Benasque: Winterurlaub in Spanien

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Regen in den Alpen, Schnee in den Pyrenäen. Der Klimawechsel beschert so manchem niedrig gelegenen Alpental, vor allem in Bayern, immer weniger Schnee. Dafür schneit es an anderer Stelle. Es wird Zeit, über Winterurlaub in Spanien nachzudenken. Der Aneto ist mit 3.404 Metern der höchste Berg der Pyrenäen, der dritthöchste Berg Spaniens. Und fast immer eine Garantie für genügend Schnee im Winter. Der Wintersportort Benasque und die Skistation Cerler liegen ihm zu Füßen und damit optimal für perfekte Skiferien.

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Es sei denn, man ist zu einer Pressereise Mitte Dezember eingeladen. Dann ist es noch reichlich früh, um dort Skifahren gehen zu wollen. Ein bisschen Schnee lag ja schon, aber auf den Pisten war es eben ausschliesslich künstlich beschneit. Doch die Abfahrt von Cerler kann von oben bis unten über acht Kilometer herunter gehen. Das Wintersportgebiet Aramón Cerler ist mit einer Pistenfläche von 35 km² und 246 km Pisten aller Schwierigkeitsgrade das drittgrößte Skigebiet der spanischen Pyrenäen. Schade, dass wir zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt vor Ort waren. Empfehlenswert ist es auch Spanisch sprechen zu können. Deutsch spricht hier mit Sicherheit kaum jemand, und auch mit Englisch konnten wir uns kaum verständigen. Gut, dass wir eine deutsche Reiseleiterin dabei hatten, die in Barcelona lebt und sich in dieser Gegend bestens auskennt. Auch die meisten Webseiten bieten keine englische Übersetzung.

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Auf 1.560 m über dem Meeresspiegel im Benasque-Tal gelegen ist Cerler das höchstgelegene Dorf der aragonesischen Pyrenäen mit rund 250 Einwohnern. Die Ortschaft befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Aneto, dem mit 3.404 m höchsten Berg der Pyrenäen. Zahlreiche weitere Gipfel mit über 3.000 Meter Höhe befinden sich in der Umgebung.
Cerler wurde kürzlich zum zweiten Mal in Folge als beste Skistation von Spanien bei den World Ski Awards gekürt. Die Skidestination Cerler liegt zwischen 1500m und 2630m ü.NN und glänzt mit 68 Pisten, davon 15 schwarze Abfahrten, 79 Pistenkilometern, davon werden 38 km aus 375 Skikanonen künstlich beschneit. Wir hätten hier die zu unserem Besuchszeitpunkt zwei offenen Pisten durchaus nutzen können, wenn die hochgeschätzte Kollegin nicht mit Stöckelschuhen und Pelzmantel sondern adäquater Kleidung aufgekreuzt wäre. Aber so toll wäre es eh nicht gewesen zwischen den braunen Wiesen zu cruisen. Schaue ich heute, da ich diesen Artikel schreibe, auf die Webcam des Skigebietes Aramón-Cerler oder auch auf die App, die kostenfrei im App-Store zum download bereit liegt, dann sehe ich perfekte Pisten und herrliche Wintersportbedingungen, Schnee überall.

Doch ist dieses Skiparadies nicht das einzige Highlight und wer den weiten Weg auf sich nimmt, um Winterurlaub in Spanien zu machen, der ist mit Sicherheit auch offen für die vielen anderen Möglichkeiten, die in Benasque und Umgebung möglich sind. Außerdem kennen wir in unseren Breitengraden ja auch leider immer öfter das Gefühl auf einer künstlich präparierten Piste zu fahren, während rechts und links dieses weißen Bandes alles in tristem Braun erscheint.

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Doch was bietet uns diese faszinierende Bergwelt der Pyrenäen in der Provinz Aragon denn noch? Wie wichtig ist hier der Tourismus? Im Jahr 2011 zog Aragonien laut Wikipedia etwa 2,7 Mio. Besucher an. Der fehlende Zugang zum Meer macht die Provinz für ausländische Touristen zwar etwas weniger interessant als klassische Urlaubsziele in Spanien, dennoch gibt es auch hier interessante Ziele. Besondere Bedeutung für den Tourismus hat der Wintersport: In den Pyrenäen gibt es mit den Komplexen von Formigal, Candanchú und Astún weit über 100 km befahrbare Skipisten und auch im Sommer sind Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder Klettern in den Bergen gefragt. Insgesamt gibt es in den aragonischen Pyrenäen vier Naturparks und einen Nationalpark, den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido und Aragonien zählt auch zu den wenigen spanischen Provinzen, wo Wildwassersportarten wie Kajaking möglich sind.

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Der Ort Benasque hat laut Wikipedia lediglich 2.047 Einwohner. Die Stadt liegt in der alten Grafschaft von Ribagorza, die sich vorwiegend aus den Tälern, die den Fluss Esera umgeben, zusammensetzte. In der Winter- und Sommersaison sind deutlich mehr Touristen als Einwohner hier. Bisher sind es fast ausschliesslich spanische und französische Gäste, doch auch einige deutsche Touristen, die die Schönheit, Kargheit und den Reichtum von Flora und Fauna in den Pyrenäen zu schätzen wissen, kommen hierher. Denn hier, in den umgebenden Nationalparks der Pyrenäen gibt es nicht nur eine große Anzahl an Geiern zu bewundern. Auch der gute alte Meister Petz, der Braunbär lebt hier versteckt. Und doch gut bewacht und überwacht.

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Von Benasque aus geht die Straße gen Norden immer tiefer in die Pyrenäen hinein. Oben am Talende liegt die Station Hospital de Benasque, ein historisches Hotel mit rustikalem Restaurant und faszinierenden Holzschnitzereien. Von hier aus hatten wir eine Langlauftour vorgesehen, alternativ eine Schneeschuhwanderung. Doch an dem Tag, an dem wir da waren, taute es gerade, der Schnee war eher matschig und harschig, das Tauwasser lief die Straßen entlang. Mitte Dezember ist offensichtlich noch zu früh für Wintersport und Winterurlaub in Spanien. Doch ja, wie wir sehen konnten, kann es hier durchaus sehr kalt und schneereich werden. Nur eben etwas später. Doch wie es immer so ist, die meisten Pressereisen finden in der Nebensaison statt.

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Benasque_03_Hotel_Hospital_de_Benasque_Dez2011_004Auf jeden Fall ist das Hotel-Restaurant Hospital de Benasque schon an sich einen Besuch wert. Im Sommer ist hier mit Sicherheit mehr los, dann treffen sich hier die Wanderer, die die alten Jakobswege oder auch Schmugglerrouten über die Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien entlangwandern. Die meisten Spanier sind angeblich keine begeisterten Wanderer, sie geniessen aber sehr gern ihre Natur. Doch fahren die Spanier am liebsten mit dem Auto bis zum Picknickplatz. Für Deutsche, die gern wandern gehen, hat das den Vorteil, dass die exzellent ausgeschilderten und ausgebauten Wanderwege und Langlaufloipen sehr ruhig sind. Wer es von hier aus bis nach Frankreich schafft, der findet als nächste Station zum Übernachten das Hospice de France.

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Auf jeden Fall sind die Holzschnitzereien und vor allem Wurzelschnitzereien sehr beeindruckend. Daher habe ich ein paar Kostproben für Euch aufgenommen.

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Ja, es könnte das sein, was ihr hier seht… Nicht alle Schnitzereien sind historisch. Im Gegenteil, modern und frivol trifft es bei so manchem Exponat wohl besser. Das „Hospital“, wie der Name sagt, ein ehemaliges Krankenhaus, beschäftigt sich in einer Ausstellung mit der Geschichte der Region und lässt Besucher staunen beim Anblick der Holzschnitzereien, die ein Kolumbianer gefertigt hat. Da reckt sich ein Menschenkopf aus einem Schneckenhaus, da guckt ein Fuß aus einer Hose, die ein Baumstamm ist, da entdeckt man eine Geburt, da reitet ein Teufel auf einer Schlange, und da treibt es ein Mönch mit einem Kardinal – ganz versteckt an einer völlig mit Schnitzwerk bedeckten Säule. Bei soviel Frivolität heißt es gucken und noch einmal gucken.

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Am besten jedoch hat mir diese kleine geschnitzte Langlaufmaus gefallen. Die hätte ich am liebsten mitgenommen. Wenigstens etwas, was an dem Tage mit Langlauf zu tun hatte. Zu gerne hätte ich die Langlaufloipen für Euch – und ja klar, für mich auch – ausprobiert. Und in dieser rustikalen spanischen Herberge hätte ich es auch gern noch etwas länger aushalten können. Doch wir zogen weiter, so dass ich Euch nichts über die angebotenen Speisen und Getränke sagen kann.

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Auf jeden Fall ist das Bergwasser, wie überall in den Bergen, so absolut sauber, klar, frisch und lecker, dass es ein pures Vergnügen war, die Wasserflaschen hier aufzufüllen und zu trinken. Auf der Strecke überraschen vereiste Wasserfälle und immer wieder anhaltende Autos. Warum halten die immer an ein und derselben Stelle an? Nun, das Bild eines Trinkwasserhahns zeigt an: Hier gibt es frisches Quellwasser. Und in der Tat ragen drei Rohre aus dem Fels, aus denen sich leicht die eigene Wasserflasche füllen lässt.

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Doch selbst wenn kein Schnee liegt, so wie bei unserem Besuch, so besticht der Ort Benasque durch seinen Charme, seine Häuser aus den Steinen der Umgebung, seine Mischung aus alten und modernen Häusern, die aber ebenfalls im traditionellen Stil gehalten sind. „Bitte kommen Sie nicht im August“, fleht uns ein Tourismusexperte der Region an, „im August haben Spanier und Franzosen Ferien, und alle, alle reisen zu uns.“ Ja klar, deshalb sind wir ja auch zur Winterurlaub in Spanien eingeladen.

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Doch so alt die Gemäuer aussehen mögen, so modern ist die Stadt. Denn hier befinden sich Institute der Universität von Saragossa.

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Und im Gegensatz zu großen oder auch kleinen Universitätsstädten in Deutschland hat Benasque überhaupt kein Problem damit, den gesamten Ort mit einem kostenlosen, freien Wlan auszustatten. Egal, wo man sich in dem Ort aufhält, man hat Netzempfang. Toll, diesen Service hat leider immer noch nicht jeder touristische Ort.

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Die Architektur von Benasque ist faszinierend: Die engen und verwinkelten Strassen verhindern, dass der Wind durchpfeifen kann. Man ist vor allzu starker Sonneneinstrahlung ebenso geschützt wie vor kalten Schneestürmen. Oder vor dem Regen, der unseren Aufenthalt etwas feucht gestaltete.

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Und gleichzeitig tauchen wir ein in die tausende Jahre alte Geschichte der Region, die direkt an der Grenze zu Frankreich liegt. Die Pyrenäen trennen zwar Spanien und Frankreich voneinander.

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Doch hier war ein Verbindungsweg hinüber zum Nachbarn. Aragon war einst ein selbstständiges Fürstentum und ging erst über die Jahrhunderte langsam in das kastilianische Königreich über. Dies merkt man übrigens auch an der Sprache.

Benasque_05_city_Dez2011_033In dieser Ecke wird noch das alte Aragonesisch gepflegt, das ähnlich wie das Katalanische eine eigene Sprache ist – nicht etwa nur ein Dialekt des Spanischen.

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In Benasque kann man äußerst interessante Herrenhäuser bewundern, wie z.B. den Palast der Grafen von Ribagorza, die Casa Marcial del Río, die Casa Juste, die Casa Faure und die Kirche Santa María la Mayor. In der ganzen Gegend findet man romanische Bauten und die für die Pyrenäen typischen Berghütten.

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In Benasque befindet sich eines der acht staatlichen Jagdreviere von Aragón. Darüber hinaus verfügt die Stadt über einen bedeutenden geologischen Reichtum, der über 13 Gletscher, 95 Seen und zahlreiche Wasserfälle umfasst, und zusammen mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zur Entstehung des Naturparks Posets Maladeta im Jahre 1994 geführt hat.

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Dieses Reservat in den nord-östlichen Aragonesischen Pyrenäen zeichnet sich durch die höchsten Granitberge der Iberischen Halbinsel aus, nämlich die Gebirgsmassive Posets (3.369 Meter) und Maladeta (3.308 Meter), durch dichte Nadelwälder und eine seltene Flora und Fauna. Viele der hier lebenden Tiere und Pflanzen sind endemisch, also einzig in Europa. Innerhalb des Natur-Parks gibt es noch 13 Gletscher mit einer Fläche von 350 Hektar, während die Gesamtoberfläche des Parks 33.257 Hektar beträgt. Die Jahrtausende andauernde Eiszeit hat die Landschaft geprägt und viele große und kleine Seen, bizarr geformte Felsformationen, enge Schluchten und hohe, oft von Wasserfällen überflutete Steilwände hinterlassen, ein intaktes Ökosystem.

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Für Outdoor-Bedarf gibt es in Benasque auch ein modernes und gut ausgerüstetes Sportgeschäft. Egal, ob man etwas vergessen hat oder sich zur Abwechslung eine neue Skibrille oder einen modernen Skihelm zulegen möchte oder einfach mal neue Klamotten braucht, hier findet man alles.

Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin in Benasque, Aragon, Spanien:

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    Götz A. Primke

    Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
    Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

    Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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