Rettet die Berliner Weisse! Berliner will Original-Traditionsgetränk brauen

Rot oder Grün – oder ganz pur? Früher wurde die Berliner Weiße gern „mit Strippe“ getrunken, mit einem Korn. Diese harte Version ist schon lange ausser Mode. Und auch pur ist nicht jedermanns Sache. Mit Himbeer- oder Waldmeistersirup sind die beliebtesten Sorten, wie Berliner Weiße getrunken wird. Doch leider sehe ich mittlerweile viel zu häufig fertig gemischte Dosen. Bah! Früher gab es in Berlin wenigstens noch Konkurrenz unter den Bierbrauern. Schultheiss genörte zur Dortmunder-Union-Schultheiss-Brauerei, Berliner Kindl zu Dr. Oetker. Seit einigen Jahren ist alles nur noch Dr. Oetker. Der Berliner Brauereimarkt ist ein Monopol, mal abgesehen von den paar kleinen Gasthausbraureien, die einen richtig leckeren Stoff brauen. Doch Berliner Weiße? Ausser der Brühe von Dr. Oetker – Fehlanzeige! Kürzlich fand ich einen Artikel, der mir diese prekäre Lage noch wesentlich deutlicher vor Augen führte, als ich es bisher befürchtete. „Berliner Weiße – Rettung eines Bieres“ schreibt Andreas Bogk auf inkubato.com.

Andreas Bogk will die Berliner Weiße wieder auf den Markt bringen. Er will sie selbst brauen. Und für sein Projekt hat er bereits 15.521 € von diversen Investoren zusammen bekommen. Doch bei diesem Projekt braucht er natürlich noch einige Finanzmittel mehr. Und bestimmt auch mehr Unterstützung. Das Projekt läuft noch bis 13.09.2012.

Was mich total überraschte, ist, dass Dr. Oetker bzw. die zur Radeberger-Gruppe gehörende Berliner Kindl-Weisse längst nicht mehr nach dem Originalrezept gebraut wird. Andreas Bogk schreibt:

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„Und bedauerlicherweise hat damit genau die Berliner Weiße überlebt, die nicht mehr nach dem traditionellen Verfahren hergestellt wird. Die klassische Berliner Weiße entsteht in einem Verfahren, bei dem Milchsäurebakterien und obergärige Bierhefen in einer Mischgärung sowohl die sortentypische angenehme Säure als auch Alkohol produzieren. Das Bier kam lebendig in die Flasche, wo es durch Flaschengärung und unter Beteiligung der „Faßhefe“ Brettanomyces sein typisches Aromabukett entwickelte. All dies ist bei der Kindl-Weißen nicht mehr der Fall, diese wird in getrennten Tanks mit Reinkulturen produziert, und auch ohne Einsatz der Brettanomyces. Dadurch steigt die Reproduzierbarkeit des Ergebnisses, aber es sinkt der Geschmack – ein typisches Industriebier eben.“

Ich finde das Projekt super und hoffe, dass Andreas Bogk genügend Investoren findet, um eine richtige originale Berliner Weiße im großen Stil zu brauen, wie ich sie auch noch kenne. Und ich hoffe, dass ich dann eine leckere Flasche davon abbekomme.

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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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