Ausschiffung am Hamburger Hafen – Ein MS Deutschland Kurztrip #8

Ankerball
Auch Traumreisen finden mal ein Ende. Ein traumhaftes Ende gibt es selten, eher ist es traumatisch. Unserer Gastautorin Stephanie Freienstein geht es zwar nicht ganz so schlimm, doch zum Schluss wird es nochmal etwas nervig: Abschied ist das Gebot der Stunde. Bereits am Vorabend haben wir die Koffer gepackt, damit sie rechtzeitig in der Nacht eingesammelt und von Bord gebracht werden konnten, schön sortiert, damit keine Zeit mit lästigem Koffersuchen vergeht und man womöglich Bus, Taxi oder Bahn verpasst. Letzter Teil der achtteiligen Kurzserie.

Dass die Abreise dann doch nicht so glatt verläuft, wie wir hoffen, hat letztlich andere Gründe.
Doch noch bleiben wenige Stunden an Bord. Nachdem wir die letzten Tage immer im zwangloseren Lido Gourmet gefrühstückt haben, testen wir heute doch noch den Frühstücksservice vom Restaurant Berlin. Es ist nicht die reine Neugier, das auch noch zu erleben, vielmehr sind es die großen Tische, an denen wir mitsamt unseres Handgepäcks Platz finden und auch noch bequem essen können. Mit der Aussicht, gleich das Schiff verlassen zu müssen, ist es allerdings nicht mehr das gleiche Vergnügen wie in den vergangenen Tagen.

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Foyer DeutschlanddeckUnd so machen wir uns fertig. Die Rechnungen konnten bereits am Vorabend erledigt werden. Es gab ein kleines Durcheinander, da der Computer eine eigene Rechnung für unsere jugendlichen Begleiter ausgestellt hat und der Mitarbeiter der Rezeption mit dem Transfer der Summe auf die gespeicherte Kreditkarte einer anderen Kabine ein wenig überfordert zu sein schien. Natürlich klappt es am Ende doch.

Noch einmal gehen wir über die weichen Teppiche des Traumschiffs, streichen über das polierte Messing, bewundern ein letztes Mal die Holzvertäfelungen und dann müssen wir wieder an Land: die Gangway hinab, ein Blick zurück, der kurze Bustransfer, noch die Koffer im Kreuzfahrtterminal einsammeln, dann sind wir wieder da im Alltag.

Cruise Terminal
Und der macht sich auch gleich unschön bemerkbar: Unser bestelltes Taxi ist nicht da! Nun gut, warten wir, es kann ja nicht lange dauern. – Leider dauert es viel länger als gedacht; und so langsam begreifen wir, dass um uns herum alle warten, auf nicht eintreffende Abholer: Busse, Taxen, Familien. Informationsfetzen werden weitergereicht und fügen sich zum Bild: Hamburg hat sich an diesem Wochenende offensichtlich ein bisschen viel vorgenommen: schon die Cruise Days, die ja auch an diesem Sonntag noch weitergefeiert werden, sorgen für ein enormes Menschen- und damit Verkehrsaufkommen in der Stadt. Schließlich liegt neben unserem Traumschiff, der Deutschland, seit heute Morgen auch noch die Queen Mary 2 am Kai. Letztere ist selbstverständlich ebenfalls ein Publikumsmagnet – der gleichzeitig auch noch boardet.

QueenMary2.2

Das allein reicht aber nicht aus: Organisationstalente haben es ausgerechnet dieses Wochenende für gut befunden, die Cyclassics, ein überregional beachtetes Radrennen auf Hamburger Stadtgebiet, stattfinden zu lassen. Alle wichtigen Ein- und Ausfallstraßen sind also gesperrt. Nichts geht mehr. Mittlerweile habe wir telefonischen Kontakt zu unserem Taxi aufnehmen können: es kämpft sich bei dauernd wechselnder Straßenführung durch die Hafencity. Die ganze Zeit, die wir warten, beträgt seine Entfernung zu uns nicht mehr als 500 Meter!

QueenMary2.1
Nun, noch ist Urlaub und wir sind nicht auf Anschlusszüge oder –flieger angewiesen. So üben wir uns in Geduld und suchen uns ein schattiges Plätzchen in einem mit Bauzäunen gesicherten Außenverschlag. Auch heute sind die Temperaturen früh auf Rekordhöhe, es ist stickig und laut. Wir bedauern, dass das provisorische Hamburger Kreuzfahrtterminal keinen angenehmeren Aufenthaltsort für seine scheidenden Gäste aufzuweisen hat. Das einzige Highlight ist der Blick direkt auf die Queen Mary 2, neben der wir campieren.

Das Traumschiff
Doch der Reiz der beeindruckenden Größe verfliegt schnell für uns: ein Hotel auf dem Wasser, das in seinem Äußeren mit Ausnahme des faszinierenden Schornsteins kaum noch das Flair eines Schiffes verbreitet. Ganz anders die daneben liegende MS Deutschland! Fast klein wirkt sie, doch genau das ist der Luxus. Wir haben eben nicht ein paar Tage in einer Ferienanlage verbracht, die zufällig auf dem Meer schwimmt, sondern auf einem Kreuzfahrtschiff, das die historische Dimension des besonderen Reisens ganz besonders ernst nimmt. Und so blicken wir, als wir endlich im klimatisierten Taxi sitzen, auf eine wunderschöne Kreuzfahrt zurück. Mich hat sie in Welten entführt, die ich bisher nicht kannte, vor allem die des Seefahrens: die Weite des Meeres, die unterschiedlichen Eindrücke in den verschiedenen Häfen und natürlich das Ambiente der MS Deutschland mit seinem Rundum-Wohlfühl-Paket. Innerhalb von Stunden konnte ich jeden Gedanken an den Alltag von mir abwerfen und einfach nur die Seele baumeln lassen. Für mich ist somit eines sicher: eine Kreuzfahrt ist der perfekte Erholungsurlaub – sogar in der Kürze der Zeit.

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