Die Nussbaumerin: Salzburger Enklave ist Austrias Aushängeschild in Berlin

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Sei hungrig – sei durstig – sei willkommen! So begrüßt die Nussbaumerin ihre Gäste. Nicht nur auf der Webseite läuft einem das Wasser schon im Munde zusammen. Das kleine Lokal in Berlin-Charlottenburg versetzt einen sofort nach Österreich. Genauer: ins Salzburger Land. Denn die Spezialitäten, die in der Leibnizstraße, nur wenige Meter vom Ku’damm entfernt, aufgetafelt werden, sind beste Salzburger Küche. „Griaß Di, i bin die Nußbaumerin“, so stellte sich mir bei meinem ersten Besuch Johanna Nußbaumer vor. Die rustikale Herzlichkeit ihrer Persönlichkeit spiegelt sich auch in der Einrichtung wieder – und passt perfekt zu Berlin. In einem typischen Altbau mit hohen stuckverzierten Decken bilden zwei Räume das Lokal. Große, gold gerandete Spiegel auf grün gestrichenen Wänden vergrößern das Lokal optisch. Die in dunklem Holz gehaltene Bar besticht vor allem durch die vielen Weinflaschen, die hier offen zur Auswahl stehen.

Die Nussbaumerin ist Lichtjahre vom Massenangebot österreichischer Skihütten entfernt. Hier wird echte Salzburger Küche serviert, alles ist frisch und selbstgemacht. Die Tafelspitzbrühe, wahlweise mit Frittaten oder Grießnockerln, schmeckt lecker kräftig, die Frittaten sind hauchdünn wie Crêpesstreifen. Das Original Wiener Schnitzel mit lauwarmem Erdäpfel-Gurkensalat war eines der besten, das ich seit langem gegessen habe, mit einer richtig fluffigen Panade und feinem Preisselbeergelee. Selbstverständlich gibt es auch Vogerlsalat mit steirischem Kernöl wahlweise mit ausgelöstem Backhendl oder Entenbrust auf der Karte. Für den großen Hunger lässt das deftige Fiakergulasch mit Spiegelei, Essiggurkerl, Würstel und Semmelknödel keine Wünsche offen. Und der feine Gaumen wird bei Zanderfilet und Lammhüfte glücklich. Kein Wunder, dass hier schon so manche Polit-Prominenz aus dem Bundestag gesichtet wurde.

Berühmt sind unsere österreichischen Nachbarn für ihre Mehl- und Süßspeisen. Die Nussbaumerin steht dem in nichts nach. Der Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster war ein Gedicht. Außerdem gehören Eispalatschinken, Apfelstrudel, Mohr im Hemd sowie Germknödel zu den Standards. Doch nur wenn Zeit ist – also weniger Gäste – dann sollte man es sich nicht entgehen lassen, die frisch und selbstgemachten Salzburger Nockerln zu geniessen. Denn selbst in der Speisekarte steht „N.W.G. = N=nur W=wann’s G=geht“ und ohne Preis. Aber wenn die Nußbaumerin mal Zeit hat, dann werden diese Salzburger Nockerln luftig, leicht, lecker und einfach leiwand.

Die Chefin selbst hat u.a. im Schloß Fuschl, einem der besten Hotels Österreichs, gearbeitet. Seit einigen Jahren schon ist ihr Restaurant „Die Nußbaumerin“ in Berlin ein kleiner Geheimtipp für Liebhaber guter regionaler österreichischer Küche. Weiße Tischdecken, Silberbesteck und schöne Weingläser ergänzen den stilvollen Auftritt des Lokals.

Doch lassen wir Johanna Nußbaumer selbst sprechen:

Fangen wir also mit einer kleinen Vitalcremesuppe von der Gelben Rübe mit Orange und frischem Ingwer an. Frisches Gemüse ist gesund für den Körper und der Ingwer bringt das Blut noch etwas mehr in Wallung. Und wie geht’s jetzt weiter?

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Wie wär’s mit einem sehr feinen „Tafelspitz in der Terrine mit Wurzelgemüse, Lauch, Krensauce und Rösterdäpfel, vorher gibt’s a Suppen“ – wie es schön österreichisch in der Speisekarte steht. Für 17,90 Euro gibt es hier also nicht nur das Hauptgericht, sondern die Tafelspitzsuppe vorweg dazu.

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Der Klassiker der österreichischen Küche ist natürlich das Wiener Schnitzel. Oft kopiert, doch selten wirklich richtig gut zubereitet, wissen viele Deutsche heute in meinen Augen nicht mehr, woran ein feines Schnitzel zu erkennen ist. Es wird ja nur noch selten honoriert, wenn es wirklich Kalbfleisch ist. Schnitzel unter 10 Euro? Wieviel Östrogen soll denn das arme Schwein gefressen haben…?
Nein, bei der Nußbaumerin gibt es ein richtiges Original Wiener Schnitzel dazu lauwarmer Erdäpfel-Gurkensalat für € 15,90. Die Panade ist wunderbar fluffig, so wie es sich gehört, der Erdäpfel-Gurkensalat ist optimal angemacht. Im Vergleich zu Wien würde mir nur noch der Vogerlsalat fehlen, doch wir wollen ja nicht allzu verwöhnt sein. Und natürlich wird Preisselbeergelee dazu angereicht.

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Ein süßer Abschluss? Für Österreich ist dies Thema ja nun wirklich ein weites Feld. Mehlspeisen ist praktisch ein Synonym für Felix Austria. Wir entschieden uns für Germknödel, die derzeit nicht mehr auf der Speisekarte stehen.

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Außerdem genossen wir die Marillenknödel mit Butterbröseln, die auch ein absolutes Gedicht waren.

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Ich selbst entschied mich für den Österreichischen Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster für € 8,90. Ok, von der Menge habe ich schon in manchem österreichischen wie bayerischen Restaurant wesentlich mehr auf dem Teller gehabt. Aber die Frische und Qualität sowohl vom Kaiserschmarren wie auch vom Zwetschkenröster waren göttlich. Und für den Preis bekommt man in keiner Skihütte mehr eine gute Portion Mehlspeise.

Ich frage mich, warum Promi-Restaurant-Tester Heinz Horrmann in seinem Buch Gourmetspitzen – Die besten 100 Restaurants in Berlin: Ausgewählt und bewertet von Heinz Horrmann nicht die Nußbaumerin erwähnt hat. Ich vermute mal: er kennt den Laden und will den Geheimtipp für sich behalten. Oder er ist noch nicht drauf gestossen?

Andere Meinungen findet Ihr bei Qype, Tripadvisor, Restaurant-Kritik.de und dem Stadtmagazin Tip.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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