Kultur in Berlin: 5 Top-Tipps von Chicago und C/O über Martin-Gropius-Bau und WYLD bis Wild

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Kultur in Berlin 1 Chicago Dez_2015_001Kultur ist Geschmacksfrage. Definitionsfrage. Auslegungssache. Jeder hat einen anderen Geschmack, einen anderen Schwerpunkt. In kaum einer anderen deutschen Stadt sind die Möglichkeiten für jeden noch so ausgefallenen Geschmack etwas zu finden, so vielfältig. Wir warfen uns ins Getümmel. Musical und Akrobatik-Tanztheater mit den längsten Beinen Deutschlands, Fotogalerie und Alte Meister sowie Berlins wilde Mitbewohner – grossartige Erlebnisse sind vorprogrammiert. Ein paar Tage im Winter 2015/16 reichten aus, um vom Musical Chicago im Theater des Westens und den Friedrichstadtpalast, die Sammlung Würth im Martin-Gropius-Bau und das C/O Berlin ein Potpourri an Kunst und Kultur in Berlin in uns hineinzuziehen.

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Berlin ist schnelllebig. Kaum, dass wir wieder zurück daheim sind, kaum, dass wir die Koffer ausgepackt haben, noch nicht mal die Fotos bearbeitet haben, haben sich die Ausstellungen verändert, ist das Musical weitergezogen. Doch es gibt auch die Beständigkeit: Wild und WYLD sind noch dort, wo wir sie sahen.

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Im Theater des Westens waren wir im Musical Chicago. Isabel Dörfler, die die Knastmama Morton spielt, bewundern wir spätestens, seit wir sie in Hair bei den Bad Hersfelder Festspielen gesehen haben. Mittlerweile sind Chicago und Isabel Dörfler nach München in das Deutsche Theater weitergezogen. Bis zum 10. April habt Ihr noch die Möglichkeit, Euch das Musical anzuschauen. Unsere Empfehlung: Unbedingt hingehen! Das kurzweilige Knastsingspiel begeistert von der ersten bis zur letzten Sekunde. „Ein messerscharfes Showspektakel, so perfekt kühl wie die Damen töten“, urteilt die Münchner Abendzeitung. Mord, Habgier, Korruption, Gewalt, Ausbeutung, Ehebruch und Untreue geben den perfekten Hintergrund für eine schaurig-schöne Geschichte aus dem Chicago der Zwanziger Jahre. Es gibt einige Höhepunkte in dieser formidablen Nummernrevue, sei es Isabel Dörfler mit „Bist Du gut zu Mama“, seien es die Klassiker wie „All that Jazz“ oder der „Cell Block Tango“.

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Wir bleiben bei Tanz und Spektakel. Doch ein anderer Ort, ein anderes Konzept. Der Friedrichstadtpalast ist nicht nur berühmt für die schönsten und längsten Beine Deutschlands sondern auch für Europas größte Drehbühne, für die einzige Show in Europa, die es mit Produktionen aus Las Vegas, wie etwa dem Cirque du Soleil aufnehmen kann. Tanz, Gesang, Akrobatik und eine kleine alle Elemente miteinander verbindende Geschichte vereinen sich aktuell in der grossen Show WYLD.

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Das Theater von Max Reinhardt aus dem Jahr 1919 ist die meistbesuchte Bühne Berlins. Die Grand Shows, Kindershows und Gastspiele ziehen jährlich 700.000 Besucher an. Nofretete erwacht in der Show THE WYLD noch bis Sommer 2016 fast allabendlich zu neuem Leben.

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Worum geht es in dieser Geschichte? Laut Eigenbeschreibung des Friedrichstadtpalastes: „Alle fliegen auf Berlin, auch die Außerirdischen. Zwischen ihnen ein BMX-Radfahrer und die Lady, die im Fernsehturm lebt und sich zu den Aliens hingezogener fühlt als zu den Menschen.“

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Doch Shows im Friedrichstadtpalast sind wie ein Porno: Die Rahmenhandlung ist völlig egal, oft total banal. Einen Sexfilm schaut man sich ja auch nicht wegen irgendeiner kruden Story an. Was die Zuschauer interessiert, das ist jeden Cent wert: Es ist die Inszenierung, die Akrobatik, die Show an sich ist im Friedrichstadtpalast immer wieder grandios. Hier werden immer wieder Superlative erreicht. Die teuerste Show bislang. Und hatten wir schon erwähnt, dass es hier die längsten Beine der Welt gibt…

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Die Sammlung Würth unter dem Titel „Von Hockney bis Holbein“ sahen wir kurz vor Schluss der Präsentation im Martin-Gropius-Bau. Die Sammlung Würth zählt zu den größten Privatsammlungen Europas. Sie umfasst mehr als 16.800 Kunstwerke. Die bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne sind in der Sammlung vertreten aber auch Meisterwerke aus dem Mittelalter und Klassiker der zeitgenössischen Kunst. Gut nebeneinander gehängt sind die beiden sehr unterschiedlichen Portraits von Martin Luther, die Lukas Cranach vom grossen Reformator gemalt hatte.

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Berlin_2_Martin_Gropius_Bau_Sammlung_Wuerth_Dez_2015_004Neben herausragenden Kunstkammerobjekten und einer exquisiten Auswahl der renommierten Altmeistersammlung zu der auch die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein der Jüngere gehören, eines der bedeutendsten Gemälde des 16. Jahrhunderts, erwarten Kunstfreunde unter anderem Hockneys energiegeladener Jahreszeiten-Zyklus, bedeutende Werke stilbildender Künstler des 20. Jahrhunderts von Max Ernst bis Andy Warhol. Und nicht ohne Stolz wird die logistische Leistung gerühmt, bei der nun Hunderte Tonnen Kunstgut aus Würths Depots nach Berlin in den Martin-Gropius-Bau verfrachtet worden sind.

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Zu den Höhepunkten des „Wunders von Würth“ zählt der Raum für Max Ernst. Immer wieder hat Reinhold Würth ganze Konvolute gekauft, von Max Ernst etwa die durch Werner Spies zusammengetragene Sammlung der Lufthansa.

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Auch die Retrospektive von Anton Corbin im C/O Berlin besuchten wir auf den letzten Drücker. Der Niederländer besticht durch grandiose Ästhetik, spektakuläre Kompositionen und das Ausprobieren immer wieder anderer Produktionsmöglichkeiten. Zum 60. Geburtstag von Anton Corbijn feiert C/O Berlin den weltweit renommierten Fotografen und Regisseur in einer großen Retrospektive mit rund 600 Fotografien, Filmen und weiteren Exponaten. C/O Berlin zeichnet seine Entwicklung vom Autodidakt zu einem der einflussreichsten Fotografen nach und präsentiert die große Vielfalt seiner Themen und verwendeten Techniken. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: Hollands Deep bietet einen Überblick über sein gesamtes Werk der vergangenen 40 Jahre – von seinen frühen schwarz-weiß Fotografien bis hin zu persönlichen Projekten und konzeptuellen Serien. 1-2-3-4 präsentiert seine Arbeiten aus der Musikwelt – darunter noch nie veröffentlichte Aufnahmen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Bilder von Bands und Musikern, die Anton Corbijn über eine längere Zeit begleitet hat. Seine Arbeit ist Teil der visuellen Historie von Künstlern wie Rolling Stones, U2, Nirvana, The Slits, Nick Cave, Siouxsie Sioux, Arcade Fire, Tom Waits, REM, Metallica, Johnny Rotten, Depeche Mode, Herbert Grönemeyer und anderen. Zusätzlich präsentiert die Ausstellung zahlreiche – von ihm als „verlorene Bilder“ – bezeichnete Fotos von Persönlichkeiten wie Isaac Hayes, The Bee Gees, David Bowie, Joe Cocker, Johnny Cash, Grace Jones und weiteren mehr.

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Richtig wild wird es dann im Spandauer Forst. Beim Waldspaziergang erspähen wir zwischen den Bäumen kapitale Hirsche. Nicht weit entfernt von den zwei Männchen liegen in einer kleinen Senke die Hirschkühe, ihr braunes Fell deckt sie so gut, dass wir sie inmitten von Herbstlaub und Geäst kaum entdecken können. Das Rotwild versteckt sich gut in seinem Gehege, lässt sich von den vereinzelten Spaziergängern nicht aus der Ruhe bringen.

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Schliesslich noch Berlins berühmteste Besucher. Von Zeit zu Zeit kommen Wildschweine auf Nahrungssuche in die Stadt hinein, durchforsten die Mülltonnen auf der Suche nach Essbarem. Doch eigentlich bevorzugen sie die Wälder. Diese Schwarzkittel hier sind jedenfalls in einem grossen Gehege eingezäunt und lassen sich sehr gern mit trockenen Spaghetti füttern. Der Ausflug in den Spandauer Forst gehörte zu meinen Sonntagsausflügen in Kindertagen. Und jetzt, wenn es mich mal wieder in die Berliner Heimat bringt, ist es eine schöne Reminiszenz an vergangene Zeiten. Und ein perfekter Ausflug für Familien mit Kind und Kinderwagen, die ein paar Stunden an frischer Luft verbringen wollen.

Wer jetzt Hunger bekommen hat, dem empfehlen wir folgende zwei Restaurants:


Ein paar mehr Berlin-Tipps findet Ihr hier:


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Götz A. Primke

Herausgeber, Chefredakteur, Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger bei Le Gourmand - Das Geniesser-Magazin
Restaurantfachmann, Dipl.-Betriebswirt (FH) und Journalist - und immer schon Geniesser. Feinschmeckender Vielfrass, viel essender Feinschmecker. Immer auf der Suche nach Genuss und Genüssen, Destinationen, Kulturen, Charakteren und Geschichten. Reisejournalist, Reiseblogger, Foodjournalist, Foodblogger.

Götz A. Primke did a complete hotel business apprenticeship in a 5 star hotel in Berlin and completed his university years at the university of applied sciences in Munich with a degree as Diplom-Betriebswirt in tourism economics. Following some years as editor in a german renowned hotel business magazine he started to work as freelance journalist, travel journalist, travel blogger, food journalist and food blogger. His articles are published in german newspapers, magazines, web-sites and on his own platform Le Gourmand http://www.legourmand.de/ . He writes about travel, destinations, hotels, restaurants, food & beverages, cooking, gourmandise cuisine and everything that tastes good.
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