dazu suchen sie Monat für Monat zu einem bestimmten saisonal passenden Rezept die besten Lebensmittel von Manufakturen und kleinen Produzenten zusammen. Dabei sind die Ansprüche der beiden besonders hoch: Ihr Unternehmen Foodiesquare ist Förderer bei Slow Food Deutschland und sie führen das Bio-Siegel. Ausserdem verkosten eigene Chefköche jedes einzelne Produkt. Derzeit schaffen es nach eigenen Angaben nur 10% der Produkte durch die Verkostungsgremien. Im Gegensatz zu den bekannten Convenience-Food-Lieferanten verlangt Foodiesquare von seinen Kunden, dass sie dann auch noch arbeiten dürfen, bevor der Genuß kommt. Die Tastyboxen enthalten etwa fünf Produkte, aus denen ein Menü gezaubert werden kann.

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Das Unternehmen ist erst seit Juli 2011 am Markt, bisher gab es also sechs Tastyboxen. Ich erhielt die „Wilde Box“ mit einem schönen Stück Hirschrücken. Des weiteren lagen ein Beutel Wildgewürz, eine Tüte Maismehl, eine Dose Wildfonds, ein Beutel Maronen, eine Orange und ein Tütchen mit Edelschokolade-Chips in der Kiste. Und schließlich noch eine Flasche Rotwein. Alles war super verpackt: die große Kiste war mit viel Styropor-Chips ausgepolstert, das Fleisch lag extra auf einem Coolpack. Schon auf den ersten Blick wird klar: Frische und Qualität stehen ganz deutlich im Vordergrund. Dabei wird auch nicht aufs Gramm geachtet, manche Zutaten kommen in größeren Portionen, als sie für das Rezept gebraucht werden. So habe ich jetzt noch genügend Maismehl und Wildgewürz für weitere Gerichte übrig.

Apropos Frische: rechtzeitig bevor die Tastybox eintrifft, wird der Kunde informiert und gefragt, wo er sie am liebsten erhalten möchte. Da die Auslieferung immer bis 12 Uhr mittags erfolgt, ist es auch möglich, die Kisten an den Arbeitsplatz geliefert zu bekommen. Und einen Tag vor Lieferung bekommt der Kunde eine E-Mail mit den frischen Zutaten, die er noch zusätzlich benötigt. Das sind dann gängige Produkte, wie – in meinem Fall – Eier, Butter, Milch, Sahne, Zucker, Salz und Alufolie. Außerdem kommt die Info, wieviel Töpfe, Pfannen und Schüsseln gebraucht werden. Bevor also die Tastybox eintrifft, weiss man zwar noch nicht, was es en detail gibt. Doch hat der Kunde schon eine Ahnung und er weiss, was er für das vorgeschlagene Rezept ggf. noch schnell einkaufen muss.

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In der Tastybox selbst liegt dann ein in Plastik eingeschweisstes Datenblatt mit allen wichtigen Infos über die Waren in der Box. So erfahre ich, dass mein Stück Hirsch von der Metzgerei Klaus Lindner aus Franken stammt und von der Jägervereinigung Pegnitz erlegt wurde. Das Wildgewürz wurde von dem bayerischen Händler Madavanilla zusammengestellt, das Maismehl kommt aus der Zeller Mühle in Baden-Württemberg, der Wildfonds von JusComte in München und die Edelschokolade aus Madagaskar wurde von der Confiserie Simon in Passau beigesteuert. Für den Rotwein ist ein extra Beipackzettel in die Box gewandert. Hier erfahre ich, dass es eine 2008er Cuvée aus Cabernet-Sauvignon und Merlot vom Weingut Bretz aus Rheinhessen ist. Der Wein ist in Barriquefässern gereift und hat 14% Vol. Alkohol. Ausserdem erfahre ich noch Details über den Winzer.

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Auf der Rückseite des Datenblattes finde ich den wichtigsten Teil: das Rezept, das mir die Jungs von Foodiesquare vorschlagen: Fränkischer Hirsch mit Wildjus an Maronen und Polenta. Als Nachtisch: Madagaskar-Mousse au Chocolat. Deshalb ist das Datenblatt auch eingeschweisst: so kann es beim Kochen verkleckern und verdrecken. Egal, einmal abgewischt ist es sauber und steht weiteren Kocherlebnissen wieder zur Verfügung.

Foodiesquare_Tastybox_Dez2011_11Das Rezept ist sehr schön gegliedert: der erste Absatz dient der Planung des Menüs. Dann folgen die einzelnen Teilgerichte mit den jeweiligen Zutaten. Dabei sind die mitgelieferten Produkte in fett hervorgehoben, alles weitere in normaler magerer Schrifftype. Daneben stehen die einzelnen Rezeptschritte. Und ganz unten zum Abschluß steht, wie das ganze angerichtet werden sollte.
Die einzelnen Rezeptschritte sind gut, verständlich und prägnant beschrieben. Ich hatte an keiner Stelle des Rezeptes etwas zu bemängeln. Ich kenne es zur Genüge aus diversen Kochbüchern, dass irgendwelche Schritte vergessen wurden oder zu kompliziert für den Hobbykoch gemacht werden. Hier ist alles wirklich super beschrieben. Und auch so, dass der Teil, der als erstes zubereitet werden muss, ganz oben steht. So steht das Dessert an allererster Stelle, denn die Schokoladenmousse braucht 2-3 Stunden Zeit im Kühlschrank.

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Die Zutaten, das Rezept, das Menü insgesamt war so gut zusammengestellt und so lecker, dass es ein perfektes Silvestermenü war. Der Hirsch war perfekt rundum angebraten und dann im Ofen gegart, ich hatte ihn allerdings mit etwas zuviel Wildgewürz versehen. Aber das war mein handwerklicher Fehler. Und da meine schwäbische Mitesserin noch unbedingt eine heimatliche Ergänzung wünschte, gab es neben der Polenta noch handgemachte Spätzle. Ja – das machte satt… Nach Mitternacht und einem exzellenten Champagner gab es dann die Mousse au Chocolat.

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Wie funktioniert nun Foodiesquare und die Tastybox? Auf der Webseite stehen die TastyBox zum Kochen und die TastyBox zum Verkosten zur Auswahl. Die TastyBox zum Kochen kostest ab 29,99 Euro und ist immer überraschend gestaltet. Allerdings hat der Kunde nach Anmeldung auf den Seiten von FoodieSquare die Möglichkeit in seinem Profil anzugeben, was man für Vorlieben bzw. Allergien hat.

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Derzeit sind die beiden Gründer noch mit dem Aufbau ihres Unternehmens beschäftigt, noch ist nicht alles perfekt. So vermisse ich den Online-Marktplatz. Doch soll der schon im Januar/Februar 2012 freigeschaltet werden, zuerst in einer Beta-Version. Ab dem 2. Quartal 2012 soll dann auch ein Abo-System möglich sein – ähnlich wie bei der Münchner Ökokiste.

Nach jeder Bestellung steht beim Kunden eine Kiste mit Füllmaterial rum sowie ein Coolpack. Ich habe nachgefragt, ob ein Rückgabe-System geplant sei. Dazu antwortet mir Sammy Gebele: „Wir sind daran ein Retouren-System anzubieten bei dem die Kunden, wenn diese das wollen, einen kleinen Beitrag zahlen und dafür die Box und das Kühlgel zurückschicken können. Wir können das leider nicht alleine tragen, da der Wert der Box und des Kühlgels die Transportkosten nicht wettmachen. Was wir z.B. auch Ende diesen Jahres machen werden, ist Bäume zu pflanzen, um den durch das Versenden entstandenen CO2-Ausstoss auszugleichen.“

Mein Fazit: Ich finde, die TastyBox von FoodieSquare ist ein echt tolles und leckeres neues Konzept. Essen auf Rädern wie von Eismann und Bofrost. Aber eben nicht fertig vorgekocht und nur noch zum Aufwärmen. Sondern mit hohem Anspruch und zum selbst kochen, kennenlernen und geniessen. Und wem die Produkte schmecken, der kann sie dann gleich nachbestellen. Absolut empfehlenswert. Ich bin gespannt, wie der weitere Ausbau voran geht.

Natürlich hat FoodieSquare auch schon eine Facebook-Fanpage und ein UnternehmensBlog.

Herzlichen Dank also für diese leckere Überraschungsbox und das gute Silvestermenü!

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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