Griechischer Wein: Das Blut der Erde Europas

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Griechenland ist die Wiege Europas. Griechischer Wein war über viele Jahrhunderte nicht minder beliebt in ganz Europa. Doch so wie die griechische Politik und Geschichte über die vielen Jahrtausende ein permanentes Auf und Ab war, so ging es mit den griechischen Weinen ähnlich allzu oft abwärts. Mit der fatalen Spätfolge, dass griechische Restaurants in Deutschland nach wie vor hauptsächlich Retsina und Imiglykos verkaufen – und eher italienische Weine zur Delphi-Platte servieren. Die Initiative der New Wines of Greece setzt sich zum Ziel dies zu ändern.

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Im Rahmen einer freien Verkostung mit anschliessendem Menü im Münchner Restaurant Panther Grill präsentierten sich einige ausgewählte griechische Weingüter mit ihren weissen und roten Kreszenzen den anwesenden Journalisten und Bloggern der Wein- und Foodbranche. Denn leider gilt nach wie vor: Taverna Kreta und Co. bestimmen den Ruf der griechischen Küche in Deutschland. Doch: Griechenland besteht nicht wirklich aus Grillplatte Saloniki, Metaxa und Ouzo. Und die griechischen Weine nicht nur aus Retsina und Imiglykos. Das neue Wein-Griechenland hat mehr zu bieten. Dass diese Tatsache in Deutschland nahezu unbekannt ist, liegt nicht nur an den deutschen Gästen selbst. Auch die griechischen Gastronomen spielen zum grossen Teil eine mehr oder weniger unrühmliche Rolle. So scheiterte ich persönlich bei dem Versuch, einen befreundeten griechischen Gastronomen in München zu einer umfangreicheren griechischen Weinkarte zu überzeugen. Einige Flaschen aus Griechenland kamen nur auf die Karte, doch der Großteil der Weine in seinem damaligen überaus exzellenten Restaurant stammte aus Italien. Was aber immer geht – und ebenfalls in Deutschland nicht allzusehr bekannt ist, ist nicht der übliche Ouzo, sondern der Rakomelo.

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Griechischer Wein: Eine Geschichte von Siegen und Niederlagen

Die Geschichte des griechischen Weines ist schon mehrere Jahrtausende alt. Doch leider können wir heute nur von einer „jahrhundertealten“ Geschichte reden. Warum? Wir versuchen, diese Geschichte kurz zu umreissen, auch wenn das nahezu unmöglich ist. Schließlich ist Griechenland die Wiege der europäischen Weinkultur.

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Vorspeise: Gegrilltes Gemüse | Schwarzer Trüffel | Basilikumfrischkäse | Parmesan

Die Menschen in Griechenland begannen schon sehr früh, die Weinrebe zu kultivieren. So reichen die ersten Spuren der Weinbereitung bis ins Jahr 4.500 vor Christus zurück. Im 7. Jahrhundert v. Chr. hatte sich der Weinbau über den gesamten griechischen Raum verbreitet, Wein war wichtiger Bestandteil der Trinkkultur der Antike. Zu Zeiten von Hippokrates erlebte auch der internationale Weinhandel eine große Blüte. Damals etablierten sich für jene Zeit fortschrittliche Weinbau- und Weinbereitungstechniken. Auf ihren Kolonialisierungszügen im Mittelmeer exportierten die Griechen nicht nur ihre Weine, sondern brachten auch ihre Reben und Weinbaukultur nach Süditalien, Südfrankreich und an das Schwarze Meer. Viele der griechischen Methoden wurden von den Kelten und Römern übernommen. Unter der Herrschaft der Venezianer wurde der Hafen von Monemvasia (Peloponnes) im späten Mittelalter ein wichtiger Umschlagplatz für griechischen Wein. Besonders gefragt war der Malvasia, der in großen Mengen in zahlreiche Länder Europas verschifft wurde. Das goldene Zeitalter der griechischen Weine unter der venezianischen Herrschaft sollte mit der endgültigen Vorherrschaft der Osmanen ab dem 15. bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Griechenland ein Ende finden. Durch das moslemische Alkoholverbot verlor Griechischer Wein seine Bedeutung, viele Weinberge wurden aufgegeben. Nur auf den Inseln führte man den Weinbau in geringem Maß fort. Auf dem Festland leisteten die Klöster, in deren Besitz sich große Weinberge sowie die ersten organisierten Kellereien befanden, einen Beitrag zur Erhaltung des Rebsorten- und Weinpotentials Griechenlands.

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Zwischengang: Mini-Kalbsbratwurst an Kalbs-Jus | Kartoffelstampf | Speckkraut

Griechischer Wein: Renaissance und Reblaus

Erst nach der Unabhängigkeit im Jahre 1830 und dem Zurückdrängen des türkischen Einflusses wurde Griechischer Wein und der Weinbau langsam wiederbelebt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts verdoppelte sich die Rebfläche, die ersten großen Kellereien entstanden. Dies markiert im Wesentlichen den Beginn der modernen griechischen Weinbereitung. Zu den damaligen Pionieren zählt zum Beispiel der Deutsche Gustav Clauss, der 1861 die noch heute bestehende Kellerei Achaia Clauss gründete. In dieser Zeit kehren auch die ersten griechischen Ökologen, die in Frankreich studiert hatten, in ihre Heimat zurück. Einen herben Rückschlag erlitt der griechische Weinbau dann mit dem Auftreten der Reblaus ab 1898, die große Teile der Rebflächen zunichte machte. Davon erholte sich Griechenland nur schleppend, besonders nachdem die Nachfrage nach griechischem Wein Anfang des 20. Jahrhunderts einbrach.

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Hauptgang: Lammkrone im Heu gegart | Oliven | Rosmarinkartoffeln | gegrillte Aubergine | süße Tomaten

Griechischer Wein: Die zweite Renaissance

Die neue Zeitrechnung des hochwertigen griechischen Weinbaus begann erst mit dem Ende der Militärdiktatur und dem Beitritt Griechenlands zur Europäischen Union. 1971 wurden moderne Ursprungsbezeichnungen für griechische Weine gesetzlich verankert. Neben den großen Kellereien entwickelten sich allmählich kleine und mittlere integrierte Weinbaubetriebe, die in Ausbildung, Know-how und Technologie investierten und damit einen rasanten Lernprozess in Gang setzten. Sie fuhren die Erträge zurück, stellten die zahlreichen autochthonen Rebsorten in den Fokus und machten es sich zur Aufgabe, bestmögliche Qualitäten herzustellen. Damit setzte die moderne griechische Weinrenaissance ein, die bis heute anhält und in den letzten Jahren hervorragende Weine hervorgebracht hat.

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Dessert: Baklava & Brownie | French-Vanilla-Icecreme | Früchte | Honigkresse

Griechischer Wein: Das heutige Wein-Griechenland

Enthusiastische Weinmacher verbinden heute die jahrhundertealte griechische Weinbautradition wie selbstverständlich mit moderner Technologie. Sie zeigen sich Innovationen gegenüber offen – von der Stärkung etablierter Stile, der Wiedereinführung von Klassikern bis hin zu den Möglichkeiten, die wiederentdeckte Rebsorten, neue Terroirs oder moderne Weinbereitungstechniken bieten. Griechischer Wein bietet neue Facetten, die äußerst vielfältig und faszinierend sind. Sie spiegeln die verschiedenen Aspekte dieses dynamischen Weinlands wider.

Bio als Selbstverständlichkeit
Einhergehend mit der modernen Renaissance des griechischen Weinbaus ist besonders in den letzten Jahren ein immer stärker werdendes Bewusstsein für die Umwelt und ein nachhaltiger Umgang mit ihr. Mittlerweile werden über fünf Prozent der griechischen Rebfläche biologisch bewirtschaftet – mit steigender Tendenz. Begünstigt wird dies in Griechenland durch natürliche Faktoren: Die starken griechischen Winde, wie die „Meltemi“ genannten Winde der Kykladen und der Ägäisinseln allgemein, sowie die hohen Sommertemperaturen sind günstig für die Weinrebe und verhindern eine ausgedehnte Entwicklung von Mikroorganismen. Wie selbstverständlich heute eine naturnahe Produktion im Bewusstsein verankert ist, zeigt die Tatsache, dass zwar viele der neuen Weine Griechenlands mit naturnahen oder biologischen Anbaumethoden produziert werden – dies aber nicht immer auf den Etiketten zu lesen ist.

Griechischer Wein & Tourismus

Fast zeitgleich mit der moderneren griechischen Wein-Renaissance entwickelte sich auch der Tourismus in Griechenland zu einem bis heute sehr wichtigen Wirtschaftsfaktor. Auch wenn Sonne, Meer und Sand nach wie vor die stärksten Waffen der griechischen Tourismusbranche sind, hat Griechenland auch in anderer Hinsicht viel zu bieten. Neben den zahlreichen historischen Plätzen und antiken Monumenten kann Griechenland auch beim Trendthema Oeno-Tourismus und Griechischer Wein punkten.

Vorreiter in dieser Hinsicht ist Nordgriechenland. Hier existieren nicht weniger als acht Weinstraßen durch verschieden Teile der Region. An diesen Weinstraßen lässt sich Geschichte erleben, von archäologischen statten über Kirchen, Klöster und Museen bis hin zu den Weingütern selbst, die für Besucher geöffnet sind. Dazu kommen Restaurant, Tavernen, lokale Gourmet-Werkstätten und Läden mit regionalen Spezialitäten, die es zu entdecken gilt.

Aber auch die anderen Regionen Griechenlands haben hierbei einiges zu bieten – ob die Meteora-Klöster in Zentralgriechenland, der ausgeprägte Agrotourismus auf dem Peloponnes, die zahlreichen Feste auf den ägäischen Inseln oder das breite Angebot an auf Besucher eingestellten Wiengütern auf Kreta. Für den findet sich in Griechenland das passende oeno-touristische Angebot – zumal es kontinuierlich erweitert wird.

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Disclosure:
Herzlichen Dank an New Wines of Greece für die Einladung zu dieser Degustation und das Steakhouse Panther Grill für das köstliche Menü.

Service:

Weitere Weine in der freien Verkostung:

Weißweine:
Mantinia 2014, Tropis Winery, PDO Mantinia (100% Moschofilero)
Moschofilero 2014, Ktima Lantides Estate, PGI Peloponnese (100% Moschofilero)
White Swan Moscofilero 2014, Greek Wine Cellars, PGI Peloponnese (100% Moschofilero)
Techni Malagousia 2014, Wine Art Estate, PGI Macedonia (100% Malagousia)
Moi, Je M’En Fous! 2014, Domaine Monsieur Nicolas, PGI Ksarditsa (100% Malagousia)
Malagousia Arvanitidis 2014, Arvanitidis Estate, PGI Thessaloniki (100% Malagousia)
Klepsidra Malagousia 2014, Samartzis Estate, PGI Central Greece (100% Malagousia)
Malagouzia 2014, Domaine Porto Carras, PGI Halkidiki (100% Malagousia)
Assyrtiko Agrio 2014, Domaine Evharis, PGI Gerania (100% Assyrtiko)
Sigalas Santorini 2014, Domaine Sigalas, PDO Santorini /199% (100% Assyrtiko)
Oenofores Asprolithi 2014, Oenoforos – Rouvalis, PDO Patras (100% Roditis)
Alexakis Vidiano 2014, Alexakis Winery, PGI Crete (100% Vidiano)
Astros Lagos 2014, Douloufakis Winery, PGI Crete (100% Vidiano)
Xerolithia 2014, Mediterra Winery, PDO Peza (100% Vilana)
Lyrarakis Plyto 2014, Lyrarakis Wines, PGI Crete (100% Plyto)
Primus Zitsa 2014, Domaine Glinavos, PDO Zitsa (100% Debina)
Amethystos White 2014, Domaine Costa Lazaridi, Drama (85% Sauvignon Blanc, Assyrtiko)
Alfega Lefkos 2014, Domaine Hatzimichalis, PGI Atalanti Valley (Sauvignon Blanc, Romola, Malagousia)
The Tear of the Pine, Stelious Kechris Domaine, Retsina (PGI by tradition) (100% Assyrtiko)

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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