Palace Hotel Portoroz: Belle Epoque Flair an der slowenischen Adria

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Österreich: Marine und Seebäder? Ja, die alte k.u.k. Donaumonarchie stellte einmal die sechstgrößte Marine der Welt – sowie einige mondäne Seebäder. Für Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin besuchte Andrea Gerum eines der alten Grand Hotels an der ehemaligen „österreichischen Riviera“. Gast zu sein im legendären Palace Hotel heißt, sich auf eine Zeitreise zu begeben in die vergangene Welt der österreichisch-ungarischen Monarchie. 1908 wurde der Wiener Architekt Johann Eustacchio mit der Planung dieses eleganten Grand Hotels beauftragt. Nach nur zwei Jahren Bauzeit fand am 20. August 1910, im mondänen Seebad Portoroz, die feierliche Eröffnung statt.

Bereits die Außenansicht dieses grandiosen Prachtbaus beamt mich in Sekundenschnelle zurück in die Zeit der Donaumonarchie. Vor meinem geistigen Auge tauchen plötzlich edle Vierspänner auf. Zarte Damen in hoch gebauschten Kleidern steigen aus prachtvollen Fiakern. Elegante Kavaliere lüpfen Zylinder und einer flüstert mir gar ins Ohr: „Meine Verehrung Gnädigste, ach bitte, begleiten`s mich doch auf eine Melange in den Salon.“

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Doch Halt! Dicke dunkle Droschken distinguierter Automarken stehen vor dem Haupteingang und deuten mir die Realität. Willkommen im 21. Jahrhundert, im alten und neuen Kempinski Palace Hotel Portoroz. Doch jeder Schritt durch das historische Gemäuer erzählt von alter, imperialer Pracht. Görz und Istrien waren bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 Kronländer der Habsburger Doppelmonarchie. Und die Adriaküsten von Grado und Portoroz bis nach Opatija gehörten zur „Österreichischen Riviera.“ Triest stand im kosmopolitischen Zentrum. Beinahe jeder Triestiner konnte fließend in slowenisch, italienisch und deutsch parlieren.

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Vom Glanz und Verfall der Seebäder
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Mitte des 19.Jahrhunderts entdeckten Ärzte die heilklimatische Wirkung der Salzseebäder und bald entstand ein reger Tourismus entlang des damalig österreichischen Küstenlandes. Leisten konnten sich das Privileg der erholsamen Sommerfrische freilich vorerst nur Adel und Großbürgertum.1897 wurde Portoroz durch das k.u.k Innenministerium offiziell zum „Cur- und Seebad“ erklärt. Neben Grado und Opatija gab es damit schon bald ein weiteres, elegantes Seebad. Kultur- und Sportveranstaltungen, sowie das 1913 in der Villa San Lorenzo eröffnete Spielcasino Portoroz, sorgten für Unterhaltung und Zerstreuung der feinen Gesellschaft aus Triest und Wien. Auch der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz-Ferdinand gab sich damals im luxuriösen Palace Hotel gern die Ehre.

Das Ende der k.u.k. Monarchie und zwei Weltkriege führten zum Verfall der Seebäder–Kultur. Erst in den 60er Jahren bekam Portoroz wieder für wenige Jahre seinen alten Glanz zurück. Internationale Filmstars wie Orson Welles, Lex Barker und Yul Brunner feierten im Palace Hotel. Hollywood Diva Sophia Loren kam mit Marcello Mastroianni im Gefolge. Adriano Celentano und Ornella Vanoni traten als Sänger auf. Doch schon in den 70ern verlor sich der Glamour durch die rigide kommunistische Verwaltung. In den 80ern dümpelte das Hotel vor sich hin, bis es 1990 endgültig seine edlen Türen schloss und in einen fast 20 Jahre dauernden Dornröschenschlaf fiel.

Zurück in die Zukunft
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Wir schreiben das Jahr 2003 und endlich kommt der rettende Prinz. In Form eines reichen Investors weckt er Dornröschen sanft aus dem Schlaf. Nach 70 Millionen Euro Aufwachhilfe erstrahlt die Schöne nun seit Oktober 2008 wieder frisch und munter unter Obhut der Kempinski Gruppe.

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Bei der Renovierung des historischen Gebäudes ging man äußerst behutsam und gelungen vor. Die denkmalgeschützte Außenfassade des Hauptgebäudes blieb komplett erhalten und wurde stilvoll mit einem modernen Neubau ergänzt. Auch das Schmuckstück des Palace Hotel, ein prunkvoller 300 Quadratmeter großer Kristallsaal erstrahlt originalgetreu in barocker Schönheit. Im gesamten Hotel vereinen sich gekonnt verschiedene Elemente von Art Nouveau über Bauhaus, Kubismus und Jugendstil.

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Umrahmt wird das Hotel von einer romantischen Gartenanlage in der schon zeitig, im milden mediterranen Frühling, viele Rosen blühen. Portoroz – der „Rosenhafen“ macht seinem Namen alle Ehre. Ein langer Blick auf das Meer, in der Sonne glitzern winzige Segelboote in der Ferne und ich träume vor mich hin.

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Über das wechselvolle Auf und Ab der Geschichte hat das Hotel zwei Eigenschaften hinweg gerettet – Würde und Grandezza. Eine edle Dame von Welt, die ihr gesamtes Vermögen verlor, nie aber ihren Stil. Neue Länder entstanden an der Riviera, doch spürt man allerorts noch diese besondere Atmosphäre, die vom Geist der Vergangenheit geprägt ist.

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Slowenien ist ein kleines Land mit großer Küche. Eingerahmt von Österreich, Kroatien, Ungarn und Italien stand es lange unter deren Einfluss und hat sich das Beste dieser Länder auf den heimischen Teller geholt.

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Eine Prise Venedig, ein Hauch Balkan, eine große Portion Wien und fangfrische Köstlichkeiten aus dem Mittelmeer vereinen sich zu einer höchst kulinarischen Reise durch die Speisekarten dieser Länder.

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Ich fühle mich wie eine Prinzessin im barocken Kristallsaal und lasse mir feine slowenische Speisen und Weine auftragen. Leise ertönen süße Wiener Walzer Klänge und ich bin wieder mitten drin in meiner Zeitreise. Plötzlich betritt Erzherzog Franz-Ferdinand von Österreich den Saal und bittet Sophia Loren am Nebentisch um den Eröffnungstanz. – Nur ein Traum? Wohl wahr. Vermutlich ein Glas Wein zuviel. Egal: Da ist sie wieder, die Habsburger Eleganz. Palace Hotel: Die Legende lebt. Küss die Hand, gnä Frau!

Anreise:

    Mit dem Auto

  • Über die Autobahnen aus den Richtungen Triest (Italien) und Ljubljana (Hauptstadt von Slowenien) und über die Straße aus Pula (Kroatia)
    Mit dem Flugzeug

  • bis nach Ljubljana (Flughafen Brnik)
  • bis nach Triest in Italien(Flughafen Ronchi)
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