Apulien: Romantische Geniesserreise zwischen Bari und Matera

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Drei Tage für Kultur und Kulinarik – das reicht nie! Stimmt. Trotzdem! Wenigstens für einen Augenblick will unsere Autorin Andrea Gerum dem Münchner Schmuddel-Wetter entfliehen, neue kulturelle Pfade entdecken und kulinarischen Verlockungen erliegen. Und zwar Allen! Das reicht vollkommen, zumindest für einen ersten Eindruck. Apulien: tief im Südosten Italiens liegt eine Region wie aus einem Märchenbuch. Das Land der „Trulli“ – putzige runde Häuser, die an Hobbit-Filme und Zwergen-Behausungen erinnern. Als Kontrastprogramm können unzählige Schlösser, Burgen und Kathedralen spannende Geschichten erzählen. Im Landesinneren breiten sich sanftes Hügelland und endlose Olivenhaine aus. Die Küste säumt feinsandig goldener Strand, geschmückt von kleinen Fischerdörfern und quirligen Städten voll mediterranem Leben. Apulien untergliedert sich in sechs Provinzen: Bari, die Hauptstadt, sowie Foggia, Lecce, Taranto, Brindisi und Barletta-Andria-Trani.

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Apulien Tag eins: Bari und Pasta. Basta!

Wir starten in Bari. Hauptstadt der Region Apulien und nach Neapel zweitgrößte Stadt Süditaliens. Eine lebendige Hafenstadt mit rund 322.000 Einwohnern und wichtigen Fährverbindungen u.a. nach Dubrovnik, Patras und Korfu.

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München – Bari trennen nur rund 1,5 Flugstunden und so landen wir bereits am frühen Vormittag am Flughafen „Karol Wojtyla“. Von dort bringt uns ein Zug der „Ferrotramviaria“ direkt zum Hauptbahnhof.

Gerum Andrea Apulien Bari Genussreise 2014 003Nach kurzem Hotel Check-In stürzen wir uns sofort in den geballten Kulturtourismus. Alle wichtigen Bauwerke wie die Basilica San Nicola, die Kathedrale San Sabino, das Schloss Normanno-Svevo und das Theater Petruzzelli – ein prächtiger alter Palazzo – befinden sich in der quirligen Altstadt und sind zu Fuß leicht erreichbar.
Wir schlendern durch schmale Gassen, werfen verstohlene Blicke in blumengeschmückte Innenhöfe und staunen: Praktisch an jeder Ecke stößt man auf Historie – Kirchen und Klöster, direkt neben kleinen Läden, Bäckereien, Espressobars, alles fließt ineinander über, wild und bunt, typisch süditalienisch.

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Doch nicht nur Kirchen– sondern auch Küchenkunst findet sich überreichlich an praktisch jeder Ecke.

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Wer maritimes Flair mit ausgezeichneten regionalen Gerichten verbinden möchte, sollte mittags auf der Terrasse des Restaurants und gleichnamigen Segelclubs „Circolo della Vela“ speisen – schickes Ambiente und doch leger.

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Wir sitzen am kleinen Yachthafen und blicken bereits nach wenigen Minuten tiefenentspannt auf die gleichmäßig vor sich hinschaukelnden Boote. Der leichte Wind lässt Fahnen und Servietten flattern – München ist weit weg. Buon Giorno Bari!

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Zurück in der Altstadt wollen wir sofort nach Bari Vecchia, denn dieser Stadtteil ist berühmt für DIE Bari-Spezialität schlechthin – der Orecchiette, was übersetzt „Öhrchen“ bedeutet, da die ungefähr zwei Zentimeter kleinen Nudeln in ihrer Form stark an eine Ohrmuschel erinnern.

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Vornehmlich ältere Damen, die optisch mühelos das Klischee der italienischen „La Mamma“ erfüllen, sitzen vor ihren Wohnungen und stellen in mühevoller Handarbeit frischen Pastateig, ausschließlich aus Wasser, Salz und „semola di grano duro“ (Hartweizengries), her.

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Unzählige „Öhrchen“ werden geformt, auf langen Holztischen direkt vor der Haustüre zum Trocknen ausgelegt und verkauft. Keine Folklore für Touristen, sondern echte Tradition – auch Einheimische und Restaurantbesitzer decken sich hier mit ihrer Lieblingspasta ein. Traditionell werden Orecchiette nicht nur in Bari, sondern in ganz Apulien gegessen und am liebsten mit einer schlichten Tomatensauce oder „Cime di Rape“ zubereitet, einer dem Broccoli verwandten Kohlart. Unbedingt probieren!

Mit Küche und Kunst im steten Wechsel geht es in den Abendstunden noch zu einem kurzen Ausflug nach Bintonto. In der historischen Altstadt, die auch Bischofssitz war, befindet sich die Kathedrale San Valentino. Erbaut zwischen 1175 und 1200 zählt diese zu den schönsten romanischen Kirchenbauten Apuliens.
Längst haben wir keinen Hunger mehr, da dies aber in Italien nie als Begründung akzeptiert wird, tafeln wir tapfer bis weit in die Nacht hinein, probieren eine Fülle an köstlichen Gemüsegerichten und Pizzavarianten in einem lauschigen Hinterhof–Ristorante bei Bari: Giovinazzo. Apulien, ich mag dich mit jeder Stunde mehr. Puglia, ti amp!

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Apulien Tag zwei: Von Grafen, grünem Gold und geheimnisvollen Schlössern

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Heute besuchen wir eine typische „Azienda Agricola“ mit Ölivenöl- und Weinproduktion bei Andria, etwa 60 km von Bari entfernt. Das Landgut aus dem 16. Jahrhundert befindet sich seit mehr als 350 Jahren in Besitz der Familie des Conte Spagnoletti Zeuli und neben 120 Hektar Weinbergen kultiviert der Graf über 200 Hektar Olivenhaine, die das berühmte Olivenöl der DOP Region Terra di Bari liefern.

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Der Weg dahin führt uns durch eine nicht enden wollende Landschaft aus Olivenbäumen. Mit 53 Olivensorten, 1.400 Ölmühlen und sechzig Millionen Olivenbäumen auf einer Gesamtfläche von 360.000 Hektar gehört Apulien zu den wichtigsten Anbauregionen und deckt 44 % der italienischen Olivenölproduktion.

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Dunkelgrüne Feigenbäume, an denen dicke, reife Früchte baumeln, säumen den Weg zur Azienda. Kaum angekommen strecken uns knorrige Olivenbäume ihre silbernen Äste zur Begrüßung entgegen. Jasminbüsche voll üppig weißer Blütenzweige schmiegen sich an Hausmauern und verströmen betörend süßen Duft. Graf und Gräfin lassen sich entschuldigen, stellen uns aber immerhin ihr Personal zur Verfügung.

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Nach geführter Ölmühlen- und Weinkellerbesichtigung probieren wir das gräfliche Olivenöl zusammen mit Spezialitäten aus der Region wie Andria Burrata, eine Art Mozarella nur viel cremiger und mit dickflüssig-sahnigem Kern, ein Frischkäse der bereits nach einem Bissen süchtig macht.

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Prall gefüllte Schüsseln voll verschiedener Orecchiette-Zubereitungen munden perfekt zu den ausdruckstarken Rotweinen Aglianico und Nero di Troja, einer autochthonen Rebsorte, die mit einer Rebfläche von rund 2.000 Hektar fast nur noch in Apulien angebaut wird und eine besondere Leidenschaft des Conte Spagnoletti Zeuli ist.

Fazit: Apulien schmeckt köstlich und hat erhebliches Hüftgoldpotential.

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Andria – Castel del Monte

Satt und rund wie Orecchiette machen wir uns im Anschluss auf, das sagenumwobene Castel del Monte zu entdecken.
Apulien ist sprichwörtlich übersät mit Burgen, Schlössern und Festungen. Unterschiedlichste Völker haben hier ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Viele Bauwerke entstanden unter dem Kaiser Friedrich II. – zu Zeiten als selbst der Südzipfel Italiens Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. Besonders in den Städten Barletta, Andria und Trani stößt man überall auf Spuren aus dieser Epoche. Um alle Städte zu besichtigen reicht die Zeit nicht, deshalb entscheiden wir uns für das wohl bekannteste Bauwerk aus der Zeit des Staufer-Kaisers: das berühmte Castel del Monte.

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Nur 15 km von Andria entfernt thront das imposante Castel auf einem Hügel, 540 Meter über dem Meeresspiegel. Ringsherum breitet sich karstartige Landschaft aus. Gelbe Weideflecken, karge braune Felder, durchbrochen vom Immergrün der Mastixstäucher. Bis in den Frühsommer hinein lockern üppige Blütenteppiche mit satten Farben die herbe Landschaft auf. Das Schloss gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Architekturdenkmälern Süditaliens. 1240 bis 1250 erbaut und vermutlich nie ganz vollendet, existieren wilde Legenden über dieses spektakuläre Bauwerk. Ob Meditationsstätte, Ort der Wissenschaft oder astrologische Forschungen – seine Architektur soll der Bewegung der Sonne durch die Sternbildzeichen folgen – sicher ist, dass herausragende Mathematiker am Werk waren, die das gesamte Wissen der damaligen Zeit nutzten.
Viele Elemente erinnern an islamische Baukunst, die Zahl acht, in der islamischen Welt eine magische Zahl, taucht immer wieder auf. Der Grundriss umfasst zwei konzentrische Achtecke, an dessen Winkeln sich ebenfalls acht achteckige Türme befinden – ein wirklich magischer Ort der auch nach so langer Zeit immer noch eine besondere Aura ausstrahlt. Das Schloss gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Polignano a Mare

Den Abend verbringen wir in Polignano a Mare einem kleinen, fast schon kitschig schönen Ort zwischen Bari und Brindisi, umrahmt von schroffen Klippen und goldsandigen Buchten.
Wir schlendern durch belebte Gassen der Nacht und dem Restaurant Grotta Palazzese entgegen. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wird dort feines Meeresgetier verspeist, edel getafelt und gefeiert.

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Wie der Name vermuten lässt befindet sich das Restaurant tief im Inneren einer Tropfsteinhöhle. Begeistert bin ich nicht, denke ich doch sofort an Feuchte, Kühle und Dunkelheit. Latente Platzangst macht sich breit. Viele Stufen führen hinunter in die Tiefe, meine Beklemmung steigt. Doch plötzlich höre ich sanftes gleichförmiges Meeresrauschen: Die Grotte öffnet sich mit sensationellem Blick zur Meerseite hin. Wir gehen, nein vielmehr: schreiten die letzten Stufen zum Restaurant hinunter und blicken auf strahlend weiß gedeckte Tische zu unseren Füßen. Im Hintergrund erklingt leise das Lied „Volare“, schimmerndes Kerzenlicht und funkelnde Sterne leuchten dem immer dunkler werdenden Blau des Abendhimmels entgegen.

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Die Blaue Stunde verabschiedet sich. Farben in allen Aquarellkastenblau-Schattierungen fließen ineinander und verschwinden im tiefen Schwarz der Nacht. Wer hier nicht romantisch wird, der wird es nie mehr.

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Apulien Tag drei: I Sassi di Matera ( die „Steine“ von Matera)

Am letzten Tag unserer Apulien–Schnupperreise machen wir uns noch auf, eine der ältesten Städte der Welt zu besichtigen: Matera. Nur 50 km von Bari entfernt, in der angrenzenden Region Basilikata trifft man hier auf eine wunderschöne Altstadt und die berühmten „I Sassi di Matera“ – die „Steine“ von Matera.

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Bereits seit der Steinzeit besiedelten Menschen diesen Ort. Die „Sassi“ – erbaut in einer felsigen Gegend auf den Hängen einer großen Karstschlucht – der Gravina von Matera – bestehen aus weit verzweigten Höhlenwohnungen, Brunnen und einem ausgefeiltem Bewässerungssystem aus der Bronzezeit. 1950 noch als „nationale Schande“ bezeichnet, wurden sie 1993 von der UNESCO als Erbe der Menschheit unter Denkmalschutz gestellt.

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Heute weiß man um den Wert der Höhlenwohnungen. Sind diese charakteristischen Siedlungen doch ein als gelungenes Beispiel einer Siedlung die sich über Jahrtausende in perfekter Harmonie mit dem Ökosystem entwickelte.

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Und seit kurzem ist es amtlich: Matera wird Europas Kulturhauptstadt 2019! Die 60.000-Einwohnerstadt setzte sich bei der italienischen Endauswahl gegen solch illustre Städtekonkurrenz wie Cagliari, Perugia-Assisi, Siena, Lecce und Ravenna durch.

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Apulien – ich komme wieder! Spätestens 2019 und das nächste Mal bleibe ich länger als nur drei Tage.

Reiseinformationen:

Flugverbindungen

Zugverbindungen Ferrotramiviaria S.p.Ai:

Apulien Infos

Polignano a Mare

Ristorante Grotta Palazzese

Matera

Bari

Bari/Giovinazzo

  • Pizza & Cucina Al cantagallo
    Via Molfetta, 18, 70054 Giovinazzo Bari, Italien
    +39 080 394 1104

Andria

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