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Kein Bett für Extremisten – Wackelt unser demokratisches Verständnis?

Ist es schon wieder soweit? Sind wir auf dem Weg zu einer Gesinnungsdiktatur? Heute meldete die Fachzeitschrift Tophotel, dass es erlaubt sei, wenn der Hoteldirektor kein Bett für Rechtsextreme hat. Im konkreten Fall behielt Heinz Baumeister, Direktor des Hotels Esplanade Resort & Spa Bad Saarow, mit seiner mutigen Entscheidung recht, dem NPD-Chef Udo Voigt ein Bett zu verweigern. Eine entsprechende Klage wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechtes wurde heute vom Landgericht Frankfurt/Oder abgewiesen. Tophotel nennt das einen „Sieg für die weltoffene Hotellerie“. Aber ist das nicht eher ein Pyrrhussieg? Bedeutet die Konsequenz aus diesem Urteil denn nicht auch, dass jeder Hoteldirektor jedem Extremisten – oder wen er für einen Extremisten hält – den Aufenthalt verweigern kann? Also je nach Gutdünken und Einstellung des Hoteldirektors gibt es künftig kein Bett für extreme Linke, Juden, Muslims oder Katholiken? Kein Bett für den Papst, weil der Hoteldirektor evangelisch ist? Was denkt Ihr?

Ja, die Hotellerie ist weltoffen, tolerant und multinational. Das liebe ich auch so am Tourismus insgesamt. Die kulturelle Vielfalt, das Miteinander vieler Mentalitäten und Charaktere ist wahnsinnig toll. Und ja, der Hoteldirektor hat das Hausrecht. Ähnlich wie der Kapitän auf seinem Schiff. Wer sich nicht anständig benimmt, der fliegt. Wobei: wenn Rockstars das Mobiliar zertrümmern, dann ist das erwünscht, denn dann steht das Hotel in der Presse. Und der Schaden wird eh vom Bandmanagement beglichen.

Doch werden in Hotels die Betten demnächst nach Gesinnung, Parteibuch vergeben? Wo kommen wir dann hin? Kein Bett mehr für Gewaltverherrlicher, die z.B. laut B.Z. meine Heimatstadt Berlin kaputt machen? Also kein Bett mehr für Renate Künast, Joschka Fischer oder Gregor Gysi weil der Hoteldirektor schwarz oder gelb wählt? Aber wo bleibt dann unsere Demokratie? Der Respekt vor der Meinung Andersdenkender? Meinem preussischen Toleranzprinzip, das ich als Berliner habe, widerspricht das. Jeder solle nach seiner Façon glücklich werden, hat schon der Alte Fritz gesagt.

Sind wir also wieder soweit, dass es gestattet ist, ein Schild mit „Juden raus!“ ans Hotel zu hängen? In Ägypten ist das für den – angeblich so toleranten – Marriott Konzern vor drei Jahren ok gewesen (ich berichtete hier darüber). In Deutschland sind es nicht die Juden – aber die Rechten. Und evtl. bald die Muslims? In diesen Tagen wurden in einigen deutschen Städten Brandsätze auf Studentenwohnheime geworfen. Das ist versuchter Mord!

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Ich bin absolut kein Freund von Extremisten, weder von rechts noch von links. Jeder, der Gewalt gegen andere Menschen oder Sachen, Eigentum wie Häuser oder Autos ausübt, solle von Polizei und Justiz rechtmässig bestraft werden. Ich kann auch verstehen, dass kein Hotel in der Presse lesen möchte, dass irgendeine Neonazi-Größe in diesem Haus gastierte. Doch gehört es nicht auch zum Toleranzprinzip dazu, diesen Menschen zuzugestehen, dass sie eine Privatsphäre haben? Und privat mal einen Wellnessurlaub machen möchten? Ich habe vollstes Verständnis für den Hotelier, der sich weigert eine NPD-, DVU-, Republikaner- oder Linke-Parteiveranstaltung in seinem Haus zu haben. Das ist in meinen Augen etwas ganz anderes. Doch im konkreten Fall ging es ja um einen Privatbesuch, der verhindert wurde.

Wackelt unser demokratisches, tolerantes Verständnis? Sind wir auf dem besten Weg zu einer „politisch korrekten“ Gesinnungsdiktatur?

Denn hätte ich selbst ein Hotel – und würde ich nur Gäste zulassen, die meiner eigenen politischen Gesinnung entsprächen oder gar mein Parteibuch haben… – das Hotel wäre verdammt leer. Und meinen Noch-Parteivorsitzenden, den lieben Guido W., mag ich eh nicht…

Ich freue mich über Eure Meinungen!

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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