Steigenberger: André Witschi geht – hat sich die ägyptische Travco verspekuliert?

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Der Abgang des Schweizer Hotelmanagers nach noch nicht einmal ganz zwei Jahren bei Steigenberger kommt nicht ganz überraschend. André Witschi war Anfang 2008 zum Vorstandsvorsitzenden der Steigenberger Hotels AG berufen worden. Zu seinen Verdiensten zählt die Konzeption und schrittweise Implementierung der Unternehmensstrategie 2013+, in deren Mittelpunkt die Ziele Expansion, Ertragssteigerung sowie die Qualitätsführerschaft der Marken Steigenberger Hotels and Resorts und InterCityHotel stehen. Außerdem kann es als „Erfolg“ Witschis betrachtet werden, dass fast alle renommierten „Grandes Dames“ der deutschen Hotellerie, die einmal den Ruf der Steigenberger Gruppe ausgemacht haben, mittlerweile abgestossen wurden.

So ist es also es ein Abschied auf Raten. Zuerst vom bisherigen Image, das Steigenberger hatte. Und nach dem Einstieg der ägyptischen Travco Group auch von André Witschi selbst. Immobilie nach Immobilie hat die Hotelgesellschaft und somit auch die Familie Steigenberger zuerst abgestossen. Badischer Hof Baden-Baden, Bad-Hotel zum Hirsch Baden-Baden, Grand Hotel Axelmannstein Bad Reichenhall, das Steigenberger Resort auf Rügen, das Hotel Therme Meran, zuletzt das stark renovierungsbedürftige Drei Mohren Hotel in Augsburg. Bis zu 30 Mio. Euro wollte Steigenberger hier nicht mehr investieren. Der Europäische Hof in Baden-Baden hingegen bleibt (vorerst?) bei der Gruppe. Mit dem Erbe des Gründers Albert Steigenberger konnten oder wollten die Enkel nicht mehr umgehen.

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Steigenberger Axelmannstein_1558Witschi hatte nach seinem Abgang von Accor Hotels Mitte 2007, wo er seit 2003 ebenfalls Vorstandsvorsitzender war, Anfang 2008 bei Steigenberger angeheuert. Damals wurde der Vorstandssprecher Karl Anton Schattmaier zum Stellvertreter Witschis degradiert, verließ aber verständlicherweise kurz darauf das Hotelunternehmen. Bis zur Berufung eines neuen Steigenberger Vorstandsvorsitzenden werden Witschis Resorts – Unternehmensentwicklung, Operations aller Hotels, Marketing und Vertrieb, Human Resources sowie Unternehmenskommunikation – kommissarisch von Finanzvorstand Matthias Heck übernommen. Nach Informationen von hospitalityInnside steht trotz bisheriger Dementis der Nachfolger bereits fest: der Franzose Michel Novatin.

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Warum der Travco Group Inhaber und neue Steigenberger-Besitzer El Chiaty, der sich von Anfang an nicht vorbehaltlos hinter die damalige Führung des Konzerns gestellt hatte, den ausgewiesenen Hotelexperten Witschi loswerden will? Darüber kann nur spekuliert werden. Angeblich wollte er schon nach kurzer Zeit „schwarze Zahlen“ sehen – und das zu Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise. Außerdem, so bemerkt hospitalityInnside süffisant, „hätte er die Steigenberger-Bilanzen vor dem Kauf vielleicht sorgfältiger lesen sollen“: Im Jahr 2008 konnte die Steigenberger AG nur einen Jahresüberschuss von 200.000 Euro verbuchen. Hat sich also die ägyptische Travco verspekuliert? Ist ein Return on Investment nicht so schnell wie erwartet in Sicht? Oder steht die Gruppe bald wieder auf dem Verkaufszettel? Ich freue mich hier über Antworten von Angelika Heyer…

Was wird aus der deutschen Grand Hotel Tradition?
Nachdem Kempinski in thailändischer und Steigenberger in ägyptischer Hand ist, gibt es eigentlich keine große deutsche Grand Hotel Gruppe mehr. Auch wenn Althoff hier ein potentieller Anwärter ist, so fehlt hier doch noch die Markenbekanntheit. Was also wird aus der deutschen Grand Hotellerie? Einer Tradition, auf die deutsche Hoteliers einmal stolz waren. Wird der ganze Markt den amerikanischen, einem französischen und ein paar spanischen Konzernen überlassen? Oder ist alles eh nur noch in der Hand von Investmentfirmen? Ich sehe hier leider etwas zugrunde gehen.

Quellen:
Mobilitätsmanager
Geschäftsreisekontakt
Travel Inside
Travel One
Hospitality Inside

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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