Hull, England: Change is happening!

Change is Happening – Das neue Motto von Hull

Die Einwohner von Hull sind sehr stolz auf ihre Stadt, finden es aber absolut verständlich, dass auf dem Kontinent nur wenige Leute von ihrer Stadt gehört haben, eher schon von den Nachbarstädten Liverpool, Manchester und Leeds. Schließlich hat Hull gerade mal eine Viertel Million Bewohner und setzt (wenn überhaupt) nur Assoziationen als Endpunkt der Route einer Fähre von und nach Rotterdam frei. Dass viele in Großbritannien die Stadt mit dem naheliegenden Homoioteleuton „Hull is dull“ kennzeichnen, wollen wir mal beiseite lassen. (Irgendwie fällt einem dabei Bielefeld ein, mit dem es das Schicksal auch nicht besonders gut gemeint hat ..)

Jedenfalls sollte sich seit 2018 einiges ändern für Kingston-on-Hull, wie der offizielle Name für das 1299 gegründete Städtchen in Nordengland lautet. Der Hintergrund sind besonders die enormen Bemühungen anderer britischer Städte, sich neue und eindrucksvolle kulturelle Images zu schaffen. Liverpool wurde nach wirklich enormen Anstrengungen bereits 2008 die Auszeichnung zur Europäischen Kulturhauptstadt verliehen und Leeds strengt sich derzeit mächtig an, in die Auswahl für das Jahr 2023 zu kommen. Wobei das Entscheidende immer die Nachhaltigkeit ist – alle Projekte sollen auch nach einer europäischen Anerkennung fort- und weitergeführt werden und die jeweilige Stadt einschließlich ihrer Umgebung, ihres Hinterlandes kulturpolitisch nachhaltig weiter entwickeln.

Touristisch interessant, dass man in Nordengland eine Art kulturelle Themenstraße propagiert. Das macht Sinn, weil der moderne Tourist immer ganz viel auf einmal will. Daher verbindet sich Hull zusammen mit Leeds, Manchester und Liverpool zu den Cities of Northengland,.

Um das zu realisieren, ist man dabei, dafür ein neues Verbindungssystem mit der Eisenbahn, deren Image in Britannien eigentlich ein ziemlich bejammernswertes ist. Das seit einiger Zeit agierende private Unternehmen Transpennine Express verbindet alle großen Städte in Nordengland mit neuen, modernen und komfortablen Zügen zu überraschend zuverlässigen Ankunfts- und Abfahrtszeiten (– für die nächsten Jahre soll eine halbe Milliarde £ in die Erneuerung der Züge gesteckt werden). Gerade für die erkundungswilligen Touristen vom Festland, die das Risiko des Linksverkehrs mit gemieteten Wagen lieber nicht eingehen wollen, ist das eine interessante Alternative.

Die Marina von Hull

Genug der Vorrede. Hull also ist aktuell eine Stadt, deren Image, sagen wir, verbesserungs- oder ausbaufähig ist. Lange Zeit eine Walfang- und Kabeljaufischerstadt, sind jetzt die Boote und verarbeitenden Fabriken so gut wie verschwunden, sind die Docks leer und schon seit längerem ziemlich leerstehend.

Die Lösung ist: Kultur. Und zwar geballt und eindrücklich. Und Aufsehen erregend. Hull ist zum Beispiel, was sich irgendwie in Deutschland gar nicht herumgesprochen hat, in diesem Jahr „UK’s city of culture“. Diese Auszeichnung wird alle vier Jahre vergeben und bedeutet einiges an staatlichen Zuwendungen und die Vergabe von mindestens nationalen Contests und Preisveranstaltungen. Das Ziel der vom Department for Culture, Media and Sport organisierten Initiative ist, wie wir Wikipedia entnehmen können, „to build on the success of Liverpool’s year as European Capital of Culture 2008 which had significant social and economic benefits for the area.“ Der Vorgänger war 2013 übrigens Londonderry. 2017 konnte sich Hull gegenüber Dundee, Swansee Bay und Leicester durchsetzen.

Konkret heißt das, dass an wirklich 365 Tagen in Hull etwas Kulturelles stattfindet. Das ist für ein relativ kleines Städtchen wie Hull natürlich ein enormer Gewinn, aber auch eine gewaltige Anstrengung. Schliesslich bedeutet es zum einen das Aktualisieren der schon bestehenden kulturellen Einrichtungen, sprich Museen, mit spektakulären neuen Schwerpunkten. So wurde das traditionelle Ferens-Museum, auf das die Huller traditionell sowieso mächtig stolz sind, mit über 5 Mio. £ Kosten renoviert – und man organisierte neue Ausstellungen mit einigen durchaus spektakulären Leihgaben. Kirsten Simster, die Kuratorin, freute sich besonders über ein gerade geliehenes Gemälde von Rembrandt, das den Schiffsbauer Jan Rijcksen und seine Frau von 1633 zeigt. Der flämische Meister soll womöglich selbst einmal in Nordengland gewesen sein. Der Sache wird noch nachgegangen…

Der Philanthrop Thomas Ferens, Gemälde von Frank Dicksee
Kuratorin Katrin Simster im Saal der niederländischen Meister

Eigentlich ist die Ferens-Gallery, benannt nach dem Gründer und Mäzen Thomas Ferens, und eröffnet vor genau 90 Jahren, eines der überschaubaren, hübschen Museen, in die man Schulklassen hineinschicken kann, ohne zu riskieren, dass die Kids schon nach ein paar Minuten müde oder übellaunig werden oder beides. Außerdem können sich die Kinder kreativ in einer eigenen Children’s Gallery beschäftigen. (Und bei dieser Gelegenheit sollte auch erwähnt werden, dass hierzulande der Eintritt in die meisten öffentlichen Museen total kostenlos ist. Hoffentlich bleibt das auch nach dem Brexit so ..)

Schulklassen-Besuch im Ferens
Sehr beliebt bei den Kids: Die eindrucksvolle Skulptur von Michael Scrimshaw, The Bigger Man, in der Lobby des Ferens Museums

Man kann hier nicht alles aufzählen, was im Ferens zu sehen gibt, aber zum Beispiel diese Sachen hier: Frans HalsPorträt einer Frau (ca. 1660), Canalettos Canal Grande dal palazzo Balbi fino al ponte di Rialto, im Saal Viktorianisches England das Gemälde von Herbert James Draper, Ulysses and the Sirens (1909) und im Saal Mittelalter als große Attraktion das Gemälde des Sienesers Pietro Lorenzetti Christus mit Paulus und Petrus (ca. 1320).

Wer es moderner mag, schaut sich sicher die fünf Gemälde der Screaming Popes-Reihe von Francis Bacon aus den 1950er Jahren an, diese verfremdenden Erinnerungen an das Gemälde Papst Innozenz X. von Velasquez. Und sehr aktuell ist Mark Wallingers sechsteilige irritierende Fotoserie Passport Control (1988).

The Blade auf dem Queen Victoria Square
Das propellerähnliche Rotorblatt vom Blade

Über Kunst soll man stolpern, das könnte das leitende Prinzip für das Aufstellen des Blade gewesen sein, ein 75 Meter langes und 28 Tonnen schweres Windturbinen-Rotorblatt, konzipiert vom Multimedia-Künstler Nayan Kulkarni und fabriziert in der Siemens-Fabrik in Hull, das man unübersehbar auf dem bzw. längs über dem Queen Victoria Square aufstellte. Um einen Eindruck von der massiven, bewusst stören wollenden Kunst zu gewinnen: die typischen Doppeldeckerbusse passen gerade noch unter dem Blade durch, das quer über den Platz verläuft. Es soll übrigens ein Symbol für den ökonomischen Wiederaufstieg der Stadt sein.

Hull besitzt ein Museums Quarter, das aus vier verschiedenen Museen und einem kleinen Park besteht. Eine Attraktion, die man unbedingt besuchen sollte, ist das Streetlife Museum of Transportation: ein vergnüglicher Querschnitt durch die Geschichte der Bewegung und Fortbewegung. Das Besondere: Es werden nicht einfach – wie etwa in vielen Automuseen – teure oder alte Stücke nebeneinander steril aufgestellt, sondern sie sind in ihren geschichtlichen Kontext eingebunden. Dadurch wird die jeweilige Zeit richtig be-greifbar, wie etwa in der historischen Tram von 1940, mit der man sogar eine Station im Museum fahren kann. Auch historisches Spielzeug und Comics finden sich hier – in diesem wirklich netten Museum.

Eingang zum Streetlife-Museum
Streetlife-Museum
Im Streetlife-Museum, Oldtimer und eine britische Cartoonfigur

Die zweite Must-do-Attraktion, gleich daneben, ist das Wilberforce-House Museum, gewidmet der großen historischen Figur William Wilberforce (1759-1833), ein großer Sohn der Stadt Hull. Als Parlamentsabgeordneter, der sich für die Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels einsetzte, spielte Wilburforce die zentrale Rolle – und erreichte vor 210 Jahren nach über 20 Jahren hartnäckigen Kampfes die Annahme des ersten Antisklavereigesetzes durch das britische Parlament:

„Mir erschien die Verderbtheit des Sklavenhandels so enorm, so furchtbar und nicht wiedergutzumachen, dass ich mich uneingeschränkt für die Abschaffung entschieden habe. Mögen die Konsequenzen sein, wie sie wollen, ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Ruhe geben werde, bis ich die Abschaffung des Sklavenhandels durchgesetzt habe.“

Denkmal für den großen William Wilberforce

Sein Geburtshaus wurde in eine Gedenkstätte für die von ihm mit großer Energie angetriebene frühe Bewegung des Abolitionismus umgewandelt. 1906 eröffnet, gilt es als das erste englische Museum zur Geschichte der Sklaverei und Sklavenbefreiung

2006 wurde Wilberforces Leben und Kampf von Michael Apted in „Amazing Grace“ verfilmt – mit u.a. Ioan Gruffudd, Benedict Cumberbatch und Albert Finney in den Hauptrollen.

Die Silhouette vom Aquarium The Deep!

Wieder ganz was anderes ist: The Deep! Ein vierstöckiges, in den Untergrund gehendes Aquarium in einem futuristisch-maritimen Gebäude, das an die Silhouette eines gerade untergehenden Ozeanschiffes erinnert. In diesem architektonisch ungewöhnlichen Aquariumsbau, 2002 eröffnet, das als eines der spektakulärsten in Großbritannien gewertet wird, und von den Machern als the world’s only submarium bezeichnet, könnten sich Schulklassen ganze Tage aufhalten und sich zum Beispiel von Skeletten des Superriesen-Megalodons beeindrucken lassen, des ungeheuren Vorläufers der heutigen Haie. Am beliebtesten ist hier wie anderswo natürlich der Underwater Viewing Tunnel, wo sieben Arten von Haien, Rochen und hunderte anderer Arten Fische an den Wänden oder über den Köpfen der Besucher dahingleiten. Bei den kleineren Kindern ist der große Favorit die Pinguinwelt, die hier Kingdom of Ice heißt – und natürlich der riesige Shop, wo bisher noch jeder sein spezielles maritimes Schmusetier gefunden hat.

Der eindrucksvolle Ur-Haifisch Megalodon im Aquarium The Deep!

Noch einmal zurück zur (Post-)Moderne. Ihr Symbol ist die für Kulturereignisse aller Art reservierte Humber Street, direkt an der Marina. Hier hat sich einiges geändert, was man nicht zuletzt an den neuen bunten Grafitti sieht.

Fröhlich bemalte Graffiti-Wand in der Humber Street

Sehr beliebt ist auch in Hull die Kombination von Cafe-Snackbar und Kunstgallerie – die Humber Street Gallery, 64 Humber Street, wo es unten Imbiss und Café und natürlich Tee bei rastafarischer Musik gibt, und in allen fünf Stockwerken häufig wechselnde, dabei auch kontroverse und überraschende Beispiele moderner Kunst. (Unter anderem stellte man hier Werke des in Hull beheimateten Künstlerkollektivs COUM aus.)

Die Humber Street

2017 z.B. gab es eine Ausstellung von Skulpturen von Sarah Lucas, die irgendwie irgendetwas mit feministischer Kritik zu tun haben sollen; der naive Besucher findet Torsi weiblicher Körper, denen die Künstlerin seltsamerweise Filterzigaretten in Vagina und Anus gesteckt hat. Einerseits etwas gewöhnungsbedürftig, andererseits zeigt das aber auch den Mut zur modernen Kunst

Fertig ist dieses Musterbeispiel einer Gallerie mit Café aber noch nicht. Demnächst wird ein Dachcafé fertig, von dem aus die Besucher, jedenfalls die, die an den Küstenwind gewöhnt sind, weit über die Dächer von Hull und die Nordsee schauen können.

Sarah Lucas Torsi-Ausstellung „The Power in Woman“

Adressen und Infos:

Hotel Rosskopf Sterzing: Stop-over am Brennerpass

Gleich nach dem Brennerpass kommt der Reisende auf dem Weg von Österreich nach Italien an dem wunderschönen Ort Sterzing/Vipiteno vorbei. Das erste Südtiroler Städtchen grüßt nicht nur mit einer historischen und gut erhaltenen Altstadt, mit exzellenter Gastronomie und einigen Hotels. Sondern auch mit einem eigenen Skigebiet: Der Rosskopf. Wir haben in Sterzing im Hotel Rosskopf übernachtet, waren Gast bei der Einweihung des neuen Panorama-Skiliftes am Rosskopf selbst und haben die Fertigung von Leitner Ropeways besucht.

Nur wenige wissen, dass Sterzing auch der Sitz eines Weltmarktführers ist: Leitner Ropeways. Die Firma Leitner fertigt Sessellifte, Gondelbahnen, Schneekatzen und vieles mehr für Verkehrssysteme in den Bergen. Viele von uns kennen nur die Lifte und Gondeln in den Bergen. Doch schon einige südamerikanische Städte haben angefangen, Gondeln als schnelle und günstige Massentransportmittel für die Millionenstädte einzusetzen, bspw. Medellin in Kolumbien. Und in Deutschland überlegen bereits München und Berlin, wie man Gondeln einsetzen kann. Denn der Bau dieser Systeme ist allemal günstiger und schneller als ein U-Bahn-Bau. Weltweit gibt es eigentlich nur zwei nennenswerte Anbieter: Doppelmayr in Österreich und eben Leitner in Südtirol.

Südtirol glänzt mit einigen der schönsten Berge und damit auch Pisten der Alpen. Direkt vor der Tür von Leitner liegt der Rosskopf. Ein Berg, der eigentlich als Paradeparadies und Teststrecke von Leitner dienen könnte. Mit der neuen Telemix-Bahn, der neuen fünf-Kilometer-Talabfahrt, der Beschneiungsanlage und den neuen Pistenbullys wird das Skigebiet Rosskopf in Sterzing-Südtirol in ein neues und modernes Schneezeitalter katapultiert. Was jetzt noch dringend modernisiert werden sollte, ist die Gondelbahn von Sterzing hoch auf den Rosskopf. Denn die geht auch direkt über die Brennerautobahn und wäre somit eigentlich ein perfektes Aushängeschild für Leitner. Denn oben erwartet den Skifahrer ein zwar kleines, doch wunderschönes Skigebiet.

Sterzing ist geprägt von vielen Jahrhunderten Durchgangsverkehr durch die Alpen. Der Brennerpass in unmittelbarer Nähe, die Tiroler Tradition, die nahezu unzählbar vielen Völker und Stämme, die hier durchzogen, lebten und – leider – sich auch zeitweilig bekämpften, hinterliessen alle ihre Spuren. Reichverzierte Bürgerhäuser mit Erkern kennzeichnen den Charakter der Altstadt in Sterzing. In der Fußgängerzone kann man gut bummeln, in vielen kleinen Geschäften einkaufen und in Cafés und Restaurants hervorragend speisen.

Gleich in der Nähe der Aufstiegsanlagen des Rosskopf und zugleich unweit der Ortschaften Ratschings, dem Ridnauntal und dem Pfitschtal, bietet das 3-Sterne Superior Hotel Rosskopf gepflegte, gemütlich eingerichtete Zimmer und Suiten und wird somit zur idealen Unterkunft für einen Aktivurlaub mit Wellness im wundervollen Eisacktal.

Einen Einblick in mein Zimmer im 3-Sterne Superior Hotel Rosskopf Sterzing gibt Euch mein kleines Video:

Benannt nach dem sonnigen Bergmassiv hoch über der Stadt, lädt das familiäre Hotel in Sterzing zu einem abwechslungsreichen Aufenthalt in Südtirol ein. Traditionelle Gastlichkeit, die kreative Küche im hoteleigenen Restaurant und der herzliche Charme sind die besonderen Stärken des reizvollen Hotels mit seinen 40 Zimmern, welches mit einem Relaxbereich und einem idyllischen Garten einen Ruhepunkt in der Hektik des Alltagslebens bildet.

Morgens der Blick aus dem Bett.

Hotel Rosskopf: 4 Sterne Wellness und Restaurant

Fotos in Wellnessbereichen sind immer ein Problem: Wenn Gäste drin sind, ist es heiss und dampfig.

Die Saunaanlage und vor allem die Küche haben eigentlich 4-Sterne-Niveau. Für die gute Küche spricht, dass mittags Einheimische sowie Arbeiter und Angestellte der Firma Leitner, die Seilbahnen bauen, zum Essen kommen. Die Sauna ist sehr modern, hier kann man herrlich entspannen. Es gibt eine Bio- und eine finnische Sauna, ein Dampfbad, eine Rotlichtkabine, einen Whirlpool und einen großen Ruheraum.

Nach einem erfolgreichen Skitag und dem Saunabesuch, um die Muskeln zu relaxen, ist man bereit für das Abendessen. Das Menü am Abend startet für uns mit einem Knödel Tris. Als Vorspeise ist das Tris der Renner, es besteht aus einem Spinatknödel, einer Kasnocke und den für Südtirol so typischen Schlutzkrapfen.

Tagliata di Manzo, Ruccola, Gemüse, Bratkartoffeln

Der Hauptgang ist Tagliata di Manzo auf Ruccola mit Gemüse und Bratkartoffeln, dazu passt der Merlot Black von der Winzergenossenschaft Bozen von 2015 hervorragend.

Apfelstrudel mit Vanillesauce

Und der perfekte Abschluss wird gebildet von einem Apfelstrudel mit Vanillesauce, dazu ein wunderschöner italienischer Espresso.

Hotel Rosskopf: Das Stop-over-Hotel

Das Drei-Sterne-Superior Hotel Rosskopf in Sterzing bietet sich auch perfekt als Zwischenstation an für Reisende auf dem Wege von Nord nach Süd oder umgekehrt. Das Hotel ist in Sichtweite der Brennerautobahn – und eigentlich auch in Hörweite, doch die Fenster sind glücklicherweise sehr schalldicht. Während unseres Aufenthaltes war eine größere Gesellschaft anwesend, die täglich bis nach Antholz zum Biathlon-Weltcup gefahren ist. Ja, kann man machen, aber dann muss man täglich schon sehr früh in Richtung Antholz aufbrechen, da man sonst im Stau steht.

Service:

5 Jahre Parc du Petit Prince: Finde die Seele Deiner Kindheit

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Freizeitparks gibt es wie Sand am Meer, aber dieser ist wirklich etwas Besonderes. Denn: Im Elsass schlug vor über 500 Jahren ein Meteorit ein, der in Fachkreisen als Météorit Ensisheim bekannt wurde. Historisch hat das große Bedeutung, denn dies war das erste Mal in der Geschichte des Abendlandes, dass ein Objekt, das vom Himmel fiel, beschrieben und analysiert wurde. Frühere Einschläge wird es sicher in Europa gegeben haben, nur sind sie seinerzeit nicht dokumentiert worden. Man kann ihn im Rathaus von Ensisheim sehen. Unweit davon hat man vor fünf Jahren einen Freizeitpark der etwas anderen Art aufgebaut, den Parc du Petit Prince.

Eigentlich gab es davor schon einmal einen Park, das anspruchsvolle Le Bioscope, das der neue Eigentümer Grévin & Cie (heute Teil der Compagnie des Alpes) am 1. Juni 2006 für berichtete 61 Mio Euro gebaut hatte. Dies war der erste Umwelt- und Gesundheitspark Frankreichs auf 12,5 Hektar. Wie in so vielen Gegenden, wollte man hier etwas ökologisch hoch Relevantes schaffen, etwas sehr Lehrreiches. Leider aber war der von den Architekten Frederic Jung und Ursula Kunz schön gestaltete Park kein Erfolg. Wahrscheinlich hatte man die allgemeine Akzeptanz für ökologische Themen überschätzt, vielleicht war der Park auch überfrachtet mit Lehren und Lernen, vielleicht war die Mischung der Themen nicht geglückt (Umweltverschmutzung, extreme Klimaverhältnisse, Ökosystem, aber auch Pflegen und Heilen), vielleicht hatte man die Zugkraft über die Landesgrenze hinaus überschätzt. Ziemlich sicher waren es jedoch die fehlenden typischen Erlebnisse, die man nun mal sucht, wenn man in einen Themenpark geht. 2012 stellte Grévin et Cie. daher den Betrieb ein. Seitdem versuchte man, für die Anlage eine andere und möglichst sinnvolle Verwendung zu finden. Ein Glücksfall war die schließliche Übernahme des Parks durch die erfolgreiche französische Ballonfirma Aerophile SAS – die 11 Mio. Euro in den Park investierte.

Für die thematische Neuausrichtung entschied man sich für das Leben und Werk des Fliegerdichters Antoine de Saint-Exupéry (eigentlich: Antoine Marie Jean-Baptiste Roger Vicomte de Saint-Exupéry). Mehr als nur eine nationale Berühmtheit, schließlich sind seine Bücher weltweit bekannt geworden. Vor allem natürlich die Geschichte vom Kleinen Prinzen, die in viele Sprachen übersetzt worden ist und zur Standardlektüre an Schulen, aber auch an Universitäten zählt, nicht zuletzt wegen ihrer philosophischen Botschaften. (Einige Bemerkungen sind längst in die Allgemeinbildung eingegangen, wie das unendlich oft zitierte “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!”)

Dieses 1943 erschienene Buch machte den Verfasser mit einem Schlag berühmt; dazu trug auch sein tragischer, geheimnisumwitterter Tod bei: Saint-Exupéry stand im Dienste der französischen Luftwaffe und war über viele Meere und in viele Kontinente geflogen, bei einem Routineflug stürzte er 1944 bei der Île de Riou nahe Marseille ab.

Die Ausstellung St.-Exupéry, Leben und Werk  – © Michel Caumes

Dichter, Abenteuer, Flieger, Philosoph – der Stoff, aus dem Helden gemacht werden. Und eine Geschichte, aus der man einen interessanten Themenpark machen kann. Am 1. Juli 2014 also öffnete der Ungersheimer Park mit einer völlig neuen Thematik – alles dreht sich hier um Saint-Exupérys Kleinen Prinz mit einer deutlichen ZielgruppenausrichtungFamilien mit Kindern zwischen 3 und 12 JahrenAlleinbesucher haben wenig von einem Besuch, in der Familie macht es am meisten Spaß, ein paar Stunden in diesem ungewöhnlichen Themenpark zu erleben. 

Dieser Park wendet sich an alle Menschen, die ein Faible für den Literaten Saint-Exupéry haben, dessen Lebensgeschichte hier unterhaltsam ausgebreitet wird. Oder die einfach die Prinzengeschichte mögen, und das dürften eine ziemliche Menge sein, denn von der gedruckten Version des Petit Prince sollen sich auch heute noch auf der ganzen Welt an die zwei Millionen Stück verkaufen. (Eine Auswahl der übersetzten Fassungen kann man natürlich im Park ausgestellt sehen.) Geschätzte 140 Millionen Exemplare sollen verkauft worden sein, die in beeindruckenden 270 Übersetzungen – Sprachen und viele Dialekte – erschienen sind. 

Eine Auswahl der Übersetzungen vom Kleinen Prinz – © Michel Caumes

Und gerade in den letzten Jahren gab es wieder neue Fernsehserien (2011 eine 78-teilige Animationsserie) und Filme (2015, The Little Prince), was die ungebrochene Aktualität des philosophischen Kinderromans belegt. Dem kommt auch zugute, dass die Autorenrechte 70 Jahre nach dem Tod des Verfassers nun frei sind und das Werk beliebig nachgedruckt werden kann.

Der neuartige Park, der von den Betreibern auch gerne als erster ‚parc aérien au monde’, also als Luftpark weltweit bezeichnet wird – was etwas missverständlich ist, schliesslich handelt es sich um das Thema Fliegen –, und Berichten nach rd. 50 Millionen Euro gekostet hatte, wurde 2014 von den Medien sehr wohlwollend aufgenommen. Dafür sorgte die besondere Mischung von Tieren, Kinos, Labyrinthen, Ballons u.v.a.m. auf 24 Hektar. 

Ikonische Figur am Eingang des Parks: Der kleine Prinz auf seinem Meteorit B612 © Michel Caumes
© Michel Caumes

Zu den ersten Attraktionen gehörten vor allem Dinge für Kinder ( – mit mehr oder weniger deutlichen Bezug zur Prinzen-geschichte): Klassische Kinderrides, wie das Aérousel (Karoussel mit kleinen Flugzeugen und Ballons),  Jahrmarkt-Attraktionen, wie ein Kettenkarussel oder Wellenflieger (Les chaises volantes), oder der kleine Bummelzug Le petit train. Spielplätze und –geräte, wie z.B. La grande balançoire (Die grosse Schaukel), die Kinder Zipline La tyrolienne, eine Schaf-Federwippe. Nicht zu vergessen ein schöner Spieleturm mit Hängebrücke – die Citadelle; und ein Indoor-Trampolin-Park, ein Labyrinthe de fontaine (Das Labyrinth des Brunnens), L’avion, ein begehbares altes Doppeldeckerflugzeug, und Wasserspielplätze und vieles mehr.

Der Wellenflieger
Spielplatz Citadelle
Eine echte Antiquität: Avion, die alte Antonov-2
Innen im Avion – © Michel Caumes
Kreatives Malen

Kinder können baden, hüpfen und tanzen, oder auch malen – wie z.B. bei Dessine-moi un mouton (Zeichne mir ein Schaf).

Es gibt audiovisuelle Highlights, wie 3-D, 4-D-Filme und interaktive Attraktionen wie Le Planète Sous-Marine-4D (Der Unterwasserplanet) und der Courier Sud (Südkurier), und stroboskopische Effekte im Vol de Nuit (Nachtflug).

Schwindelerregend.. der Nachtflug – © Michel Caumes

Und selbstverständlich kann man im Grand Cinéma die dreidimensionalen Abenteuer des kleinen Prinzen verfolgen.

Warteschlange beim Prinzenkino
Innen im grossen Kino (Le Grand Cinéma)

Aber die Höhepunkte waren und sind die Produkte von Aerophile. Zwei grosse beeindruckende feststehende Fesselballons, sie gelten als besonders robust und technisch ausgereift und so sicher und schwankungsarm, dass auch kleine und ängstliche Kinder ohne Probleme mitfahren können: Le Ballon du Roi (Der Ballon des Königs) und Le Ballon d’Allumeur de Réverbère (Der Ballon des Lichtanzünders). Die Aussicht ist aus 135 bzw. sogar 150 Metern definitiv prächtig. Falls das Wetter günstig ist, das heißt, der Wind nicht zu stark ist, steigt man so langsam nach oben, dass auch die Kleineren keine Angst zu haben brauchen. Und wenn der Wind zu stark ist, muss man sich eben gedulden. Dann geht Sicherheit vor Fun. 

Die Ballons
© Michel Caumes

Und das gibt es noch: ein luftiges Restaurant (für das es sich empfiehlt, besser nicht unter Höhenangst zu leiden) gibt es – die L’Aérobar du Buveur (Luftbar des Trinkers): man sitzt an einer großen runden Tafel, baumelt mit den Füßen in der Luft, während man von einer Plattform langsam in 35 m Höhe befördert wird. Allgemein loben die Besucher die hervorragende Aussicht von oben, auf die Berge der Vogesen, den Schwarzwald, die Städte Mülhausen und Colmar, während man einen Aperitif oder ein Glas Sekt geniesst. Dieses fliegende Foodtainment kommt gut an.

Die Aerobar – © Michel Caumes
Die Aerobar, Instruktionen vor dem Aufstieg – © Michel Caumes

Fünf Jahre später können die Betreiber durchaus zufrieden sein: Im ersten halben Jahr kamen 90.000 Gäste, 2015 waren es 120.000, 2016 150.000, 2017 200.000, also 35% Steigerung (– übrigens konnte man am 31.10.2017 mit 5.877 Gästen einen Tagesrekord verzeichnen). 2018 gab es auch wieder 200.000 Besucher (genau: 197.834). Fast jedes Jahr also ein neuer Rekord, das macht optimistisch für die Zukunft. 

Alle Erfahrungen international zeigen, dass die Gäste etwas Neues erwarten, wenn sie motiviert werden sollen, einen Park ein zweites Mal zu besuchen. Es braucht nunmal jedes Jahr neue Attraktionen. Das schaffte man auch im kleinen Prinzenpark, obwohl das Budget nicht besonders groß ist. Das ‚Erlebnispotenzial’, wenn man so sagen will, also wurde Jahr für Jahr vergrößert: 

Seit 2017 können sich die Besucher über die erste Achterbahn freuen, den gelben Family Coaster Le Serpent (die Schlange, die ja ein klassisches Motiv aus der Buchvorlage thematisiert). Er erreicht max. 39 km/h, fährt auf einer Länge von 222 m und einer Höhe von max. 9 m. Kinder müssen 100 cm groß sein, um mitfahren zu dürfen. Die Kapazität soll 400 Personen/ Stunde betragen.

Eingang zur neuen Attraktion Die Schlange
Spaß und Geschwindigkeit mit der Schlange
In und mit der Schlange

Zum anderen gibt es seit dem 25. Mai auch die erste Wildwasserbahn im Park: Atlantique Sud (Südatlantik). 

Das Interessante an diesem Flume Ride ist die Thematisierung. Sie bezieht sich nämlich auf einen guten Freund Exupérys, den wagemutigen Flieger Jean Mermoz (1901-1936), der für den französischen Luftpostdienst Aéropostale arbeitete und als erster die Verbindung Casablanca–Dakar flog. Er war auch der erste, der über den südlichen Atlantik Post von Toulouse nach Buenos Aires brachte. Wie den Schöpfer der Kleinen Prinzen ereilte auch Mermoz das Schicksal des plötzlichen Absturz im Nirgendwo des Ozeans. Und wie jener sind heute in Frankreich Schulen und Straßen nach ihm benannt. 

Abfahrt und Schussfahrt der Wildwasserbahn Atlantique Sud
Die Streckenführung des Wildwasserrides; zum Schluss fährt man gemütlich um die Antonov-2 herum

In dieser Attraktion stimmt schon der ganz nach der ehemaligen französischen Luftpostgesellschaft thematisierte Wartebereich mit dem Einstieg in die Boote, die aber hier anstelle der üblichen Baumstämme einem Flugzeugrumpf nachempfunden sind. Maximal fünf Personen pro Boot können in einem Kanal bis auf etwa zehn Meter Höhe fahren, den Ausblick auf den Park für ein, zwei Minuten genießen, bevor es mit der Schussfahrt ins kühle Nass geht; anschließend treibt man gemächlich über das Wasser des Kanals, und hat einen Blick auf einen ausrangierten Antonov-2 Doppeldecker der späten 1930er Jahre. Der Flume Ride hat eine Länge von 230 m und eine Höhe von 10 m; 8 Flugzeug-Baumstämme bieten 5 Menschen Platz; die Kapazität beträgt 650 Personen pro Stunde; mitfahren kann jeder über 95 cm Grösse.

Seit 2018 begeistert das Weltraum-Abenteuer Dans les yeux de Thomas Pesquet (Mit den Augen von Thomas Pesquet): Viele Kinder, die das Buch vom Prinzen gelesen haben, fragen danach, wie das nun wirklich so ist mit einer Reise durch den Weltraum. Da trifft es sich gut, dass ein französischer Raumfahrer oben gewesen ist, übrigens der jüngste Astronaut bisher. Ein beeindruckender Film im IMAX-Laser-4K-Format im Grand Cinéma zeigt die außergewöhnliche Mission des Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation. Die Zuschauer entdecken so die Erde aus einer Höhe von 400.000 Meter.

Der Kleine Prinz mit dem Astronauten im Weltraum

Auch im Prinzenpark hat man den Trend zu Virtual-Reality-Erlebnissen aufgegriffen. Das VR-Abenteuer Der virtuelle Flug schickt Klein und Groß auf einen abenteuerlichen Ballonflug mit dem Kleinen Prinzen. Der etwa fünfminütige VR-Film (kostet nichts extra) zeigt den Schwarzwald, das Elsass sowie die deutsch-schweizerische Grenzregion aus der Vogelperspektive. Die Zuschauer bekommen dank der 360 Grad-Aufnahmen den Eindruck, tatsächlich wie in einem Ballonkorb durch die Lüfte zu schweben.

In der Animations-Neuheit Le Petit Prince VR reisen die Zuschauer an der Seite des Kleinen Prinzen und des Fuchses von einem Planeten zum Nächsten. Diese Filme werden dann angeboten, wenn die Ballons wegen schlechter Wetterbedingungen nicht fliegen können.

Service:


Fotos: Park / Operaprince / © Michel Caumes / Dr. Jürgen Kagelmann / Götz A. Primke

KitzSkiXpress: Der tägliche Linienbus direkt an die Skipiste von Kitzbühel

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Erst Busfahren, dann skifahren. Skifahrer sind Frühaufsteher. Münchner Skifahrer kennen das. Wer früh um 9 Uhr auf der Piste sein will, der muss früh raus. Ein paar Minuten zu spät, und man steht im Stau, auf dem Mittleren Ring, auf der Autobahn. Geldhauser Busreisen hat mit dem KitzSkiXpress einen echten Game Changer entwickelt. Früh in den Bus, bis zur Piste ausruhen, Spaß auf der Piste – und dann wieder mit dem Bus nach München zurück. Entspannter geht es nun wirklich nicht mehr.

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Bereits seit 8 Jahren bietet der Münchner Busreisespezialist mit dem KitzSkiXpress einen Linienbus an, der vom Münchner ZOB an der Hackerbrücke direkt zur Piste in Kitzbühel fährt. Täglich um 6:45 Uhr verlässt der schwarze moderne Reisebus den ZOB.

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Die Fahrt im First Class Fernreisebus wird versüsst durch belegte Brötchen , Butterbrezn, eine Boulevardzeitung und Kaffee: Bei unserer Pressefahrt verwöhnt Franz Gerstmair, Geschäftsführer von Geldhauser Busreisen, höchstpersönlich die eingeladenen Münchner Journalisten. 

An zwei Haltestellen werden weitere Reisende unterwegs eingesammelt. Die Busstopps in Holzkirchen und Rosenheim sind etwas improvisiert, was an den Wünschen und Verboten der Polizei liegt. Doch Franz Gerstmayr beruhigt: „Keine Sorge. Wir finden Euch schon.“ 

Geldhauser Busreisen setzt auf der Strecke München – Kitzbühel täglich zwei Reisebusse mit je 44 Sitzplätzen an. Genauer gesagt ein normaler und ein Doppelstockbus. Und ja, dieser Service fährt wirklich an 7 Tagen in der Woche. Das Tagesticket kostet von Montag – Freitag 59,00 Euro und am Samstag und Sonntag 62,00 Euro. Außerdem kooperiert Geldhauser Busreisen mit dem Intersport Kitzsport Skiverleih in Kitzbühel, so dass Freizeitsportler, die keine aktuellen Skier haben und gern aktuelle Ski-Modelle ausprobieren wollen, die auch bestens gepflegt sind, zu einem ermässigten Preis ausgeliehen werden. 20 Prozent Ermäßigung gibt es auf alle Ski- und Snowboardmodelle.

Wer länger bleiben möchte, kann auch das über Geldhauser Busreisen und den KitzSkiXpress regeln. Mit aktuell sieben Hotels in Kitzbühel und Kirchdorf gibt es Kooperationen, so dass für jedes Preisniveau Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wer das Besondere sucht, der kann beispielsweise auch zwischen Nachtrodeln am Gaissberg oder der KitzSki Hüttenromantik im Rasmushof auswählen.

Bei unserer eintägigen Pressetour erhalten wir einen kleinen Einblick in das Hüttenwochenende. Das Mittagessen auf der Ochsalm lässt nichts zu wünschen übrig.

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Vorspeise: Brotzeitbrettl-Platte auf der Ochsalm
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Rindertatar
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Hauptgang: Schwein und Rind
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Beilagen: Spätzle, Bratkartoffeln, Saucen

Leider gibt es von unserer Tour im Januar 2019 keine Bilder vom Skifahren. Wir waren froh, dass wir in dem Nebel und Schneefall noch unseren nächsten Kollegen sehen konnten. Der Schnee war auch nicht besonders einfach zu fahren. Bei einigen von uns, die wir eher nebenbei skifahren, ging es bis an die physische Belastungsgrenze. Doch letztlich hat es allen Spaß gemacht, es war insgesamt ein schöner Skitag.

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Nach diesem zwar durchaus anstrengenden, aber schön-anstrengenden Tag auf der Piste, gaben wir die Skier wieder im Verleih ab bzw. brachten sie im Bus unter. Und dann ging es zur Hüttenromantik in den Rasmushof. Dieses wunderbare Haus ist eine Legende unter den Kitzbühler Hotels.

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Der Rasmushof liegt am Fuße der Streif, direkt im Zielbereich des legendären Hahnenkammrennens. Diverse Promis übernachten gern in dem Hotel. Und die Eigentümerin Signe Reisch ist eine perfekte, sympathische Gastgeberin. Das Gourmetessen mit Weinbegleitung im Rasmushof ist ein absolut empfehlenswerter Programmpunkt.

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Allein dieser wunderbare Kaiserschmarren war ein Gedicht. Und die Weine, die der Rasmushof zum Gourmetdinner kredenzt, sind alles wunderbare Tropfen.

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Das Skigebiet von Kitzbühel bietet 230 Abfahrtskilometer, davon 185 Pistenkilometer mit 57 Bahnen und Liften und 60 Skihütten. Für alle Könnerniveaus gibt es genügend abwechslungsreiche Pisten. Für die ganz wagemutigen Freaks gibt es natürlich die weltberühmte Streif. Ich hingegen bin schon mit der Familienstreif sehr zufrieden. Naturpuristen haben ein weitläufiges Freeride-Areal zur Verfügung. Ausserdem gibt es zwei Snowparks. Und falls es mal nicht so schneereich sein sollte, sorgen 1.116 Schneeerzeuger für ausreichend weisses Gold. Und auch Langläufer werden auf dem ausgedehnten Loipennetz fündig. Schliesslich bringen einige Winterwanderwege am Berg und im Tal etwas Abwechslung in den Aufenthalt.

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Der KitzSkiXpress von Geldhauser Busreisen lässt das Skigebiet von Kitzbühel deutlich näher an München heranrücken. Der tägliche Linienbus zur Wintersaison ist ein absoluter Game Changer. Denn warum sollte man noch mit dem Auto diese Strecke fahren wollen, wenn man sich eh ständig über den Stau ärgern muss?

Es gibt viele Gründe nach Kitzbühel zu reisen: Die urigen Skihütten, das typische Après-Ski, eine überdurchschnittlich hohe Dichte an Haubenlokalen und Designerboutiquen sowie die prominenten Gäste machen sein typisches Flair aus., Der KitzSkiXpress ist eine schnelle, umweltfreundliche und günstige Verbindung in die Gamsstadt.

Service:

Kuala Lumpur: Food Festival KL Big Kitchen präsentiert die Küche Malaysias

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Der Moment, wenn alles zu spät ist… Kennt Ihr das? Da entwickelst Du ein Projekt, weisst genau, wann Du was machen sollst – und dann kommt irgendetwas dazwischen, dass Dir die ganzen Pläne verhaut und Du irgendwann denkst: jetzt ist es eh alles zu spät und total egal. Bei mir passiert das hin und wieder. Beispielsweise wenn ich mir ganz genau vornehme, wann ich einen Artikel bringen möchte – und wegen irgendwelcher externer Faktoren dieser Zeitpunkt erst verschoben und dann total zerschlagen wird. Das KL Big Kitchen Festival in Kuala Lumpur, Malaysia, ist so ein Fall für mich. Und jetzt setze ich den Zeitpunkt selbst: JETZT, zum Jahreswechsel 2020. Warum? Weil ich Euch Appetit auf dieses faszinierende Land und seine pulsierende Hauptstadt machen möchte. Und weil Tourism Malaysia die internationale Kampagne Visit Truly Asia Malaysia 2020 lanciert hat.

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Vor wenigen Jahren war ich zu einem Event auf der ITB Berlin eingeladen: Visit Malaysia und Visit Kuala Lumpur veranstalteten einen Kochevent mit dem in Malaysia sehr beliebten Koch Norman Musa. Norman und ich verstanden uns auf Anhieb richtig gut. Ich habe bei dem Event fleissig mitgekocht. Und ganz am Ende zog mich eine ältere Dame aus Malaysia zur Seite, gab mir ihre Karte und lud mich exklusiv ein zum KL Big Kitchen Festival (Facebook / Twitter / Instagram) in Malaysia. 

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So kam es, dass ich zu einem der wohl bisher schönsten Food Festivals eingeladen war, auf dem ich bisher war.

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Ich flog mit Malaysia Airlines in der Business Class,

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vier Tage war ich in Kuala Lumpur, nächtigte im Hotel Majestic, und lernte die interessantesten und faszinierendsten Koch-Persönlichkeiten von Malaysia persönlich kennen.

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Die Königin von Malaysia

Die Königin von Malaysia eröffnete das KL Big Kitchen Festival, dessen Zelte auf dem grossen Platz im Herzen von Kuala Lumpur aufgebaut waren, gleich neben dem wohl größten Fahnenmast der Welt.

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Chinatown

Ich genoss eine Führung durch die Altstadt von KL, durch Chinatown,

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MUD

schaute das Musical MUD,

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Helen Oon, Norman Musa, Götz A. Primke, Erin Goodall

lernte einige internationale Food Blogger kennen, wie etwa Erin Goodall aus England, Fellexandro Ruby aus Jakarta und Thanis Lim aus Brunei sowie die Kochbuch-Autorin Helen Oon. Und ich genoss einige der glücklichsten Stunden meines Lebens in dieser Stadt. 

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Feierliche Eröffnung des KL Big Kitchen Food Festivals durch Ihre Majestät, die Königin von Malaysia – die Spitzenköche stehen stramm

Außerdem hatte ich die Gelegenheit die Sterneköche Christian Mittermeier, Cyril Rouquet-Prévost und Andrew Nutter nicht nur kennen zu lernen, sondern konnte mit allen ausführliche, interessante und bereichernde Gespräche führen. Und natürlich brillierten die malaysischen Chefköche hier auf ihrer Show der kulinarischen Superlative Malaysias. Neben dem bereits erwähnten Norman Musa vor allem die bezaubernde, intelligente und äußerst humorvolle Isadora Chai sowie ihre Kollegin Anis Nabilah. Und schliesslich waren da noch Claire Ptak und Will Meyrick, der sieben Restaurants zwischen Bali, Hong Kong und Kuala Lumpur hat. Und warum kennt hier in Deutschland keiner Jochen Kern, einen sehr erfolgreichen deutschen Koch in Malaysia?

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Mein Plan war: Ich schreibe ein paar Artikel über KL danach – doch den Hauptartikel über das KL Big Kitchen Festival bringe ich wenige Monate vor dem nächsten KL Big Kitchen Festival, also ein knappes Jahr danach. Das Jahr verging – und das KL Big Kitchen Festival wurde verschoben und abgesagt. Das nächste Jahr kam – und vom KL Big Kitchen Festival ist keine Rede mehr. Die Homepage ist verkauft, das ganze Projekt eingestampft. Jetzt ist es eh alles zu spät und eigentlich egal. 

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Warum kam es so? Weil die Menschen in Malaysia auf der einen Seite zwar sehr herzlich und lieb und toll sind – ihre Politiker aber korrupt sind. Jedenfalls ein Teil. Jedenfalls der kleine Teil, der lange Jahre Malaysia regierte. Jedenfalls der eine Ministerpräsident, der den Staatsfond 1MDB so ruinierte, dass er damit das Land ausblutete und somit kein Geld mehr für solche Festivals war. 

Norman Musa, der beim ersten Festival noch die führende Hand hatte, wurde Gerüchten zufolge ausgespielt, eine Kollegin sollte das Festival leiten, und dann wurde vieles gestrichen, letztlich ist das Festival jetzt leider tot. Eigentlich sehr schade, denn KL Big Kitchen Festival war wirklich eine tolle Präsentation der malaysischen Küche, der malaysischen Spezialitäten und ist mit Sicherheit, wenn es regelmässig stattfinden würde, ein Grund für sich, das Land und die Stadt zu besuchen. Also, Kuala Lumpur, lasst das Festival nach fünf Jahren Pause doch wieder aufleben!

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Die Garküchen des KL Big Kitchen Festivals

Das KL Big Kitchen Festival fand auf dem größten Platz in der Mitte der malaysischen Hauptstadt statt. Es war eine grossartige Präsentation, was Essen in Malaysia bedeutet. In drei großen Zelten waren viele Betreiber von Garküchen, die ihre Spezialitäten vor Ort kochten und für die Besucher anboten. Schon allein hier hätte man sich rundum satt essen können und hätte einen perfekten Einblick in den kulinarischen Reichtum von Malaysia erhalten. Ein paar Eindrücke gebe ich Euch hier.

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Erin Goodall bei der Recherche mit einer Teilnehmerin.
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Lese ich das gerade wirklich?

Und was diese Marke anbietet und dort macht, habe ich leider nicht herausgefunden. Die Namenswahl wäre zumindest für den deutschsprachigen Markt mindestens „unglücklich“. Oder nein: indiskutabel.

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Eine deutsche Touristin traf ich auch. Sie war zufällig zu diesem Festival gekommen. Sie war gerade auf Rundreise durch Malaysia und schaute sich an dem Tag gerade Kuala Lumpur an. Sie war sehr angetan und nahm wohl auch an einem der vielen Workshops teil. Und da war sie nicht die einzige. Viele Touristen sind wohl eher zufällig auf das Festival aufmerksam geworden, sind über das Gelände geschlendert und haben dann auch an einem der vielen Koch-Workshops teilgenommen.

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Die Köche und Kochworkshops des KL Big Kitchen Festivals

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Die Kochworkshops waren das eigentliche Highlight des KL Big Kitchen Festivals in Kuala Lumpur. Die Creme de la Creme der malaysischen Köche hatte sich hier eingefunden. Außerdem waren ein paar europäische Sterneköche mit dabei, die offensichtlich durch den Sponsor Electrolux eingeladen wurden.

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Die Workshops fanden in einem Zeltbau auf dem Feld statt. Dabei hatten die Gäste die Qual der Wahl, da immer zwei Workshops parallel stattfanden. Davon war immer einer mehr auf „hands on“ ausgerichtet, also auf aktive Mitarbeit der Teilnehmer, der andere war eine Kochpräsentation zum zuschauen.

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Christian Mittermeier, Rothenburg ob der Tauber

Der sympathische Christian Mittermeier vertrat die deutschen Sterneköche. Er gehört zwar nicht zu den hierzulande bekannten deutschen Fernsehköchen. Doch ist er in der Runde der deutschen Köche kein Unbekannter. Er gehört ist Mitglied der Jeunes Restaurateurs d’Europe und Inhaber der Villa Mittermeier in Rothenburg ob der Tauber.

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Isadora Chai holt sich Verstärkung aus dem Publikum.
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Die wunderbar sympathische Isadora Chai kennenzulernen, war für mich persönlich der größte Gewinn – neben Norman Musa. Allein ihr Lebenslauf wäre eine Geschichte wert: als illegale Einwanderin in Europa bei diversen Sternerestaurants zwischen Italien, Frankreich und England gekocht… – aber das würde einige Sterneköche in Schwierigkeiten bringen. Sie betreibt das französische Restaurant „Bistro à Table“, eines der besten Restaurants in Malaysia, sowie das Antara Restaurant, ein malaysisches Restaurant mit französischen Einflüssen.

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In Deutschland unbekannt, in Malaysia eine Legende: Jochen Kern

Hochangesehen in Malaysia, in Deutschland kein Begriff: Jochen Kern ist schon seit vielen Jahren in Südostasien unterwegs. Der Koch lehrt an Hotelfachschulen und ist aktuell Senior Culinary Advisor im EQ Hotel Kuala Lumpur.

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Auch er verstand es perfekt, das Publikum einzubinden. Leider hatte er lediglich einen einzigen Workshop und das war auch gleich der allererste. Und danach war Jochen Kern nicht mehr zu sehen gewesen. Gerne hätte ich mich noch länger mit ihm unterhalten.

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Anis Nabilah

Anis Nabilah gehört zur Elite der malaysischen Fernsehköche.

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Claire Ptak, Pâtissière, Violet Cakes

Die Kalifornien Claire Ptak ist gelernte Bäckerin, Konditorin und betreibt im Londoner East End ihr Café Violet Cakes. Sie wurde im Vereinigten Königreich berühmt für ihren königlichen Hochzeitskuchen für die Herzogin und den Herzog von Sussex, Meghan Markle und Prinz Harry.

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Dr. Ezani

Dr. Ezani ist eigentlich gelernte Zahnärztin und gehört ebenfalls zu den beliebten malaysischen Fernsehköchen.

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Ihre Workshops waren sehr beliebt und gut besucht.

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Und es machte sichtbar Spaß mitzumachen. Ok, mit Schokolade kochen ist auch extrem köstlich.

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Erin Goodall hilft den Kollegen von Islam TV aus England beim Interview mit Dr. Ezani
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Totally Nuts: Andrew Nutter

Andrew Nutter ist ein absolut cooler, herzlicher und wunderbar durchgeknallter Zeitgenosse, bei dem es absolut Spaß machte zuzuschauen und auch nach den Shows sich zu unterhalten. Sein Restaurant ist in Rochdale, einem Ort zwischen Manchester und Leeds.

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Norman Musa, Kuala Lumpur Food Ambassador 

Norman Musa ist das Aushängeschild der kulinarischen Szene von Malaysia. Er hat das KL Big Kitchen Festival mit organisiert. Und er ist die wohl schillerndste, bekannteste Persönlichkeit der malaysischen Köche. Zum damaligen Zeitpunkt hatte er sein Restaurant „Ning“ in Manchester, mittlerweile ist er Executive Chef des Wah Nam Hong Restaurant in Leidsenhage in den Niederlanden.

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Natürlich waren die Kochshows von Norman Musa die beliebtesten und am besten besuchten. Norman versteht es auf eine sehr sympathische, lockere und lehrreiche Art, seine Kochshowteilnehmer an die malaysische Küche heranzuführen. Wer gerne malaysisch kochen lernen möchte, dem empfehle ich sehr, bei Norman einen Kochkurs zu belegen.

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Will Meyrick

Will Meyrick ist ein in Portugal geborener schottischer Koch, der schon seit langem auf Bali lebt. Er betreibt sechs Restaurants in Südostasien.

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Der Maybach der Königin von Malaysia

Sehr beeindruckend: Die Königin von Malaysia verlässt die Eröffnungszeremonie in einem Maybach. Eine wunderschöne, elegante Limousine. Bei einer Königin hätte ich eher einen Rolls-Royce erwartet. Aber warum denn nicht auch eine Limousine aus Deutschland.

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Der höchste Fahnenmast der Welt

Tourism Malaysia lancierte die Kampagne Visit Truly Asia Malaysia 2020 mit dem Ziel, die Wahrnehmung Malaysias als Reiseland zu steigern und 2020 30 Millionen internationale Ankünfte zu erreichen. Im Zuge der Kampagne ist Malaysia in den ausgewählten Quellmärkten weltweit mit Werbemaßnahmen aktiv. Dazu zählen Kooperationskampagnen mit Reiseveranstaltern, Airlines und anderen strategischen Partnern ebenso wie Pressearbeit oder Social Media Marketing. 

Auch sind im Laufe des Jahres über 100 Veranstaltungen geplant, darunter das Chinesische Neujahrsfest in Malakka, Iftar in Kuala Lumpur, Royal Floria Putrajaya, Light and Motion in Putrajaya, das Terengganu Beach Festival, das Tadau Ka’amatan Harvest Festival in Penampang, Sabah, das Rainforest World Music Festival und das Borneo Arts Festival. Ein detaillierter Eventkalender ist hier zu finden.

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Ein herzliches Dankeschön an Norman Musa sowie Visit Malaysia und Visit Kuala Lumpur, Malaysian Airlines und das Hotel Majestic Kuala Lumpur. Es waren vier sehr intensive Tage. Zu gerne wäre ich noch länger geblieben. Und einiges wird für immer unvergesslich bleiben. Schliesslich habe ich ein Teil meines Herzens hier verloren. Und noch viel lieber würde ich auch andere Regionen von Malaysia kennenlernen. Doch das dann gerne ein anderes Mal.

Andere Eindrücke findet Ihr bei den Kollegen, die auch dabei waren:

Und das schreiben andere Medien:

Auf Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin bereits erschienen:

BNI: Wie Hoteliers Empfehlungsnetzwerke nutzen können

„Manche denken, BNI ist eine Sekte“, erklärt mir Daniela Meißner, Assistent Director of Sales im Kempinski Hotel Taschenbergpalais Dresden ganz offen in ihrem schönen Dresdner Dialekt. „Ich sage immer, das Hauptargument dagegen ist: Man kann bei uns nicht Mitglied bleiben. Man muss es sich verdienen.“ Ich bin zu Gast bei der D-A-CH Konferenz 2019 des Business Network International (BNI) im Westin Grand München und informiere mich über das Empfehlungsnetzwerk. Dabei interessiert mich insbesondere: Was bringt BNI für die Hotellerie?

Im Verlauf unseres Gesprächs sagt mir die sympathische Sächsin aber auch: „Wenn ich nur drei oder vier Wochen nicht beim BNI war, dann fehlt mir was.“ Was ist also dieser Verein? Manchmal lässt sich etwas besser erklären, indem erstmal gesagt wird, was es nicht ist. Also: Was unterscheidet das Business Network International (BNI) von anderen Arten von Netzwerken wie etwa Studentenverbindungen, Freimaurer-Logen, Rotary oder Lions Club?

Denn Netzwerke sind sie alle und doch unterscheiden sie sich zum Teil sehr deutlich, zum anderen nur sehr fein. Am deutlichsten unterscheiden sich wohl die Studentenverbindungen. Hier unterstützen die Alten Herren und Hohen Damen, also die fertig studierten Akademiker, die in Lohn und Brot stehen, mit ihren Mitgliedsbeiträgen die Studentinnen und Studenten in den vielen unterschiedlichen schlagenden, nicht-schlagenden oder religiösen Studentenverbindungen. Der Schwerpunkt liegt also eindeutig auf der Aus-, Weiter- und Fortbildung des akademischen Nachwuchses.

Die Freimaurerlogen gehören zu einer international verbreiteten Vereinigung , die für Toleranz, Entwicklung der Persönlichkeit, Brüderlichkeit und allgemeine Menschlichkeit entrittt. Sie entwickelten sich aus den  Bauhütten  der alten Kathedralen in Europa. Der Zweck des Bundes ist die Erziehung seiner Mitglieder zu wahrem Menschentum und verfolgt keine nach außen gerichteten Ziele. Neben den  Männern vorbehaltenen Logen gibt es auch Frauenlogen, aber nur wenige gemischte Logen. 

Die beiden US-amerikanischen Netzwerke Rotary und Lions hingegen legen sehr viel wert auf soziales Engagement. Die beiden internationalen Netzwerke Rotary und Lions betrachten sich als Service-Clubs von Männern und Frauen mit Angehörigen verschiedener Berufe. Die Haupttätigkeiten der Clubs sind Vortragsveranstaltungen und Gesprächsrunden verbunden mit sozialem Engagement. Vereinfacht gesagt: man trifft sich zum Mittagessen, zahlt viel Geld für eine einfache Suppe – und der Gewinn fliesst in soziale Projekte. BNI aber macht das alles nicht. Beim BNI liegt der Fokus ausschliesslich auf Business. Auf dem Netzwerk. Auf dem Geschäftserfolg. Und genau das ist der deutliche Unterschied zu allen anderen Netzwerken: Bei BNI wird der Geschäftserfolg bei jedem Treffen gemessen.

Was also ist BNI? Das Business Network International ist ein weltweites Franchise, bei dem der Geschäftszuwachs, der Umsatzgewinn des Einzelnen im Vordergrund steht. BNI ist vor allem eine globale Wissensdatenbank für alle Mitglieder. BNI ist laut Selbstbeschreibung eine professionelle Vereinigung regionaler Geschäftsleute, die sich einmal in der Woche zur Frühstückszeit treffen. Das Ziel: Mehr Umsatz durch neue Kontakte und Geschäftsempfehlungen. Einen Mehrumsatz, den die Mitglieder ohne BNI nicht erreicht hätten. Teilnehmer am BNI-Marketingprogramm zu sein bedeutet vor allem Unterstützung beim Vermarkten der eigenen Dienstleistung und/oder der eigenen Produkte zu haben. Dafür werden weder Gehälter noch Provisionen bezahlt. BNI funktioniert nach dem Grundsatz: „Wer gibt, gewinnt!”.

Und wie läuft so ein Treffen zur Frühstückszeit ab? Zuerst gibt es eine Vorstellungsrunde der Mitglieder, anschliessend folgt eine Vorstellungsrunde der Gäste. Dem folgt eine Geschäftsrunde, in der jeder einzelne sagt, wieviel Umsatz er über andere BNI-Mitglieder in der letzten Woche gemacht hat. Dieser Erfolg wird auch jedes Mal gemessen und kommuniziert. Wer sich heute seine Xing- und LinkedIn-Kontaktlisten anschaut, stellt fest, dass er schnell über 1.000 Menschen kennt – zumindest weitläufig. In einer Runde von 60 BNI-Mitgliedern an einem Frühstückstisch sind das kumuliert 60.000 Kontakte.

Wieviel Umsatz, wieviel Empfehlungen hast Du für das Chapter gebracht? Das muss sich jedes einzelne Mitglied zu jedem BNI-Frühstück wieder fragen. Und dann wird auch gesagt: Das hast Du gut gemacht. Oder aber: Woran hängt es bei Dir? Was kannst Du besser machen? Daniela Meißner sagt dazu: „Wir haben den Fokus auf Qualität gesetzt. Wir gucken jetzt, wollen wir denjenigen wirklich behalten bei uns – oder wollen wir das nicht.“ Es wird jedes Jahr kontrolliert, ob man die Voraussetzungen erfüllt im Chapter, so heissen die Ortsvereine, zu bleiben. Man kann den Antrag immer nur für zwei Jahre stellen. Doch wenn keine Empfehlungen, keine Geschäfte herausspringen, dann fliegt das Mitglied eben auch raus. „Was bringst Du mit? Was hast Du für ein Netzwerk?“ – diesen Fragen muss sich jedes Neumitglied stellen.

Daniela Meißner könnte zwar ihr eigenes Hotel, das Kempinski Taschenbergpalais Dresden, als Treffpunkt vorschlagen – und damit durchaus Geschäft in ihr Haus bringen. Doch hat das Taschenbergpalais nicht die Kapazitäten für das Treffen und kann bzw. will nicht den Preis für das Frühstück anbieten. Für 11,50 Euro bekommt das BNI Chapter im Hilton Dresden ein gutes Frühstück zum Schnäppchenpreis. „Wir haben ein Extra-Frühstück in einem extra Tagungsraum.“ Und sie ergänzt: „Wenn wir im Kempinski ein Frühstück zu dem Preis anbieten würden, dann würden alle sagen ‚Ey, im Kempinski kannste nicht frühstücken gehen‘. Daher wollen wir uns da nicht messen.“

„Mir ist wichtig, dass sich die Leute auf irgendeine Art und Weise einbringen. Der eine hat es eventuell noch etwas schwer eine Empfehlung zu geben. Vielleicht sucht ein Mitglied eine neue Küche. Oder er bringt andere Gäste mit. Wir fragen unsere Mitglieder: Mit wem spielst Du Fußball? Mit wem gehst Du Skat spielen? Mit welchen Muttis triffst Du Dich im Kindergarten oder in der Schule? Sag mir einfach, wer Dein Freund ist, was der beruflich macht und bring den zum Frühstück mit.

Für mich als Mitarbeiterin eines Hotel bringt es auch wirklich beruflich was, auch überregional. Ich erhalte damit interessante Kontakte. So traf ich beispielsweise eine Teilnehmerin, die ein Reisebüro Busunternehmen hat, vor ein paar Jahren hier in München auf der DACH-Konferenz. Sie ist während ihrer Urlaube in Dubai zum BNI Frühstück gegangen und hat dadurch immer eine Dubai-Gruppe organisiert, die eine Rundreise durch Deutschland machten. Die sind von Hamburg über Berlin nach Dresden gefahren. Das hat sie zweimal organisiert, jetzt arbeitet sie leider woanders. Und so funktioniert das BNI. Das ist mehr als immer nur donnerstags zum Frühstück zu gehen.

Letzte Woche hat mich meine Mutti angerufen und gesagt: Unser Kühlschrank ist kaputt, hast Du da jemanden bei BNI. Sowas kann ich zwar vorher nicht sagen, aber letztlich ja, wir haben bei uns jemanden für solche Fälle oder aber in einem anderen Chapter. Neulich haben wir jemanden von einem Pflegedienst gehabt und ich hab mir gedacht: Na, einen Pflegedienst brauchst Du nie. Dann hatte ich eine Kundin, deren Mann schwer krank wurde, aus dem Krankenhaus heraus kam und eine Pflege brauchte. Ich hab gesagt: Ich hab jemanden für Sie, da können Sie direkt die Chefin anrufen. Fazit: Ich hab eine Kundin glücklich gemacht, die durfte die Chefin anrufen – und ich hab jemandem bei BNI ein Geschäft verschafft.

Wir haben Architekten bei uns, zwei Anwälte bei uns, die jeweils auf unterschiedliche Felder spezialisiert sind, Bau und Insolvenzanwalt, Elektriker, Abrißmensch, Baumaterialbeschaffer, Hausbauer, Reisebüro, Werbeagentur, Apotheke, Steuerberater – aktuell kein Coach – eine Mischung von Akademikern und Handwerkern. Deutlich männerlastig.

Man hat die Möglichkeit bei BNI mitzumachen im Führungskreis mitzumachen, man kann Chapterdirektor werden, oder Mitgliederkoordinator werden, im Mitgliederausschuss mitmachen, Besucherbetreuer, es gibt regelmäßig Trainings, die man besuchen kann. Für den Jahresbeitrag, derzeit etwa 1.000 Euro pro Jahr, sind die Trainings kostenlos. Wir bieten außerdem Mitgliedererfolgstraining, Präsentationstraining und vieles mehr.

Für mich ist es die fünfte DACH-Konferenz. Ich komme dann immer mit neuer Energie zurück. Ich sage dann den Kollegen wieder, wir müssen den Fokus mehr aufs Geschäft legen.

Als ich bei Kempinski angefangen habe, war ich schon bei BNI. Ich habe gesagt, wenn ich mein lokales Netzwerk für Kempinski begeistern soll, würde ich BNI weiter machen und wenn es funktioniert, dann freue ich mich, wenn ihr mir die BNI Jahresgebühr bezahlt. Und seitdem zahlt mir Kempinski die auch. Es hat zwar eine kleine Weile gedauert, aber seitdem wissen meine Kollegen auch, was ich da mache. Die Kollegen haben zwar gefragt: Wo gehst Du nochmal hin? Da stand im Terminplan Daniela Meißner 6:30 Uhr BNI. Die Kollegen haben gefragt: Was? 6:30 Uhr? Was machste um 6:30 Uhr? Ich hab dann einige Kollegen mitgenommen und versucht zu begeistern, um zu erklären, was das bedeutet. Das hat auch geklappt. Ich erklärte den Kollegen: Das ist ein lokales Netzwerk. Ihr müsst dafür immer 100 Prozent geben, denn wenn das schief geht, dann wissen das bald alle in der Stadt. Wir haben darüber schon einige große Veranstaltungen in unser Haus bekommen. Ich hatte in einem Jahr über 100.000 Euro Umsatz gemacht – das klappt nicht jedes Jahr, aber da hatte ich mit einer Empfehlung eine große Konferenz für unser Haus gewinnen können. Das ist ein Geben und Nehmen und auch ein Gewinn für den Arbeitgeber.

Ich habe auch schon versucht, den anderen Hotels das näher zu bringen. Aber das verstehen nicht viele. Gerade für Sales-Mitarbeiter ist es sinnvoll, aber das müssen die selbst erlebt haben. Ich habe ein Mal eine Sales-Kollegin mitgenommen, die mich einmal in Dresden vertreten hat und die hat gesagt: das war echt toll. Und die war dann auch in Hamburg im Chapter herzlich willkommen geheissen.

Fazit: Eine Mitgliedschaft im BNI kann jedem Berufstätigen etwas bringen, der seine Dienstleistungen oder seine Produkte verkaufen möchte und sich immer wieder auch nach neuen Kunden umschauen möchte oder muss. Und neben vielen beruflichen Kontakten wächst nicht nur das allgemeine persönliche Netzwerk, sondern es entstehen auch neue Freundschaften.

Info:


GAP

Thomas Cook: Das alte Morsche ist zusammengebrochen

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Thomas Cook, der mit 178 Jahren älteste Reisekonzern und quasi Erfinder der Pauschalreise ist pleite.  Tourismusexperte Torsten Kirstges erklärt im Interview mit Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin, wie es dazu kam und wie sich die Insolvenz auf die Branche auswirkt. Der kurzfristige Rettungsversuch ist gescheitert, der britische Reiseveranstalter ist insolvent. Der Betrieb ist mit sofortiger Wirkung eingestellt, mit Wetlease-Flugzeugen wurden die gestrandeten Urlauber nach Hause gebracht. Condor führt seinen Betrieb vorerst weiter, sucht aber einen Investor. Die deutschen Thomas Cook-Reiseveranstalter sind verkauft. Thomas Cook ist pleite.

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Sentido Gold Island Side

In Zeiten von „Geiz ist geil“ hat es eine weitere Legende der Touristik erwischt. Unsere Gedanken sind bei allen Mitarbeitern und Angehörigen, die nun um ihre eigene Existenz bangen müssen. Bei allen Menschen, die nun mit jeder Menge unbezahlter Mehrarbeit die Kohlen aus dem Feuer holen müssen. Auch in den Reisebüros und in den Hotels der Gruppe. Wer nun selbst betroffen ist, seinen wohlverdienten Urlaub nicht antreten kann oder nicht wie geplant nach Hause kommt: Atmet tief durch und denkt über die Situation eures Gegenüber nach, bevor ihr ihn beschimpft. Denn der Verlust eines Urlaubs ist deutlich weniger schlimm als der Kampf um die Existenz. Eine Autorin der ZEIT beschreibt das Verhalten einiger deutscher Touristen als Schauspiel, als Theatervorstellung.

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Auch in den Zielgebieten, insbesondere in Spanien, der Türkei und Ägypten, werden viele Menschen in die Thomas-Cook-Pleite hineingezogen. Besonders betroffen davon sind Hotels, Reiseleiter oder Busunternehmen. So standen angeblich etwa 500 Hotels in Spanien vor der Schließung. Alle diese Inhaber und Mitarbeiter fragen sich, wie sie über den Winter kommen. Denn das Aus von Thomas Cook kommt zum Ende der Hauptsaison. Die Gelder des Sommers werden nicht ausgezahlt und das Neugeschäft ist noch in weiter Ferne. Und auch in Mecklenburg-Vorpommern sitzen mehr als 100 Häuser auf unbezahlten Rechnungen für Leistungen aus den Monaten Juli bis September. Einzelne Hotels hätten bis zu 100 000 Euro Außenstände, sagte DEHOGA-Präsident Lars Schwarz.

Mit Wow Air, Germania, BMI Regional, VLM, XL Airways und zuletzt auch Adria Airways und Thomas Cook haben ungewöhnlich viele etablierte Fluggesellschaften dieses Jahr ihren Flugbetrieb einstellen müssen. Das Grounding der britischen Thomas-Cook-Flotte führt nach Erkenntnissen der Analyseplattform Mabrian hochgerechnet auf ein Jahr zum Wegfall von 4,3 Millionen Flugsitzen aus Großbritannien, wenn nicht andere Airlines die Kapazität übernehmen. Am stärksten betroffen sind Spanien mit mehr als 1,2 Millionen Flugsitzen und die Türkei mit 950.000 Plätzen. An dritter Stelle folgt Griechenland mit 610.000 Sitzen, dahinter die USA mit 330.000 Sitzen und Tunesien mit 170.000 Plätzen. Unter den Airports sind Dalaman mit 465.000 Sitzen, Antalya mit 405.000 und Teneriffa Süd mit 329.000 Plätzen am stärksten betroffen. Nach Lanzarote fehlen 215.000 Sitze, nach Palma 212.000, ins tunesische Hammamet 169.000 und nach Orlando in Florida 158.000.

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Hauptprofiteure sind Low Cost Airlines wie RyanairEasyjet und Wizzair sowie im Charterbereich schnell expandierende ausländische Charterairlines wie etwa Corendon, welche auch die Haupttreiber des Wachstums im europäischen Luftfahrtmarkt darstellen.

Gleichzeitig kann das Aus der Nummer 2 der deutschen Reiseveranstalter Aufschwung für die kleineren Tour Operator bedeuten. Nicht nur die TUI, sondern auch die Marken der REWE-Gruppe mit DER Touristik, FTI und Schauinsland haben sich in den letzten Wochen die Hotels in den Zielgebieten sehr genau angeschaut und schnellstmöglich Verträge unterzeichnet. Branchenprimus Tui im kommenden Jahr auf 500.000 neue Kunden. Allein der Duisburger Veranstalter Schauinsland meldete für das auslaufende Geschäftsjahr mit 1,37 Milliarden Euro einen Umsatzanstieg um zwei Prozent. Die Gästezahl kletterte ebenfalls um zwei Prozent auf 1,64 Millionen. Konkurrent Alltours hat sich nach eigenen Angaben bereits einen großen Teil der Hotel- und Bettenkontingente der deutschen Cook-Töchter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin gesichert

Welche Auswirkungen hat die Pleite auf das Reiseverhalten der Deutschen? Laut Ipsos-Umfrage planen 21 Prozent der Pauschalreisenden, ihren Urlaub in Zukunft verstärkt selbst zu organisieren. Sieben Prozent wollen generell weniger ins Ausland verreisen. Jeder Fünfte (21%) ist zwar verunsichert, hat sich aber noch keine konkreten Überlegungen zu künftigen Reisebuchungen gemacht. Unter den Pauschalreisenden, die in den letzten drei Jahren mit einem zum Thomas-Cook-Konzern gehörenden Unternehmen unterwegs waren, ist diese Verunsicherung noch deutlich größer (36%).

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Smartline Tayyarbey Side-Manavgat

Es wird Zeit für eine Einordnung. Es wird Zeit einen der anerkanntesten Experten für Reiseveranstalter zu befragen. Professor Dr. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven sah schon Anfang der 90er Jahre die Marktkonzentration kommen und behauptete, dass bis zum Ende der 90er Jahre nur fünf Reiseveranstalter übrig sein würden.

Prof. Dr. Torsten Kirstges

Professor Kirstges, schon Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrtausends sagten Sie voraus, dass von den großen Reiseveranstaltern nur maximal fünf überleben würden. Jetzt hat Thomas Cook Insolvenz beantragt. Die altehrwürdigen Reiseveranstalter Neckermann, Bucher Reisen & Co stehen vor dem Aus. Hätten Sie gedacht, dass es mal die Nummer 2 in Deutschland, die Nummer 2 in Europa erwischen wird?

Ja, das war fast absehbar, zumindest seit einigen Monaten. Doch bereits unter der Ära Pichler stand Thomas Cook kurz vor der Insolvenz. Seitdem drückt auch der Schuldenberg.

Thomas Cook nahm Bankkredite auf, deren Zinslast das Unternehmen heute nicht mehr stemmen kann. Für die meisten Deutschen sind Neckermann & Co. urdeutsche Reiseveranstalter. Der Name Thomas Cook tauchte erst seit ein paar Jahren auf. Doch vermutlich wissen die wenigsten, dass Thomas Cook und Neckermann ein britisches Unternehmen sind. Können Sie bitte kurz den geschichtlichen Zusammenhang aufzeigen, wann und warum Neckermann Reisen sich in Thomas Cook verwandelt hatte?

Bereits 1991 übernahmen die damalige Airline LTU und die West LB die britische Thomas Cook. Der Pauschalreiseveranstalter wurde bereits 1871 gegründet und gehörte seit 1948 zur British Transport Holding Company. Die West LB, die sich damals stark im Tourismussektor engagierte, übernahm 90%, die restlichen 10% lagen in der Hand der LTU. 1995 übernahm die West LB auch diesen Anteil. Thomas Cook war also eine 100%ige Tochter der West LB. Im Jahre 2001 übernahm die C&N Touristik AG, der Zusammenschluss von Condor und Neckermann, Thomas Cook von der West LB. Gleichzeitig wurde das Unternehmen in Thomas Cook AG umbenannt. Jeweils 50% lagen in den Händen von Lufthansa und KarstadtQuelle. 2007 folgte dann die Umbenennung des KarstadtQuelle Konzerns in Arcandor. Im Juni 2007 fusionierten Arcandor und die britische My Travel plc zur Thomas Cook Group mit Unternehmenssitz in London. Nach der Insolvenz der Arcandor AG im Juni 2009 wurden die Thomas Cook Anteile an der Londoner Börse verkauft. So wurde das eigentlich deutsche Unternehmen zu einem britischen Konzern (siehe Graphiken).

Thomas Cook ging es schon seit ein paar Jahren nicht mehr gut. Woran lag das in ihren Augen?

Der Preiskampf. Die Margen sind schon seit Jahren unter Druck. Die Branche wirbt gerne mit dem Preis, weniger mit der Qualität oder anderen Stärken der Pauschalreise. Die Margen der einzelnen Veranstalter sind niedrig. Und sie sind umso geringer, je austauschbarer das Produkt ist. Wenn ich also vornehmlich klassische Bade-Pauschalreisen anbiete, d.h. Flug, Transfer, Hotel und Verpflegung, dann bin ich sehr austauschbar und deswegen auch sehr gut vergleichbar. Das führt dazu, dass der Preisdruck und damit auch der Margendruck ohne Zweifel sehr stark ist.

Ist der Brexit mit Schuld am Niedergang von Thomas Cook? Können wir Thomas Cook als erstes prominentes Opfer des Brexit bezeichnen?

Ich würde den Brexit nicht als Grund, sondern eher als letzten Sargnagel bezeichnen. Die Unsicherheit im britischen Reisemarkt kommt auch durch die unsicheren Wechselkurse. Das britische Pfund ist ja schwach geworden. Insgesamt hat die größere Unsicherheit auch die Nachfrage auf dem Reisemarkt ein bisschen gedrückt. Hinzu kommt: Nach der Sommersaison müssen die Veranstalter ihre Leistungsträger bezahlen. In dieser Zeit kommen die ganzen Rechnungen und gleichzeitig gibt es relativ wenig neue Buchungen. Denn das Herbst- und Wintergeschäft ist nicht ganz so groß wie das Sommergeschäft. Dadurch schlägt so ein strukturelles Defizit, das über Jahre aufgebaut wurde, jetzt plötzlich sehr stark durch. Die Unsicherheit wegen Brexit oder wegen Wechselkursschwankungen wird dann zum letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Vor ein paar Jahren ist der chinesische Gemischterenkonzern Fosun bei Thomas Cook als größter Aktionär eingestiegen. Warum haben die Chinesen jetzt nicht noch ein paar Euro nachgeschossen, um das Unternehmen zu retten?

Es geht mehr als um ein „paar Euro“. Das Loch wurde monatlich größer. Offensichtlich fehlt es bei Thomas Cook auch an einer soliden Liquiditätsplanung.

Wie sehen Sie die Zukunft der Thomas Cook Gruppe? Wie hoch ist die Möglichkeit einer Zerschlagung oder wie wird der chinesische Fosun-Konzern reagieren?

Ich gehe davon aus, dass die deutsche Thomas Cook insolvent ist und zerschlagen wird. Selbst wenn sie nicht unmittelbar hinabgezogen werden, wird kaum ein Reisebüro und kaum ein Kunde mehr Thomas Cook buchen wollen. Der türkische Tourismuskonzern Anex Tour übernimmt Bucher Reisen & Öger Tours. Condor steht unter einem Schutzschirmverfahren und sucht einen neuen Eigentümer. Die chinesische Fosun-Gruppe wird höchstens noch die Möglichkeit haben, den Namen Thomas Cook auszuschlachten und neu zu definieren. Ob das aber hier in Europa gut ankommen wird, nachdem viele Menschen in England und Deutschland ihre Arbeit verloren haben, ist fraglich.

Thomas Cook hat auch Hotelmarken wie etwa Sentido oder Smart Line Hotels. Was bedeutet die Insolvenz jetzt für diese Marken?

Das kommt auf die Eigentumsverhältnisse an. Marken gehen natürlich mit unter. Völlig eigenständige Gesellschaften (mit Thomas Cook-Minderheitenbeteiligungen wie Aldiana) könnten mit einem blauen Auge davon kommen. Die Marke Smart Line wird verschwinden. Die Hotelmarke Sentido wird von der neuen Nummer zwei im deutschen Markt, der DER Touristik, übernommen und ergänzt dort das Hotelportfolio. Die Reisebüros der Franchisesysteme Thomas Cook Reisebüro und Holidayland oder Neckermann Team dürften berechtigte Existenzängste haben. Die Karstadt-Kaufhof Gruppe wird nur einen Teil der Reisebüros übernehmen können.

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Was deutsche Touristen, Kunden von Thomas Cook Reisen machen müssen, ist derzeit überall zu lesen. Die mit 110 Millionen Euro gesetzlich vorgeschriebene Versicherungssumme reicht bei weitem nicht aus. Auf 347 Millionen Euro schätzt Versicherer Zurich den Schaden durch die Thomas Cook Pleite. Die Bundesrepublik hat die Vorgaben der EU nicht ordentlich umgesetzt. In Österreich beispielsweise hätten die Versicherer mindestens 380 Millionen Euro absichern müssen. In vielen EU-Ländern ist eine Einschränkung der Entschädigung gar nicht vorgesehen. Versicherer Zurich wird bisherigen Meldungen zufolge weniger als 20 Prozent der Entschädigung den Reisenden anbieten können. Welchen Rat haben Sie für die Mitarbeiter in den Reisebüros, den Hotels, beim Reiseveranstalter, die von der Arbeitslosigkeit bedroht sind?

Da kommt guter Rat zu spät: Wer von Geld leben muss, das er von Thomas Cook zu erwarten hat, hat schlechte Karten, da es keine Insolvenzabsicherung gegenüber Leistungsträgern gibt (bei Mitarbeitern ggf. übergangsweise Konkursausfallgeld / Insolvenzgeld o.ä.).

Lieber Professor Kirstges, wir bedanken uns für dieses Gespräch!


Graphiken: (c) Prof. Dr. Torsten Kirstges

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Fotos: Meine Fotos habe ich auf einer Thomas Cook Pressereise nach Side und Alanya gemacht, bei der uns ausgewählte Smart Line und Sentido Hotels präsentiert wurden. Während die Sentido Hotels mich sehr begeistert haben, war ich von der Marke Smart Line eher abgeschreckt. Sie diente eher älteren, einfachen Hotels dazu, sich vor einer längst fälligen Generalrenovierung mit ein paar frischen, bunten Möbeln und neuen Farbanstrichen auf jung und günstig zu trimmen. Dieses Franchisekonzept war allerdings offenbar nicht besonders nachhaltig erfolgreich, da Thomas Cook zu keinem Zeitpunkt die selbst gesetzten und – insbesondere auch uns vor Ort – gross angekündigten Ziele der Verbreitung dieser Marke halten konnte.


Disclosure: Der Autor studierte Mitte der 90er Jahre bei Prof. Dr. Kirstges an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven (damals noch die FH WHV).

Aloe Vera: Grüne Magie aus Spanien

Von außen gibt sie sich ziemlich kratzbürstig. Dafür besticht sie mit ihren inneren Werten: ob als kühlendes Gel, Anti-Aging-Pflege oder ganz pur. Die Aloe Vera Pflanze ist ein vielseitiges Naturwunder und an den schönsten Sonnenplätzen dieser Welt zu Hause. Co-Autorin Anke Sieker besuchte für Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin die Santaverde Aloe Vera Finca.

320 Sonnentage im Jahr, kilometerlange Strände, blaues Meer und andalusisches Lebensgefühl – dort, wo sich Spanien noch von seiner authentischen Seite zeigt und die Costa del Sol (Sonnenküste) Ruhe- und Erholungssuchende anzieht, befindet sich auch der beschauliche Ort Estepona. Der typisch andalusische Küstenort in der Provinz Malaga hat sich in den letzten Jahren mächtig ins Zeug gelegt, seine Altstadt aufzuhübschen, und sein Zentrum, die kleine Plaza de Flores (Blumenplatz), macht seinem Namen alle Ehre. 

Auch die verwinkelten Gassen bieten eine wahre Blütenpracht – denn überall hängen bunte Blumentöpfe vor weißen Wänden, und es laden künstlerische Wandbilder und Kacheln mit poetischen Sprüchen zum Träumen ein. Den Strand säumt eine lange, mit Palmen und riesigen Kakteen bewachsene Promenade, und rund um die Küste bieten rustikale Strandlokale feine mediterrane Küche an.

Hier wollte auch das ruhesuchende Hamburger Paar Sabine und Kurt Beer ursprünglich eigentlich nur Urlaub machen – auf einer idyllischen Finca oberhalb der Küste, mit vielen Tieren als Sommerferien-Entertainment für Tochter Natalie, rundum Orangen-, Zitronen- und Olivenplantagen und einem traumhaften Blick auf Gibraltar und die Hügel des marokkanischen Atlasgebirges

Ein Traum wird wahr: Erst im Kopf, dann real

Dass sich die beiden hier einige Jahre später einen Traum verwirklichen und auf ihrer romantischen Finca Verde ein beachtliches Kosmetik-Unternehmen aufbauen würden, war alles andere als geplant. Allein der Zufall brachte die waschechten Hamburger Kaufleute auf die Idee. „Erst im Kopf und dann real“, erzählt Sabine Beer von den Anfängen von Santaverde vor 31 Jahren. 

Dort, wo andere Urlaub machen, baute sich das Ehepaar Beer auf ihrer Finca ein beachtliches Unternehmen auf

Als sich Kurt Beer entschloss, 1985 die Finca samt Feldern und Landarbeiterwohnung zu kaufen, war Spanien noch nicht Mitglied in der EU, der Ort beschaulich mit nur einer Hauptverkehrsstraße und die Immobilienpreise bezahlbar. „Bei meinem ersten Besuch in Andalusien war ich überwältig vom Duft der Orangenbäume. Es war, als ob die Landschaft parfümiert worden wäre. Heute, viele Jahre später, verzaubert mich noch immer das klare, scharfe Licht des Winters und die flirrende Hitze des Sommers,“ schwärmt Sabine Beer von diesem besonderen Ort.

Blütenpracht am idyllischen Wohnhaus der Beers

Die Idee für ein Aloe Vera Produkt entstand an einem Sonntagabend, „nach einem Abendessen auf der Finca „Villa Oklahoma“ unseres amerikanischen Nachbarn Jim – ein Abend, der unser Leben verändern würde. Nach ein paar Gläsern Wein sprach mich Jim auf meine Haut an – was mir peinlich war, weil ich damals massive Hautprobleme unter einer dicken Make-up-Schicht versteckte.“

Ein „Kaktusblatt“ veränderte ihr Leben

„Prompt marschierte er in seinen Garten, kam mit einem großen „Kaktusblatt“ zurück, drückte mir das stachelige Ding in die Hand und sagte: ‚Sabin, this is Aloe Vera. Cut the leaf into slieces, peel them und put the soft, wet content onto your skin. Twice a day.‘ (‚Sabine, das ist Aloe Vera. Schneide das Blatt in Stücke, entferne die Rinde und trage das weiche, feuchte Fleisch der Pflanze zweimal am Tag auf Deine Haut auf.‘)“, erzählt Sabine von ihrer ersten „Begegnung“ mit Aloe Vera. „Tatsächlich war schon das Gefühl beim Auftragen wunderbar kühl und extrem wohltuend auf meiner entzündeten, trockenen Haut. Nach einer Woche sah meine Haut nicht nur deutlich besser aus, sie fühlte sich auch herrlich geschmeidig an. Meine jahrzehntelangen Hautprobleme schienen gelöst!“ 

Sabine Beer schwärmt von der wohltuenden Wirkung ihrer Aloe Vera Pflanzen

Die einzigartige Wirkung dieser „Wunderpflanze“, die laut Jim in den USA bereits ein „Big business“ , dagegen in Deutschland bis dato eher unterrepräsentiert war, ließ Sabine Beer nicht mehr los. „Wir beschlossen, Jim Marsh 4.000 Pflanzen abzukaufen und eine eigene Aloe Vera Plantage anzulegen. Das war der Anfang…

Auftakt zum Erlebnis-Seminar

… und was daraus geworden ist und wie die heutige Produktion des wertvollen Aloe Vera Safts in Estepona aussieht, davon durften wir uns persönlich bei einem Besuch auf der Finca ein Bild machen. 

Schon die Fahrt auf der oleandergesäumten Landstraße, nur wenige Kilometer oberhalb der Stadt, lässt die ländliche Idylle unseres Ausflugsziel erahnen. Am Gartentor empfangen uns bereits sechs pflichtbewusste respekteinflößende Vierbeiner, die sich jedoch kurze Zeit später harmloser erweisen, als sie scheinen und stattdessen um Streicheleinheiten buhlen.

Autorin Anke Sieker mit einem der ehemaligen Straßenhunde

Beim Sektempfang am Pool mit Panoramablick über die Stadt und das Meer, lernen wir das Unternehmer-Paar Beer und ihr freundliches Team kennen. 

Ehepaar Beer mit Angestellten auf der Finca
Mitarbeiter Anthony erklärt uns den Unterschied zwischen pulverisiertem Aloe Vera Saft…

Wir erfahren von ihren ersten frustrierenden Erfahrungen in der Kosmetik-Branche – wo leider, wie z.B. auch in der Lebensmittel-branche, der Inhalt oft ein anderer ist, als die Verpackung verspricht. Denn wo Aloe Vera draufsteht, ist noch lange nicht Aloe Vera drin. Stattdessen preisen die meisten Konkurrenzfirmen ihre Kosmetika als Aloe Vera Naturkosmetik an, während das Produkt nur 5 g gefriergetrockneten Aloe Vera Saft auf einen Liter Wasser enthält, also völlig wirkungslos ist. 

und dem wertvollen Pflanzenwirksoff Aloeverose – mit der größten Wirkstoffdichte

Fakt ist: Bei der Auswahl von Aloe Vera Produkten sollte Aloe Vera Barbadensis-Blattsaft / Leaf Juice (Wichtig: die einzige Wirkstoffpflanze aus der Gattung der Aloe Vera Pflanzen) die Liste der Inhaltsstoffe anführen. Steht an erster Stelle „Wasser“ oder „Aqua“ handelt es sich nicht um ein frisches Produkt, sondern um ein Konzentrat. „Wir waren entsetzt, als wir davon erfuhren, schließlich wollten wir reine Aloe Vera Produkte herstellen“, erzählt Sabine Beer. Ihr Vorteil: Da das Paar nebenbei in gesicherten Berufen arbeitete, war weder der finanzielle noch der zeitliche Druck groß. „Wir konnten die Sache in Ruhe angehen, unsere Idee langsam und bedacht entwickeln.“

Einzigartige Rezeptur

Tatsächlich wird bei ihren Produkten die komplette Wasserphase durch selbst erzeugten reinen Aloe Vera Direktsaft aus dem frischen Gel und dem wertvollen Pflanzenwirkstoff Aloeverose der Aloe Vera Blätter ersetzt – ergänzt durch weitere pflegende pflanzliche Wirkstoffe. „Denn eine starke Marke hat eine starke DNA“, erklärt Sabine Beer das Santaverde Prinzip

Ihr einzigartiges Rezepturprinzip lautet deshalb:

1.) Ausschließlich reiner Aloe Vera-Pflanzensaft statt Wasser. 

2.) Ein eigener, kontrolliert biologischer Anbau und die Verarbeitung der Pflanzen in Andalusien, wo das perfekte Klima für die Pflanze herrscht. Denn kühle Winter (ohne Frost) und heiße Sommer fördern die Bildung der Vitalstoffe im Inneren der Aloe Pflanzenblätter, wie auch die Leitsubstanz Aloverose – ein Vielfachzucker, der in der Form nur in der Aloe Barbadenis Miller vorkommt und als wichtigster Indikator für die Wirkstofffülle und damit die Qualität der Aloe Vera und ihre positive Wirkung auf die Haut gilt.

Der glibberige Pflanzenwirksoff Aloeverose hat die größte Wirkstoffdichte

3.) Alle Produkte sind 100% vegan, tierleidfrei und Natrue-zertifiziert.

Den Unterschied kann man fühlen! Besonders wohltuend und kühlend wirkt das frische Gel nach zu viel Sonne, bei strapazierter Haut, Insektenstichen und Hautreizungen.

An unserem ersten Tag auf der Finca steht nach der Begrüßung eine Feldbegehung und eine Einführung in den ökologischen Anbau der Aloe Vera Pflanze an. Noch dazu lernen wir mehr zur schonenden Blatternte und dürfen sogar selber Hand anlegen.

Nur die großen Pflanzen kommen für die Ernte infrage

Denn jedes Blatt der rund 1.500 Pflanzen auf dem 2 Hektar großen Feld wird von Hand geerntet – wobei ausschließlich voll entwickelte Blätter von 3-4 Jahre alten Pflanzen geerntet und vorsichtig, mit einem kleinen Messerschnitt am Ansatz des Blattes, von der Mutterpflanze abgelöst werden. Denn nur so kann sich die „Wunde“ wieder verschließen und die Pflanze von selber wieder regenerieren und im Inneren neue Blätter entwickeln. 

Bei der Blatternte wird jedes einzelne Blatt vorsichtig abgelöst

Nicht so einfach, wie wir schnell feststellen. Denn für die vorsichtige Ablösung des stacheligen Blattes sind nicht nur feste Handschuhe gegen die Verletzungsgefahr nötig, sondern auch ein feines Fingerspitzengefühl. Zuerst wird das Blatt an der Wurzel nur leicht angeritzt, anschließend runtergedrückt und dann seitlich, nach hinten rechts weggedreht. Den richtigen Dreh muss man also erstmal drauf haben.

Der Vorteil der Handarbeit: Bei der üblicherweise angewendeten Kohlefiltration bei der Herstellung von Aloe Vera Produkten werden neben dem zu entfernenden Naturstoff Aloin (eine gelbliche Flüssigkeit, die unterhalb des Blattgrüns austritt und stark abführend wirkt) auch viele wichtige Inhaltsstoffe herausgefiltert. Bei der Handarbeit bleibt der größtmögliche Wirkstoffreichtum der Pflanze erhalten. 

Allein auf der Santaverde Farm konnten so im letzten Jahr 100 Tonnen reines Blattgel produziert werden.

Blattverarbeitung im Produktionslabor

Anschließend werden die scharfkantigen Dornen entfernt und das Blatt filetiert

Kommen wir also zur Blattverarbeitung, dem Seminarteil, an dem wir am nächsten Tag im Produktionslabor neben den Feldern teilnehmen dürfen. Auch diesmal können wir mithelfen, jedoch erst nachdem wir von den Kopf bis zu Fuß Schutzkleidung übergezogen haben – denn hier gelten die Lebensmittel-verordnung und strengste Hygiene-vorschriften.

Blick durchs Fenster ins Produktionslabor und bei der Wäsche

Durch die Glasscheibe des Labors beobachten wir zunächst, wie die Blätter von Erdresten befreit und anschließend in einer Spülanlage sorgfältig gewaschen werden.

Im ersten Schritt werden die Blätter sorgfältig gewaschen

Nach dem Abtrennen der dornigen Blattseiten und ca. 2-3 cm des unteren, breiten Blattendes sowie der harten Außenschale wird das weiche innere Blattfilet herausgelöst. Danach wird das Filet nochmals sorgfältig gewaschen und so gründlich von dem gesundheitsschädlichen Aloin befreit.

Anschließend gelangt das gereinigte Blattfilet über eine Rutsche in ein Schnelleinfriergerät, wo das wertvolle Filet bei Minus 40 Grad für die Weiterverarbeitung gelagert wird. 

Bei 6-8 Angestellten pro Tag entstehen so täglich rund 200 bis 500 kg Blattgel.

Ein mühevoller Prozess, der sich lohnt – wie die Qualität der Produkte beweist.

Kein Wunder also, dass sich Santaverde (feierte 2018 sein 30-jähriges Jubiläum) im Laufe der Jahre nicht nur zu einem weltweit angesehen Unternehmen entwickelt hat. Auch ist die Finca inzwischen zu einem beliebten Ausflugsziel naturbegeisterter Reisender geworden. Diese können sich hier kostenlos und umfangreich über den biologischen Anbau, die Ernte und die Verarbeitung der uralten Heilpflanze informieren und, wie wir, durch die gläsernen Wände des modernen Produktionslabors zur Erntezeit von September bis Januar die einzelnen Verarbeitungsschritte mitverfolgen. Wer möchte, kann zudem die hochwertigen Kosmetikprodukte ausprobieren, den gesunden Aloe Vera Saft kosten und ein frisch geerntetes Blatt oder die Produkte vor Ort erwerben. Eine außergewöhnliche Geschenkidee! 

Die Kraft der Aloe Vera 

Aus der „Babypflanze“ wächst eine stattliche „Mutterpflanze“ heran

Schon lange vor uns Europäern wendeten viele Naturvölker Aloe Vera zur Unterstützung der Entschlackung und Regeneration von innen und außen an. Die auf den ersten Blick kakteenähnliche Pflanze gehört zur Familie der Liliengewächse. Sie ist eine Sukkulente, d.h. sie kann in ihren Blättern beachtliche Mengen an Feuchtigkeit und Nährstoffen speichern und kommt somit längere Zeit ohne Wasser oder Erde aus. Diese „Wunderwirklung“ wirkt sich entsprechend auch auf den menschlichen Organismus aus.

Anleitung zum Filetieren des Aloe Vera Blattes 

Sieht einfach aus, erfordert aber geübtes Fingerspitzengefühl
  1. Legen Sie das Blatt flach auf ein Schneidebrett. Schneiden Sie vom unteren, breiten Ende ca. 2-3 cm mit dem Messer ab – dieses Stück wird nicht verwendet. Bei jedem Schnitt des Blattes kann Aloin, eine gelbliche Flüssigkeit, die für die Anwendung nicht geeignet ist, unterhalb des Blattgrüns austreten. Das Aloin können Sie einfach durch Abwaschen der Blattscheiben mit klarem Wasser entfernen oder mit einem Küchenpapier aufnehmen, um Flecken in Kleidung und Handtüchern zu vermeiden. 

2. Schneiden Sie weitere Scheiben für die Anwendung vom Blatt ab (je ca. 1-3 cm). 

3. Entfernen Sie bei allen Blatt-Scheiben die beiden dornigen Außenkanten mit dem Messer (ca. 1 cm). 

4. Teilen Sie, für die äußere Anwendung, die Stücke in der Blatt-Mitte. Auf einer Seite jedes halben Stückes befindet sich die Schale, auf der anderen das reine Gelfilet. Die Schalen-Seite ist zum Halten geeignet, um mit der Gel-Seite Ihre Haut zu behandeln.

5. Für die innere Anwendung entfernen Sie die gesamte grüne Blatthaut und verwenden nur das durchsichtige Blattfilet. Dieses kann entweder pur oder mit Früchten wie Orangen, Zitronen, Banane oder Beeren, als Süßungsmittel Agavendicksaft oder Ahornsirup und Wasser zu einem wohlschmeckenden Smothie gemixt werden. Über die sowohl entgiftende, energetisierende, vitalisierende und zellerneuernde Wirkung dieser wunderbaren Pflanze gibt es eine Vielzahl von Studien. 

Detaillierte Informationen über die Marke, Produkte und Erlebnis-Seminare auf der Finca auf:


Fotos (c): Anke Sieker, Santaverde Finca

Vergesst Venedig!

Nur wenige Kilometer von den überlaufenen Touristenzielen Venedig, Jesolo & Co tut sich eine ganz eigene Welt auf: eine fast unberührte Lagunenlandschaft, die sich am schönsten per Fahrrad oder Boot erkunden lässt und in der Landgasthöfe mit herzlichen Gastgebern zum Schlemmen und Schlummern einladen. Für Le Gourmand – Das Geniesser-Magazin war Gast-Autorin Rozsika Farkas rund um Noventa di Piave unterwegs.

Backen ist Sabrinas Leidenschaft, das bekommen die Gäste beim Frühstück zu schmecken. Die Kuchenauswahl am morgendlichen Buffet – Walnusskuchen, Feigentorte, Torta della nonna, Ricotta-Torte, Apfelkuchen – würde jeder Konditorei zur Ehre gereichen, auch die Brote sind hausgemacht. Dazu gibt es Erlesenes aus handwerklich arbeitenden Käsereien und Metzgereien der näheren Umgebung. Sabrina Vitoli ist auch eine fabelhafte Köchin, das lässt sie einen abends erleben, wenn sie pikante Cannoli mit Kürbisfüllung auftischt und Auberginenlasagne, in Rotwein marinierte Schweinebäckchen und warme Schokotörtchen mit eingelegten Kirschen. 

Zusammen mit ihrem Mann Giorgio Turini führt Sabrina das Settecentoalberi („Siebenhundert Bäume“) in Noventa di Piave in Venezia orientale, dem östlichen Hinterland von Venedig. Dass das gastliche Anwesen unter agriturismo firmiert, ist eine schamlose Untertreibung – der Begriff ist die Entsprechung zu unserem „Urlaub auf dem Bauernhof“. Landsitz träfe es schon eher, die fünf Gästezimmer sind komfortabel und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet, im Frühstücks- und Speiseraum fühlt man sich eher wie in einem großzügig dimensionierten Wohnzimmer – oder besser: einem Salon – bei Freunden. Ein weitläufiger Park umgibt das Haus, und vieles, was Sabrina auftischt, stammt aus eigenem Anbau. 

Das Settecentoalberi ist keineswegs die einzige Wohlfühladresse in Venezia orientale. Die Gegend ist Sitz einiger äußerst angenehmer Landgasthöfe, von denen aus sich die Lagunenlandschaft erforschen lässt. Mehr feudal als rustikal residiert es sich etwa in der Casa dei Racconti, wo sechs individuell ausstaffierte Zimmer, ein weitläufiger Garten samt Pool sowie ein Restaurant, das die typischen Gerichte der Region anbietet, die Gäste empfangen. Das Motto des Restaurants lautet kilometro zero, „null Kilometer“; gemeint ist damit, dass die Küche nur Produkte aus dem allerengsten Umkreis verarbeitet.

Weiße Polenta mit Garnelen

Dazu gehört zum Beispiel die weiße Polenta aus der raren Maissorte Biancoperla, die praktisch nur noch in ein paar Winkeln des Veneto angebaut wird und von Slowfood zu den schützenswerten Schätzen der norditalienischen Landwirtschaft gezählt wird. Hausherr Gianni Pasin beschäftigt sich eingehend mit solchen kulinarischen Kostbarkeiten. Es ist ihm ein, wie er sagt, ethisches Anliegen, Biodiversität zu fördern und altes Saatgut zu erhalten. Im Moment hat es ihm eine bestimmte Bohnensorte angetan, die Mame Gialle, auch sie eine vom Verschwinden bedrohte Spezies. Dass es sich – auch in kulinarischer Hinsicht – unbedingt lohnt, sie zu erhalten, beweist die köstlich-deftige Bohnensuppe, die Gianni in seinem Restaurant servieren lässt.

Im Zimmerpreis ist – sowohl in der Casa dei Racconti wie im Settecentoalberi – nicht nur das fabelhafte Frühstück, sondern auch die Nutzung der Fahrräder enthalten. Denn die Landschaft hinter der Lagunenstadt eignet sich wie kaum eine andere in Italien dazu, mit dem Fahrrad erkundet zu werden. Reizvoll, verträumt und abwechslungsreich, von Kanälen und mäandernden kleinen Wasserläufen durchzogen, dabei topfeben, bietet sie fernab von Autoverkehr idyllische Panoramen, nur unterbrochen durch lohnende Einkehrmöglichkeiten. Eine davon ist der Agriturismo La Barena, wo deftige Fleischgerichte und Fisch aus der nahen Lagune auf den Tisch kommen. La Barena ist nur 12 Kilometer von Jesolo entfernt, und dennoch wirkt der Ort, als sei er völlig der Welt entrückt. 

Oder man radelt zum Bioweingut Tessère, das ebenfalls über einen in feinstem Landhausstil ausstaffierten Agriturismo verfügt, und besucht dort Winzerin Emanuela Bincoletto und ihre Mitarbeiterinnen – der Betrieb ist fest in weiblichen Händen. Wer mag, kann dort lernen, wie man leckere Gebäckkringel oder andere Rezepte aus der cucina della nonna („Omas Küche“) zubereitet, oder sich in der Kunst des Mosaiks unterweisen lassen.

Emanuela Bincoletto
Raboso

Was man aber keinesfalls versäumen darf, ist eine Weinverkostung. Denn hier gibt es den Raboso, und Emanuela Bincoletto ist die unbestrittene Nummer Eins, die Königin des Raboso. Die Trauben mit der fast schwarzblauen Haut und dem hohen Säure- und Gerbstoffgehalt werden ausschließlich hier in Venezia orientale und in Treviso kultiviert. Damit die daraus entstehenden Weine nicht rustikal und kantig ausfallen, benötigten sie Zeit, und die lässt Emanuela ihnen. Der wunderbare, zwiebelschalengoldene Spumante Redentore („Befreier“) durfte acht Jahre auf der Hefe reifen, der aktuell gehandelte Jahrgang ist 2010. Er duftet würzig, ein wenig salzig, ist kraftvoll und gleichzeitig harmonisch-fein, mit appetitlich-frischer Säure – ein faszinierender Schaumwein, der sich nicht nur als Aperitif, sondern mehr noch als Essensbegleiter eignet. Auch kräftigen trockenen Roten und sogar edlen Süßwein gewinnt Emanuela aus dem Raboso.

Das Fahrrad ist aber nur eins von zwei idealen Fortbewegungsmitteln – das andere ist das Boot. Mit Elektrobooten, auf denen sechs Personen bequem Platz finden, lässt es sich gemächlich und geräuschlos den Piave entlangschippern. Von der Mitte des Flusses aus bieten sich traumhafte, ungewohnte Einblicke in eine unberührt erscheinende Landschaft – Romantik pur! Als Anlegestelle für einen Zwischenhalt zu empfehlen ist die Schokoladenmanufaktur Cioccolateria veneziana in San Donà di Piave, wo es neben feinsten Pralinen auch bestes Speiseeis zu naschen gibt, bevor es weiter mit dem Boot durch die Lagunenlandschaft mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Vögeln geht. Wen nach so viel Naturerlebnis die Lust auf einen Stadtspaziergang überkommt, der findet im idyllischen mittelalterlichen Städtchen Portogruaro ein lohnendes Ausflugsziel.

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(c) Fotos: Rozsika Farkas und Susanne Wess