Wo sonst die Stars des Fußballs aufeinandertreffen, ging es am 26. April 2026 um die europäische Krone der Spitzengastronomie: Die Münchner Allianz Arena verwandelte sich in die wohl spektakulärste Arena für das Halbfinale von „Koch des Jahres 2026“. 16 ambitionierte Kandidatenteams traten an, um das begehrte Ticket für das große Finale im November (in der Motorworld München) zu ergattern. Nach einem hochintensiven Wettkampftag stehen die sechs Finalisten nun fest.

Kindheitserinnerungen auf dem Teller: Zwischen Emotion und Präzision
Das diesjährige Wettbewerbthema des Halbfinales von „Koch des Jahres“ forderte den Talenten maximale Kreativität und technisches Geschick ab: Gefragt waren persönliche Kindheitsgerichte – und zwar in zweifacher Ausführung. Die Teams mussten sowohl eine klassische Variante („Old School“) als auch eine komplett moderne Interpretation („New School“) auf die Teller zaubern.
Gerade dieser emotionale Ansatz sorgte bei vielen Teams für deutlich mehr Persönlichkeit als in früheren Jahren. Der Fokus lag weniger auf maximaler Produktluxus-Inszenierung, sondern stärker auf Geschichten, Erinnerungen und kulinarischer Herkunft.



Trotz einer spürbar intimeren Atmosphäre als in den Vorjahren, mit einem kompakteren Teilnehmerfeld und einer fokussierten Spitzenjury (darunter kulinarische Größen wie Rosina Ostler, Alina Meissner-Bebrout, Philipp Vogel, Tobias Bätz und Christoph Rainer), war das Niveau auf absolutem Weltklasse-Niveau.
Trotz prominenter Namen wirkte die Jury insgesamt deutlich kleiner als bei früheren Ausgaben. Auch im Teilnehmerfeld war die Reduktion spürbar. Ob dies eine bewusste strategische Neuausrichtung oder ein Zeichen veränderter Rahmenbedingungen in der Branche ist, bleibt offen.

Das sind die sechs Finalisten für das große Finale
Vier Teams überzeugten die hochkarätig besetzte Fachjury auf direktem Weg:

- Aljoscha Knoblich (Souschef, Restaurant Jellyfish*, Hamburg) mit Assistent Joachim Kraft – Platz 1
- Semi Hassine (Küchenchef, Restaurant Fachwerk, Hattingen) mit Assistent Gerald Kortmann – Platz 2
- Tetiana Berezhna (Köchin, Erkelenz) mit Assistent Volodymyr Zorin
- Lukas Baumgartner (Junior Souschef, Restaurant Auerhahn, Schluchsee) mit Assistent Théophile Burger


Chefs Challenge Night: Das Publikum als Jury
Die verbleibenden zwei Finalplätze wurden im Rahmen der legendären Chefs Challenge Night vergeben. Rund 600 geladene Gäste aus der Gastronomie, Hotellerie und den Medien fungierten hierbei als kollektive Jury. Die Aufgabe: Die Teams mussten aus vorgegebenen Warenkörben Gerichte für rund 300 Personen zubereiten.

Die Besucher konnten sich durch die vielseitigen Gänge probieren und stimmten unkompliziert digital über eine Event-Webseite ab. Am Ende gingen die beiden heißbegehrten Wildcards an:
- Mustafa Mirzaei (Souschef, Restaurant Johanns*, Waldkirchen), der sich zusätzlich den Best Plating Award für das optisch und handwerklich stärkste Anrichten sicherte.
- Simon Bantle (Küchenchef, Restaurant Goldener Engel, Ihringen) mit seiner grandiosen Interpretation einer „Schlachtschüssel“.
Dank des enormen Engagements der Sponsoren und vielseitigen Food-Anbieter vor Ort musste garantiert kein Gast die Allianz Arena hungrig verlassen – das kulinarische Rahmenprogramm setzte Maßstäbe.

Copa Jerez 2026: Ein exklusiver Zusatzwettbewerb
Parallel zum Hauptwettbewerb fand mit der Copa Jerez ein ganz eigenes, hochklassiges Highlight statt. Hier ging es um die perfekte Symbiose aus erstklassigen Menüs und maßgeschneidertem Sherry-Pairing.
Drei Teams traten gegeneinander an:
- Team Teko by Lange Rodriguez aus Essen
- Team Brasserie Moulins aus Bad Vilbel
- Team LUMI aus der Seezeitlodge Nohfelden
Gerade die Verbindung aus Sommellerie und Küche sorgte hier für einen deutlich ruhigeren, fachlicheren Gegenpol zur energiegeladenen Hauptveranstaltung. Die hochkarätig besetzte Jury mit Vertreterinnen und Vertretern von Feinschmecker, Süddeutscher Zeitung und Sommelier-Union unterstrich den Stellenwert des Wettbewerbs.
Hans und Chantal Lange Rodriguez vom Restaurant „Teko by Lange Rodriguez“ konnten die Fachjury mit ihrer Performance auf ganzer Linie überzeugen. Sie werden Deutschland beim internationalen Finale des Copa Jerez Forum & Competition 2027 in Spanien repräsentieren.

Große Bühne bleibt – die Zukunft wird spannend
Die Allianz Arena liefert weiterhin eine spektakuläre Bühne für „Koch des Jahres“. Die Kombination aus Wettbewerb, Festivalcharakter, Publikumsvoting und Networking funktioniert nach wie vor hervorragend.
Gleichzeitig stellt sich nach dem Halbfinale 2026 die Frage, wohin sich das Format künftig entwickeln wird. Die Branche befindet sich im Wandel: Personalmangel, wirtschaftlicher Druck und veränderte Gastronomiekonzepte machen auch vor Spitzenwettbewerben nicht halt.
Gerade deshalb dürfte das Finale im November 2026 in der Motorworld München besonders spannend werden.
