Marcellinos: Was ist Dichtung, was ist Wahrheit?

Marcellinos - Foto von Dirk BaranekEinen ungeschminkten und brutal ehrlichen Einblick in die Art und Weise, wie einer der größten und bekanntesten Restaurantführer Deutschlands seine Bücher erstellt, gibt uns heute das Feinschmeckerblog. Dirk Baranek, der u.a. auch für die Stuttgarter Zeitung und das Portal Restaurant-Kritik.de schreibt, war von Mai 2006 bis April 2008 für den Marcellinos Verlag tätig und hat für die Stuttgarter Ausgabe die Restaurantkritiken geschrieben.

Doch nach ein paar negativen Erlebnissen in jüngster Zeit rechnet der Journalist nun mit seinem ehemaligen Brötchengeber ab. Er beschreibt, wie die Ergebnisse zustande kommen. Schonungslos offenbart er, wie er selbst – nicht gerade vorbildlich – im Auftrag des Verlages Kritiken erdacht hat. Er ist, nach eigenen Angaben, zwar bei der Bewertung von Restaurants, die er nicht besucht hat, „fair“ geblieben. Doch: bei der ganzen Gestaltung kommt schon ein „Geschmäckle“ auf. Mir drängt sich beim Lesen dieser Abrechnung der Gedanke auf: Vergesst Marcellinos, nutzt Qype.

Denn diese Bewertungsseite ist bestes Web 2.0 im Sinne des Nutzers: User Generated Content: die Nutzer schreiben wirklich hin, wo sie waren. Oder eben nicht. Qype stellt maximal die Adressen ein und lebt davon, dass die Unternehmen dort Anzeigen schalten. Aber Kritiken kann jeder schreiben – und loben oder verreissen. Nur justitiable Kommentare werden gebeten zu entfernen (so erging es mir jüngst).

Doch der Bericht über Marcellinos und den Wahrheitsgehalt dieser Restaurantführer treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Dann vertraue ich doch lieber auf die schonungslosen Abrechnungen im Gault-Millau, die kommentarfreien Sterne im Michelin – oder eben auf Qype. Doch den Marcellinos schlage ich jetzt nur noch als Adressbuch auf.

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