Frankenweine: Mal schräg und komplett anders

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Notizen bei Weinverkostungen: schnell geschrieben, abgelegt, verlegt… und heute wieder gefunden. Doch offensichtlich keine Bilder dazu geschossen. Es war einfach zu lecker, zu interessant, zu abwechslungsreich an dem Abend, als wir zusammensassen. Eine kleine Künstlerschar, nein vielmehr: Journalisten, Gastronomen und Winzer. Das Motto des Abends: Schräge Weine – Franken mal anders. Frankenwein und Culinarium Bavaricum, eine kleine Vermarktungsagentur, präsentierten Weine, die für die Weinregion absolut untypische Vertreter sind.

Alle Weine waren durch selektive Handlese geernet worden. Es fuhr also kein Winzer mit dem Vollernter durch seinen Wingert. Pure Handarbeit. Wir verkosteten die folgenden durchweg sehr exzellenten Weine. Ob diese Weine im Handel oder beim Winzer direkt noch erhältlich sind, kann ich Euch nicht zusichern (eher nicht). Es war ein schöner Einblick, an dem ich Euch im Nachhinein gern teilhaben lassen möchte.

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  • 2011 Sommeracher Katzenkopf Silvaner Spätlese Supremus, Winzer Sommerach:
    – Genossenschaftswein
    – Maischegärung im 900 Liter Fass
    – 5 Tage auf der Maische gestanden
    – Wilde und Reinzuchthefen
    – langes Hefelager
    – 1/3 der Trauben entrappt und im grossen Tonneau vergoren, 2/3 im Stahltank vergoren
    – 5,7g Säure, 5,6g Restzucker, 13,5% Alc
    – macht sehr viel Spaß, sehr wuchtig.
  • 2011 Sister Act Riesling Fassprobe, Weingut Wirsching:
    – Lage Julius-Echter-Berg
    – Großes Holzfaß, Gärung im Doppelstück 2.400 Liter, Dauer 4-5 Wochen
    – Spontangärung
    – 30-40 Jahre alte Reben
    – kein typischer Franke, ähnelt eher Rheingau/Pfalz/Mosel
    – tolles Potential, ein Granatenwein…
    – sehr schöner straffer Riesling
    – zieht seine Kraft aus den Kemperböden
  • 2011 Marsberg R Randersacker Riesling, Weingut Bürgerspital:
    – dekantiert serviert
    – kurze Maischestandzeit, nur 2-3 Stunden
    – temperaturgesteuerte Gärung
    – Batonnage bis Ende Mai
    – Muschelkalk-Boden
    – ein extrem toller, sehr trockener Wein mit schöner Mineralität – ein typischer Riesling
  • 2011 Teufelskeller R Randersacker Riesling, Weingut Bürgerspital:
    – kurze Maischestandzeit, nur ein paar Stunden
    – temperaturgesteuerte Gärung
    – Lehm-Löß-Boden
    – ebenfalls ein wunderbarer Riesling, auch sehr trocken, aber sehr anders als der Wein zuvor, ebenfalls tolle Mineralität
  • 2011 Sauvingnon Blanc, Weingut Weltner:
    – der Winzer Paul Seltner war an dem Abend ebenfalls anwesend, erzählte etwas zu seinem Wein
    – Sauvignon Blanc hieß früher Muskatsilvaner, dies ist eigentlich der klassische alte Name
    – schöne Mineralität, geht in Richtung Sancerre
    – Reben 2001 gesetzt, ca. 0,5ha, seit 2005 erste Trauben
    – er verzichtet auf zuviel Frucht, dafür bekommt der Wein mehr Tiefe
    – ein Sauvignon, der weit weg von den fruchtbetonten modernen Sauvingnons ist.
    – ganz eigene Stilistik, toller Wein
  • 2005 10. Aprilis Anno 1659, Fürstlich Castell’sches Domänenamt Magnum:
    – Vergärung im Holzfass
    – neues und gebrauchtes Barrique
    – langes Hefelager
    – reifer, 7 Jahre alter Wein
    – 12. Jahrgang dieses Weins
    – eigentlich ein Experiment: Cuvée von 3 Silvanern von Castell
    – 14% Alc., 1,6g Restzucker, 4,5g Säure
    – nicht wirklich mein Ding…
  • 2010 Klingenberger Portugieser „R“, Weingut Stadt Klingenberg:
    – Spontanvergärung
    – im Barrique ausgebaut
    – unfiltriert
    – über 50 Jahre alte Rebstöcke
    – Portugieser fristet Mauerblümchendasein in Deutschland
    – dunkle, würzige Weine, infiltriert
    – Buntsandstein
    – sehr elegante Weine mit toller Kraft, harmonisch ausgebaut
    – Bouquet nach Zedernholz
    – Restzucker 0, 5,2% Säure, 13% Alc.
  • 2010 Klingenberger Spätburgunder „R“, Weingut Stadt Klingenberg:
    – Spontanvergärung
    – im Barrique ausgebaut
    – unfiltriert
    – ein besonderer Jahrgang mit viel Regen in der Gegend, dadurch Probleme im Weinberg
    – dennoch gelang ein wunderschöner, weicher Wein
    – Bouquet nach Kaffee, Waldfrüchten
    – kaum Depot – noch. Wird aber wohl noch kommen
    – ein sehr säurebetontes, kühles Jahr

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Herzlichen Dank an die Organisatoren für diesen wunderschönen Abend in lauschiger Runde. Es war wirklich ein Abend, der sehr viel Aufschluss gegeben hat darüber, dass Frankenweine eben nicht alle gleich sind und diese wunderschöne Weinregion mehr als Silvaner und Riesling zu bieten hat.

Und so mancher liebe Mitmensch, der an diesem Abend dabei war, bleibt unvergessen

Die Fotos stammen vom Bayerischen Genussfestival 2012 auf dem Odeonsplatz, München.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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