Wer am späten Abend die Klenzestraße im Münchner Glockenbachviertel entlangschlendert, erlebt derzeit ein kurioses Phänomen: Glückliche Feinschmecker, die mit einem Glas Gewürzgurken unter dem Arm aus einem Restaurant treten. Es ist das charmante Souvenir eines kulinarischen Abends in der Brasserie Colette Tim Raue. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen hat das Erfolgskonzept im Januar 2026 seine Karten völlig neu gemischt – mit einem revolutionär flexiblen 4-Gänge-Menü zum unschlagbaren Festpreis. Wir haben den Selbstversuch gewagt.
Ein Jahrzehnt in der umkämpften Spitzengastronomie ist eine Ewigkeit. Dass die Brasserie Colette an ihren Standorten Berlin, Konstanz und München heute so frisch und profiliert dasteht wie am ersten Tag, liegt an einer goldenen Regel:Stillstand ist keine Option. Zum runden Jubiläum stellte das Team das brandneue Speisenkonzept vor. Das Ergebnis? Mehr Freiheit für den Gast, maximale Transparenz im Portemonnaie und der gewohnt unverkennbare Stil von Patron Tim Raue und Küchendirektor Dominik Obermeier.

Der neue kulinarische Baukasten: 4 Gänge für 99 Euro
Bisher orientierten sich anspruchsvolle Gourmets an vierteljährlich wechselnden Menüs. Bei unserem ersten Besuch kurz nach der Eröffnung berichteten wir hier bereits davon. Damit bricht das neue Konzept radikal. Ab sofort gilt das Prinzip: „Bauen Sie sich Ihr eigenes Menü – der Preis bleibt fix.“ Für exakt 99 Euro stellt sich jeder Gast sein ganz persönliches 4-Gänge-Menü aus der gesamten Karte zusammen (Vorspeise, Zwischengang, Hauptgang und Dessert). Wer es rein vegan mag, zahlt sogar nur 88 Euro.
Dieser unkomplizierte Festpreis nimmt dem Fine-Dining-Abend jegliche Steifheit. Man weiß von vornherein ganz genau, dass sich die Gesamtsumme im Rahmen hält – ein psychologischer Geniestreich, der Lust auf regelmäßige Wiederholungen macht. Wer keines der Menüs wählen möchte, kann natürlich weiterhin alle Positionen flexibel à la carte bestellen.

Ein Abend im Selbstversuch: Unsere Menü-Highlights
Die kulinarische Handschrift von Tim Raue ist weltbekannt: ein meisterhaftes Spiel aus Süße, Säure und pikanter Schärfe, das die schwere französische Klassik wunderbar aufbricht und modernisiert. Wir durften uns beim Pressetermin durch eine perfekt balancierte Speisenabfolge probieren, die wir wärmstens empfehlen können:

1. Der Auftakt: Rindertatar
Wir begannen klassisch und doch aufregend anders. Das handgeschnittene, butterzarte Rindertatar wird flankiert von cremigem Eigelb, knackigen Radieschen und einer feinen Gurkennote. Es setzt sofort den Ton für den Abend: vertraute Aromen, handwerklich auf allerhöchstem Niveau interpretiert.

2. Der Zwischengang: Cassolette de Bretagne
Ein absolut wärmendes Highlight auf der aktuellen Saisonkarte. Die Cassolette de Bretagne ist ein traditioneller, tiefgründiger Eintopf aus weißen Bohnen und edlen Meeresfrüchten, der durch eine raffinierte Rauchpaprikasauce eine wunderbar südländische, leicht pikante Tiefe bekommt. Ein Löffel pures Urlaubsgefühl.

3. Der Hauptgang: Rinderfilet „Wellington“ (für 2 Personen)
Es ist die Königsdisziplin der klassischen Brasserie-Küche, und Dominik Obermeier beherrscht sie perfekt. Das Rinderfilet Wellington wird in der Colette perfekt rosa im knusprigen Blätterteigmantel serviert, verfeinert mit einer luxuriösen Trüffelnote und einer tiefen, glänzenden Portweinjus.

Für dieses Meisterwerk wird im Rahmen des Menüs ein fairer Aufpreis von 10 Euro pro Person berechnet – ein Investment, das sich mit jedem Bissen bezahlt macht. Denn das Wellington wird im ganzen im Blätterteig ausgebacken und dann vor den Gästen fachgerecht zerteilt und serviert. Service am Tisch des Gastes ist heutzutage leider rar geworden.

4. Das süße Finale: Amour Chaud
Der Name hält, was er verspricht. „Amour Chaud“ kombiniert ein eiskaltes, samtiges Vanilleparfait mit heißen, fruchtigen Himbeeren und der eleganten Süße weißer Schokolade. Es ist das perfekte Wechselspiel aus heiß und kalt, das diesen Abend im Glockenbachviertel opulent und glücklich abrundet.



Das Mitbringsel: Warum jeder Gast ein Gurkenglas trägt
Doch zurück zu den eingangs erwähnten Gewürzgurken. Was hat es damit auf sich? Wer die Brasserie Colette verlässt, bekommt als liebevolles Gastgeschenk ein edles Glas der hauseigenen, süß-sauren Tim Raue Cornichons mit auf den Weg.
Dieses feine Detail zeigt, wie sehr man hier den Gast versteht: Es ist ein kulinarischer Anker für zu Hause. Wenn man Tage später in der eigenen Küche den Deckel öffnet und den Duft der perfekt balancierten Gewürzgurken einatmet, ist sie sofort wieder da – die Erinnerung an ein wunderbares Dinner, das historische Brasserie-Interieur mit seinen originalen französischen Eisenbahn-Sitzbänken und das unbeschwerte Lebensgefühl.
Fazit: Gehobene Küche ohne Reue
Mit dem neuen Preiskonzept beweist die Brasserie Colette München, dass Spitzenkulinarik im Jahr 2026 weder elitär noch unbezahlbar sein muss. Die Flexibilität, die Klassiker wie die berühmte Garnele Marocain oder die Crème Brûlée spielerisch mit saisonalen Kreationen zu mischen, macht das Restaurant nahbarer denn je. Ein glasklares Konzept, ein fixer Preis und ein Glas Gurken als Ticket für die kulinarische Zeitreise zu Hause. Es war nicht der erste oder zweite, sondern jetzt der dritte Besuch und wir kommen definitiv wieder!
