Refill: Kostenloses Leitungswasser im Restaurant

Was in Frankreich, Italien und Spanien selbstverständlich ist, ist in Deutschland immer noch ein Unding: kostenloses Wasser auf dem Tisch. Seit kurzem gibt es eine Initiative in Deutschland, die das ändern will: Refill. Doch lässt eine weite Verbreitung nach wie vor zu wünschen übrig.

In Frankreich ist es überhaupt kein Problem zum Essen eine „caraffe d’eau“ zu bestellen. Dafür bekommt man eine simple Glaskaraffe mit Leitungswasser. Das kostet nichts, es erfrischt und es schmeckt gut. Und auch wenn man ein größeres Menü mit Wein bestellt, ist es überhaupt kein Problem, eine Karaffe Leitungswasser zu trinken. Doch in Deutschland ist es mehr als unerwünscht. Es ist schlicht ein Unding. Ob man will oder nicht, der Gast ist gezwungen, eine Flasche Mineralwasser zu bestellen, zu bezahlen. Aber warum?

Das Leitungswasser in Deutschland hat Trinkwasserqualität. Wenn ich in einem Gourmetrestaurant eh um die 100 Euro für ein Menü zahle, warum muss ich dann auch noch ein paar Euro extra für Wasser zahlen? Oder auch in einem Café zu Kuchen und Kaffee – muss ich dann extra eine Flasche Wasser bezahlen? Reicht nicht auch ein Karäffchen Leitungswasser?

Refill Deutschland

Die Initiative Refill hat es sich zum Ziel gesetzt, den Glas- und Plastikmüll in Deutschland zu reduzieren.  Es geht um „Zero Waste“. Kostenloses Trinkwasser in der ganzen Stadt – das ist die Idee der Initiative Refill, die jetzt auch in Berlin, München und anderen Städten am Start ist. In allen Cafés, Bars und Shops mit dem Refill-Aufkleber am Fenster kann der Gast kostenfrei Leitungswasser in sein mitgebrachtes Gefäß auffüllen lassen. Denn auch das ist ein Gedanke von Refill: Immer die eigene Trinkflasche dabei haben und an jeder Stelle auffüllen lassen, wo auch immer man gerade ist.

Die Schlagworte sind dabei:

  • Habe deine Trinkflasche dabei!
  • Schütze unsere Umwelt!
  • Trink genug Wasser! Lebe gesund!
  • Spare Geld!

Das Konzept lässt sich verkürzen auf: 

  • Plastikmüll vermeiden
  • Leitungswasser trinken
  • Wasserflasche auffüllen

Refill Berlin

In Berlin ist das Refill-Konzept schon sehr verbreitet. Als ich zur EAT! Berlin in mehreren Restaurants weilte, sah ich eigentlich überall die blauen Flaschen mit Bügelverschluss, die von den Berliner Wasserbetrieben gestellt werden. Am Abschlussabend im Waldorf-Astoria Berlin sah ich den Abfüllbehälter in der Küche – siehe das Foto oben. Außerdem sah ich die Refill-Flaschen in Sternerestaurants wie im Einsunternull und bei Sonja Frühsammer.

Refill München

Doch in München – und ich belasse es bei meinem Artikel bei meinen beiden Lieblingsstädten, in denen ich mich am besten auskenne – ist das Konzept noch nicht so richtig angekommen. Bisher habe ich in keinem Münchner Sternerestaurant Leitungswasser der Stadtwerke München (SWM) angeboten bekommen. Liegt es etwa daran, dass die SWM keine blauen Flaschen und Nachfüllgeräte anbieten? 

Auf der Webseite von Refill München finde ich die Filialen von Basic, ein paar Frisöre, Schreibwarenläden und Buchhandlungen, Cafés und andere Läden. Hier kann sich jeder seine mitgebrachte Flasche mit Leitungswasser auffüllen lassen.

Während in diesem Artikel in der Süddeutschen das Refill-Konzept  für München gefeiert wird, finde ich die bisherige Ausbeute eher suboptimal. In der Bundeshauptstadt, die bekanntermassen arm aber sexy ist, haben es die Gourmettempel nicht nötig, noch extra Geld für Wasser zu verlangen. Zumal das Berliner Leitungswasser köstlich ist. Die SZ feierte im letzten Jahr die 40 Münchner Läden und Cafés, die schon zwei Monate nach Start mitmachen. Ok, nice. Jetzt sind es zwar deutlich mehr Läden – aber noch keine Cafés, Restaurants oder gar Gourmet-Tempel.

Refill kommt aus Bristol

Das Konzept kommt aus Bristol in England, irgendwann entdeckt Stephanie Wiermann, Grafikerin und Webdesignerin aus Horst in Schleswig-Holstein, einen Tweet der Briten. Sie fand die Kampagne klasse, und sagte sich: Wenn das in England läuft, läuft das doch sicher auch in Hamburg.

Ja, das Konzept ist soweit cool. Aber meines Erachtens noch nicht stark genug verbreitet. Ein Trend ist es – zumindest in München – noch lange nicht. Während in Berlin die Schützenhilfe der Berliner Wasserbetriebe das Konzept sicherlich stark voran bringt, fehlt eben dies noch in München durch die SWM.

Und noch ein handwerklicher Fehler: Während es die passende Webseite refill-berlin.de für Berlin existiert, so führt die URL refill-muenchen.de nur als billige Weiterleitung auf ein Landhaus in Gerolstein.

Fazit:

Eigentlich ein unterstützenswertes, exzellentes Konzept. Doch ist der Erfolg oder die jeweilige lokale Durchsetzung an den Märkten noch extrem unterschiedlich.

Natürlich ist dieser Artikel nur sehr subjektiv, denn ich habe nur Momentaufnahmen aus Berlin und München und weiss nicht, wie es in anderen Städten aussieht.

Habt Ihr in Eurer Stadt Refill gesehen? Wie sehen Sterneköche dieses Konzept? Was haltet Ihr davon? Ich freue mich auf Eure Meinung in den Kommentaren. 

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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