Dream Rooms München macht mich zur Auster. Um mich herum liegen Perlen, vor meinen Augen beginnt eine Reise vom Meer bis in den Weltraum. Mein Körper bleibt derweil in einem Bällebad in der Neuen Hopfenpost nahe dem Münchner Hauptbahnhof. Die VR-Brille macht aus Kunststoffkugeln eine andere Wirklichkeit. Ohne sie liege ich zwischen Bällen. Mit ihr bin ich unterwegs.

Hier dürfen Erwachsene wieder im Bällebad verschwinden, zwischen Ballons herumstreifen und sich in Sitzsäcke fallen lassen. Wer dabei zunächst an IKEA denkt, liegt mit seiner Assoziation durchaus richtig. Nur ist dieser Spielplatz erheblich größer, aufwendiger beleuchtet und mit einem künstlerischen Anspruch versehen.
Seit dem 30. Oktober 2026 stehen die Dream Rooms dem Publikum offen. Ich habe die Erlebniswelt bereits vorab ausprobiert. Mein Eindruck: Das kann ziemlich lustig sein. Allerdings wiederholt sich hinter den wechselnden Farben und Formen auch einiges.


Wie fühlt es sich an, zu träumen?
Die Idee erklärt Grant Dudson, Global Creative Director von Fever Originals, bei der Eröffnung anhand einer einfachen Frage: Wie fühlt sich ein Traum an?
Gemeinsam mit dem Ausstellungsproduzenten Exhibition Hub und einem internationalen Team aus Gestaltern und Künstlern will Fever solche Empfindungen in begehbare Räume übersetzen. Die Besucher sollen mit offenen Augen träumen, selbst entdecken und etwas von jener Neugier zurückgewinnen, mit der Kinder Neues ausprobieren.
Dazu passen die ungewöhnlichen Größenverhältnisse, die intensiven Farben und die Aufforderung, sich körperlich auf die Umgebung einzulassen. Eine riesige gelbe Badeente sitzt in einem Meer aus Bällen. Anderswo füllen gelbe Ballons den Raum. Spiegel und herabhängende Lichtfasern lassen die Umgebung scheinbar weitergehen, als es die Wände eigentlich erlauben.
Die britische Lichtkünstlerin Frankie Boyle hat die „Descension Chamber“ gestaltet. Lichtkunst gehört also ebenso zum Konzept wie das lustvolle Versinken zwischen Kunststoffkugeln.



Reinfallen, verstecken, liegen bleiben
Der Rundgang lebt vom Ausprobieren. Manche Bereiche laden zum Verstecken ein, andere zum Toben. Eine große Stiftwand nimmt Körperumrisse auf. In der Landschaft aus Sitzsäcken möchte man sich am liebsten erst einmal niederlassen. Stellenweise kann man sich beinahe verloren fühlen.
Das macht den Reiz eines gemeinsamen Besuchs aus. Mit Freunden oder Kollegen lässt sich hier vermutlich leichter herumalbern als allein. Für einen Geburtstag, einen Familienausflug oder eine Unternehmung mit dem Team bietet die Umgebung reichlich Anlässe, aus der üblichen Rolle herauszukommen.
Man muss sich allerdings bewegen wollen. Wer nur durch die Räume spaziert und ein paar Fotos aufnimmt, lässt einen wesentlichen Teil des Angebots liegen.
Deshalb mein wichtigster Kleidungstipp: Sportklamotten anziehen. Ein Jogginganzug oder ähnlich bequeme Kleidung passt hier ausgezeichnet. Damit lässt es sich leichter krabbeln, hinlegen und toben. Die vorgeschriebenen Stoppersocken sind dabei sinnvoll und funktionieren für mich gut.

Viele Farben, ein ähnliches Gefühl
Nach einigen Räumen stellt sich allerdings eine gewisse Vertrautheit ein. Wieder Bälle. Eine andere Farbe, eine andere Form, eine andere Kulisse. Das sieht auf den Fotos abwechslungsreich aus. Für den Körper fühlt es sich häufig ziemlich ähnlich an.
Die Dream Rooms haben damit ein Problem, das sich durch Licht und Gestaltung nur teilweise lösen lässt: Das Bällebad bleibt ein Bällebad. Der erste Moment des Eintauchens überrascht. Beim nächsten Becken kennt man ihn bereits.

Die anderen Installationen bringen Abwechslung hinein. Trotzdem wirkt der Rundgang auf mich in Teilen sehr redundant. Zwischen dem Anspruch einer Reise durch unterschiedliche Traumgefühle und dem tatsächlichen Erlebnis bleibt eine Lücke.
Das nimmt dem Besuch nicht jeden Spaß. Es macht aber verständlich, warum ich mir schwer vorstellen kann, mehrmals hinzugehen. Wenn ich die Räume erkundet, die Motive fotografiert und die VR-Reise erlebt habe, fehlt mir bislang der Anlass für eine Wiederholung.

Die Reise ins Weltall kostet extra
Am deutlichsten erweitert die VR-Brille das Erlebnis. Meine Reise als Auster zwischen Perlen führt tatsächlich über das hinaus, was die übrigen Bällebäder bieten.
Dudson erklärt bei der Eröffnung, dass auch der Widerstand der Bälle eine Funktion habe. Er soll an jene verlangsamte Bewegung erinnern, die man aus manchen Träumen kennt. Die reale Umgebung bekommt damit eine Verbindung zur virtuellen Welt.
Die Idee leuchtet mir ein. Den Aufpreis finde ich trotzdem zu hoch.
Das VIP-Paket enthält neben dem VR-Erlebnis auch Stoppersocken und ein Poster. Die Socken sind praktisch. Das Poster hätte bei mir zu Hause vermutlich einen sehr kurzen Weg ins Altpapier. Einen überzeugenden zusätzlichen Gegenwert sehe ich darin nicht. Die virtuelle Reise bleibt eine interessante Ergänzung, ihr Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt mich jedoch nicht.

Ein Soundtrack zum Mitnehmen
Auch musikalisch verfolgen die Dream Rooms einen eigenen Ansatz. Für die Räume entstanden eigens komponierte Stücke in Zusammenarbeit mit dem Produzenten und Komponisten Jonatan Bäckelie. Dudson zieht bei seiner Rede den Vergleich zum Film: Auch ein räumliches Erlebnis soll einen eigenen Soundtrack erhalten.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Räumen fallen mir beim Eröffnungsbesuch allerdings nicht besonders deutlich auf. Vielleicht beanspruchen die Farben, Oberflächen und Bewegungen meine Aufmerksamkeit stärker.
Gut finde ich die Möglichkeit, anschließend weiterzuhören. Die Musik ist über das auf der Website verlinkte Spotify-Profil von Dream Rooms zugänglich. So lässt sich ein Teil des Besuchs mit nach Hause nehmen. Für mich ist das die interessantere Erinnerung als ein Poster.

Große Zuckerwatte, kleine Schließfächer
Im Eingangsbereich wartet noch eine sehr handfeste Attraktion: ein Zuckerwatteautomat. Karte dranhalten, bezahlen und die Maschine arbeiten lassen. Sie stellt die Zuckerwatte automatisch her – in einer Größe, die sich zwischen all den überdimensionierten Spielobjekten gut behaupten kann.
Weniger großzügig fallen die Schließfächer aus. Wer mit Rucksack oder Laptoptasche kommt, merkt schnell, wie knapp der Platz bemessen ist. Im Winter werden auch Stiefel untergebracht werden müssen. Gerade für eine Attraktion, die sich für kalte und nasse Tage anbietet, wünsche ich mir hier mehr Stauraum.
Das ist eine praktische Schwäche, die schon vor dem eigentlichen Rundgang spürbar wird. Möglichst wenig Gepäck mitzunehmen, erleichtert den Besuch.

Ein Ausflug für graue Tage
Für Touristen nahe dem Hauptbahnhof, Freunde auf der Suche nach einer gemeinsamen Unternehmung oder Familien an einem Regentag können die Dream Rooms eine vergnügliche Abwechslung sein. Die Räume sind bunt, fotogen und bieten Gelegenheit, sich auszutoben oder zwischendurch einfach liegen zu bleiben.
Meine Begeisterung hat dennoch Grenzen. Die vielen ähnlichen Bällebäder, der hohe VR-Aufpreis und die kleinen Schließfächer gehören ebenso zu diesem Besuch wie die Riesenente und die Reise ins Weltall.
Ob das Konzept dauerhaft trägt, wird sich zeigen. Meine persönliche Vermutung ist, dass es vor allem im Herbst und Winter funktioniert. Sobald München wieder in die Biergärten zieht, dürfte es schwieriger werden. Eine bestätigte Laufzeit lässt sich daraus selbstverständlich nicht ableiten.
Für mich bleiben die Dream Rooms ein lustiger Spielplatz zum einmaligen Ausprobieren. Am besten mit guter Gesellschaft, bequemen Klamotten und wenig Gepäck. Die Neugier kommt mit hinein. Ob sie für einen zweiten Besuch reicht, ist eine andere Frage.
Nach dem Bällebad ins NENI München
Genug getobt und Hunger bekommen? Nahe dem Hauptbahnhof liegt auch das 25hours Hotel The Royal Bavarian mit dem NENI München. Wer den Ausflug mit einem Restaurantbesuch verbinden möchte, findet hier meinen Besuchsbericht über das NENI München.
